Wirtschaft · Autoindustrie
BMW setzt beim Sparen auf künstliche Intelligenz
BMW treibt den Umbau seiner Unternehmensabläufe mit künstlicher Intelligenz voran. Der Münchener Autobauer will sich bis 2028 deutlich stärker über KI steuern lassen und verspricht sich davon Einsparungen in Milliardenhöhe. Besonders weit reichen die Pläne im Einkauf, wo künftig autonome digitale Systeme Aufgaben übernehmen sollen. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Konzernpläne.
Einkauf als Testfeld für neue Abläufe
Im Zentrum steht bei BMW ein internes Projekt mit der Bezeichnung Operating Model 3.0. Es soll die nächste Stufe eines größeren Umbaus markieren. Einkaufsvorstand Nicolai Martin stellte dem Bericht zufolge im Forschungs- und Innovationszentrum des Konzerns dar, wie die neue Arbeitsweise aussehen soll.
Im Einkauf geht es um einen Bereich, der für Autobauer besonders wichtig ist. Hersteller kaufen Bauteile, Rohstoffe, Software und Dienstleistungen in großem Umfang ein. Schon kleine Effizienzgewinne können dort erhebliche finanzielle Wirkung entfalten. BMW setzt dabei auf sogenannte Agenten, also KI-Systeme, die Aufgaben eigenständig vorbereiten oder ausführen können.
Die Pläne zeigen, wie stark die Autobranche ihre internen Strukturen verändert. Nach Jahren mit hohen Investitionen in Elektromobilität, Software und neue Produktionsprozesse suchen Hersteller nach Wegen, Kosten zu senken und Entscheidungen schneller zu treffen. Künstliche Intelligenz wird dabei nicht nur als Werkzeug für einzelne Anwendungen gesehen, sondern zunehmend als Bestandteil der Unternehmenssteuerung.
KI soll über einzelne Anwendungen hinausgehen
BMW beschreibt den Umbau nicht als isoliertes Digitalprojekt. Die Technik soll vielmehr Arbeitsabläufe verändern, die bisher stark von manueller Abstimmung, Datenaufbereitung und wiederkehrenden Prüfungen geprägt sind. Im Einkauf könnten KI-Systeme etwa Informationen bündeln, Vorgänge vergleichen oder Entscheidungen vorbereiten.
Damit folgt BMW einem Trend, der über die Autoindustrie hinausreicht. Unternehmen erproben KI nicht mehr nur in Forschung, Kundenservice oder Produktion. Sie prüfen zunehmend, ob sich ganze Prozessketten automatisieren oder neu ordnen lassen. Die Erwartung: weniger Aufwand, kürzere Bearbeitungszeiten und mehr Transparenz über Kosten.
Gleichzeitig bleiben solche Vorhaben organisatorisch anspruchsvoll. Wenn digitale Systeme eigenständiger arbeiten, müssen Verantwortlichkeiten, Kontrollmechanismen und Datenqualität klar geregelt sein. Für einen Industriekonzern mit vielen Lieferanten, Standorten und Produktlinien ist das besonders komplex.
Bürokratie bleibt Belastungsfaktor
Neben internen Kostenprogrammen spielt auch das regulatorische Umfeld eine Rolle. Eine Analyse in der FAZ beschreibt, dass die Zahl einzelner Vorschriften im Bundesrecht seit 1991 deutlich gestiegen ist. Demnach nahm die Zahl der Einzelnormen in Gesetzen und Rechtsverordnungen von 76.899 auf 97.806 im Jahr 2026 zu. Das entspricht einem Plus von 27 Prozent.
Noch stärker wuchs demnach das Textvolumen des Bundesrechts. Zwischen 2006 und 2026 stieg es von 9,55 Millionen auf 17,36 Millionen Wörter. Einschließlich Anlagen liegt der Umfang laut der Auswertung bei rund 20 Millionen Wörtern. Für Unternehmen bedeutet eine solche Entwicklung mehr Aufwand bei Prüfung, Dokumentation und Umsetzung von Vorgaben.
Die FAZ verweist zudem darauf, dass der offiziell erfasste Erfüllungsaufwand nur Teile der tatsächlichen Belastung abbildet. Nicht vollständig enthalten sind etwa Wechselwirkungen zwischen Regeln oder wirtschaftliche Folgen wie unterlassene Investitionen. Für Industriebetriebe kann das zusätzlich zu internen Kostenthemen ins Gewicht fallen.
Druck zur Effizienz steigt
Die BMW-Pläne stehen damit in einem Umfeld, in dem Autobauer mehrere Herausforderungen gleichzeitig bewältigen müssen. Sie investieren in neue Technologien, passen Lieferketten an und arbeiten an effizienteren Strukturen. Künstliche Intelligenz soll helfen, diese Aufgaben mit geringerem Aufwand zu steuern.
Ob die angekündigten Einsparungen erreicht werden, hängt davon ab, wie schnell die neuen Systeme in den Alltag der Fachbereiche gelangen. Entscheidend ist auch, ob Beschäftigte, Führungskräfte und digitale Werkzeuge sinnvoll zusammenarbeiten. Für die Branche ist der Vorstoß ein weiteres Signal: Kostendisziplin und technologische Erneuerung rücken enger zusammen.