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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Energie und Sanktionen

Berlin hält trotz US-Dieseldeal an Ölsanktionen fest

Die Bundesregierung bleibt nach Trumps Vereinbarung mit Russland bei ihrem Kurs gegen russisches Öl. An deutschen Tankstellen gibt es bislang keine deutlichen Preisreaktionen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Tankstelle steht für die anhaltende Debatte über Dieselpreise, Sanktionen und Energieabhängigkeiten.
Symbolbild: Eine Tankstelle steht für die anhaltende Debatte über Dieselpreise, Sanktionen und Energieabhängigkeiten. KI-generiert

Die Bundesregierung will auch nach der von US-Präsident Donald Trump verkündeten Dieselvereinbarung mit Russland an den Sanktionen gegen Moskau festhalten. Deutschland bezieht nach Angaben aus dem Wirtschaftsministerium seit 2023 kein russisches Öl und keine entsprechenden Produkte mehr. Für Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland zeigen sich an den Tankstellen bislang keine größeren Ausschläge, zugleich verschärft der Deal die politische Debatte über Energiepreise und Abhängigkeiten.

Berlin bleibt bei den Sanktionen

Regierungssprecher Stefan Kornelius reagierte zurückhaltend auf die US-Entscheidung. Nach Angaben von tagesschau.de nahm die Bundesregierung den Schritt zur Kenntnis, ohne Trump direkt anzugreifen. Kornelius verwies aber auf die Linie Berlins und der europäischen Partner. Die Bundesregierung halte an den Beschlüssen gegen Russland fest und arbeite mit anderen EU-Staaten an weiteren Maßnahmen, sagte er sinngemäß.

Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche bekräftigte in Berlin, Deutschland stehe zu den europäischen Sanktionspaketen. Seit dem EU-Importverbot für russisches Öl und Ölprodukte im Jahr 2023 komme diese Ware nicht mehr nach Deutschland. Die Versorgung sei breiter aufgestellt worden. Wörtlich sagte die Sprecherin laut tagesschau.de: „Wir sind unabhängig von russischem Öl.“ Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet.

Auch die Süddeutsche Zeitung berichtete über diese Haltung der Bundesregierung. Demnach sieht Berlin keinen Anlass, die eigene Sanktionspolitik wegen der US-Vereinbarung zu ändern. Die Unterstützung der Ukraine soll nach Darstellung des Regierungssprechers weiterlaufen; parallel setzt die Bundesregierung auf diplomatische Bemühungen für eine Friedenslösung.

Trump sucht Entlastung bei Dieselpreisen

Trump hatte nach einem Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin Lieferungen russischen Diesels in die USA angekündigt. Es geht um Hunderttausende Tonnen Diesel. Dafür wollen die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen russischen Diesel zeitweise aussetzen. Der Kreml bestätigte die Vereinbarung.

Der Schritt fällt in eine innenpolitisch angespannte Phase in den USA. Wegen gestiegener Spritpreise steht Trump vor den Zwischenwahlen, die in weniger als einem Monat anstehen, unter Druck. Der Deal soll offenbar zusätzliche Mengen auf den Markt bringen und Preisstress abfedern. In Europa trifft die Vereinbarung auf Kritik, weil Russland weiterhin wegen des Kriegs gegen die Ukraine sanktioniert wird.

Besonders scharf reagierten die Grünen. Parteichefin Franziska Brantner warf Trump vor, erst durch seinen Kurs im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg die Energiepreise mit nach oben getrieben zu haben und nun ausgerechnet mit Putin Entlastung zu suchen. Der Nachrichtenagentur dpa sagte sie: „Skrupelloser geht es nicht.“ Für Europa leitete sie daraus die Forderung ab, unabhängiger von fossilen Energien zu werden und eigene Souveränität zu stärken.

Kaum Bewegung an deutschen Zapfsäulen

Für die Preise in Deutschland erwarten Branchenvertreter vorerst keine nennenswerten Folgen. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie verweist darauf, dass russischer Diesel seit Februar 2023 nicht mehr in die EU eingeführt werden darf. Diese Regel bleibe bestehen. Die vereinbarte Menge gilt demnach nicht als groß genug, um den Weltmarkt deutlich zu bewegen.

Auch die laufende Preisbeobachtung an den Tankstellen zeigt bislang keine auffällige Reaktion. Diesel und Superbenzin lagen vor und nach dem üblichen Preissprung um die Mittagszeit nahe an den Werten des Vortags zur gleichen Zeit. Damit bleibt der deutsche Kraftstoffmarkt zwar empfindlich für internationale Energiepolitik, der konkrete US-Russland-Deal schlägt aber zunächst nicht sichtbar auf die Zapfsäulen durch.

Die Debatte verschiebt sich deshalb weniger auf einen unmittelbaren Preisschock als auf die politische Einordnung. Während Washington wegen hoher Kraftstoffpreise einen Sonderweg mit Moskau einschlägt, hält Berlin an der europäischen Linie fest. Für die Bundesregierung steht dabei im Vordergrund, die Abkehr von russischen Energielieferungen nicht aufzuweichen. Für die Opposition im Bundestag und die Grünen ist der Vorgang zugleich ein Argument, den Ausstieg aus fossilen Importabhängigkeiten zu beschleunigen.