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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Signa-Komplex

Benko darf Gefängnis gegen Hausarrest tauschen

René Benko darf die Haftanstalt verlassen und unter Auflagen in den Hausarrest wechseln. Der Signa-Gründer soll eine elektronische Fußfessel tragen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Benko darf unter Auflagen in den Hausarrest wechseln.
Symbolbild: Benko darf unter Auflagen in den Hausarrest wechseln. KI-generiert

Der verurteilte österreichische Unternehmer René Benko darf aus der Haft in den Hausarrest wechseln. Das Landesgericht Innsbruck hat seinem Antrag zugestimmt; vorgesehen ist eine elektronische Fußfessel. Wie tagesschau.de berichtet, gelten zugleich Auflagen, darunter ein Kontaktverbot zu bestimmten Personen aus dem Signa-Umfeld. Benkos Verteidigung rechnet damit, dass der Wechsel noch in dieser Woche erfolgt.

Gericht bewilligt Antrag

Benko saß seit Januar 2025 in Haft. Der Gründer des zusammengebrochenen Immobilien- und Handelskonzerns Signa hatte beantragt, sich außerhalb des Gefängnisses auf weitere Verfahren vorbereiten zu dürfen. Sein Anwalt begründete dies damit, dass eine angemessene Vorbereitung in der Haft nicht möglich sei.

Mit der Entscheidung wird die Haft nicht aufgehoben, sondern in eine überwachte Form verlegt. Der Hausarrest mit elektronischer Kontrolle begrenzt Benkos Bewegungsfreiheit weiter. Hinzu kommt das vom Gericht verhängte Kontaktverbot. Es betrifft nach den Angaben aus Innsbruck unter anderem Personen aus dem früheren Umfeld der Signa-Gruppe.

Der Schritt ist im Signa-Komplex bedeutsam, weil Benko trotz der Lockerung weiterhin im Zentrum mehrerer strafrechtlicher Vorwürfe steht. Die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn unter anderem wegen Betrugs, Untreue und Bankrotts.

Weitere Verfahren stehen an

Deutschlandfunk berichtet, dass ein weiteres Verfahren am 4. November beginnt. Benko war erst im September in Innsbruck wegen Betrugs schuldig gesprochen worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Gläubiger geschädigt wurden.

In dem Verfahren ging es nach Angaben von tagesschau.de unter anderem um einen Mietkostenvorschuss von 360.000 Euro für eine Immobilie in Innsbruck. Das Gericht wertete die Zahlung als problematisch, weil sich Benkos Firmenimperium zu diesem Zeitpunkt bereits in einer schweren Krise befand. Die verhängte Strafe lag demnach bei zweieinhalb Jahren Haft.

Deutschlandfunk nennt zudem eine frühere rechtskräftige Verurteilung zu zwei Jahren Haft. Diese stand demnach im Zusammenhang mit Geld, das kurz vor einer Firmeninsolvenz beiseitegeschafft worden sein soll. Im Signa-Komplex können weitere Anklagen folgen.

Vom Immobilienaufstieg zum Zusammenbruch

Benko galt über Jahre als einer der bekanntesten Immobilieninvestoren Österreichs. Mit dem Erwerb und der Entwicklung von Immobilien baute er ein großes Vermögen auf. Seine Signa-Gruppe wuchs zu einem weit verzweigten Konzern mit Beteiligungen im Immobilienhandel, im Einzelhandel und an prominenten Standorten.

Auch in Deutschland war Benkos Firmengeflecht stark präsent. Dazu zählten zeitweise Galeria Karstadt Kaufhof sowie das Berliner Luxuskaufhaus KaDeWe. In Hamburg war Benko mit dem Elbtower verbunden, dessen Bau nach der Krise der Signa-Gruppe zum Stillstand kam.

Die wirtschaftliche Wende begann mit massiven Problemen im Konzern. Im März 2024 beantragte Benko Privatinsolvenz. Anfang 2025 folgte seine Festnahme im Zuge der Ermittlungen rund um den Zusammenbruch der Signa-Gruppe.

Bedeutung für den Signa-Komplex

Der Wechsel in den Hausarrest ändert nichts am Umfang der strafrechtlichen Aufarbeitung. Er verschafft Benko jedoch andere Bedingungen für die Vorbereitung auf die anstehenden Prozesse. Die elektronische Überwachung und die gerichtlichen Kontaktbeschränkungen sollen zugleich sicherstellen, dass die Auflagen eingehalten werden.

Für die Gläubiger, frühere Geschäftspartner und die betroffenen Unternehmen bleibt der Fall ein zentraler Bestandteil der Signa-Aufarbeitung. Die Gruppe gehörte vor ihrem Zusammenbruch zu den auffälligsten Firmenkonglomeraten im deutschsprachigen Raum. Ihre Insolvenz hinterließ Baustellen, offene Forderungen und zahlreiche juristische Verfahren.