Wirtschaft · Pharma-Produktion
Bayer steckt 2,2 Milliarden Dollar in neues US-Werk
Bayer baut seine Pharma-Produktion in den Vereinigten Staaten deutlich aus. Der Leverkusener Konzern will 2,2 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 1,95 Milliarden Euro, in einen neuen Standort in New Albany im Bundesstaat Ohio investieren. Das Werk soll etwa 600 Arbeitsplätze schaffen und die Fertigung wichtiger Arzneien für den US-Markt und weitere Länder stärken. Das Unternehmen gab die Pläne am Freitagabend bekannt.
Neuer Standort in Ohio
Am neuen Standort will Bayer mehrere Produktionsschritte bündeln. Vorgesehen ist, dass dort sowohl pharmazeutische Ausgangsstoffe als auch fertige Medikamente hergestellt werden. Damit soll die Produktion enger verzahnt werden, als es bei getrennten Standorten möglich wäre.
Nach Angaben des Tagesspiegels, der über die dpa-Meldung berichtete, spricht Bayer von voraussichtlich rund 600 hoch qualifizierten Stellen. New Albany liegt im Großraum Columbus und hat sich in den vergangenen Jahren als Standort für Industrie- und Technologieansiedlungen profiliert.
Konzernchef Bill Anderson verwies in der Mitteilung auf die Bedeutung der USA für Bayer. Die Vereinigten Staaten seien seit Langem ein wichtiger Ort für Produktion und Innovation, sagte Anderson laut Tagesspiegel. Am neuen Werk sollten Fachkräfte und Fertigungs-Know-how zusammenkommen, um Patientinnen und Patienten in den USA und weltweit zu versorgen.
Fokus auf wichtige Therapiefelder
Das Handelsblatt berichtet, dass Bayer auf dem neuen Campus zunächst Medikamente gegen Krebs sowie Präparate für Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen herstellen will. Damit würde der Standort Bereiche bedienen, die für die Pharmasparte des Konzerns eine zentrale Rolle spielen.
Bayers US-Chef Sebastian Guth, zugleich operativer Leiter der Pharmasparte, bezeichnete die USA dem Handelsblatt zufolge als den am schnellsten wachsenden Pharmamarkt für Bayer. Die neue Fabrik soll daher nicht nur zusätzliche Kapazitäten schaffen, sondern auch die Präsenz in einem Markt stärken, der für den Konzern immer wichtiger wird.
Der geplante Bau reiht sich in eine größere Investitionsoffensive ein. Bayer hat in den USA innerhalb von fünf Jahren bereits mehr als sieben Milliarden Dollar in Pharma-Forschung, Entwicklung und Produktion gesteckt. Das neue Projekt erhöht den Umfang der dortigen Aktivitäten nochmals erheblich.
USA gewinnen für Bayer an Gewicht
Der Anteil der USA am weltweiten Pharmaumsatz von Bayer ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Nach Angaben des Deutschlandfunks erwirtschaftete der Konzern 2018 dort noch etwa ein Fünftel seines globalen Pharmageschäfts. Inzwischen liegt der Anteil bei 35 Prozent.
Diese Entwicklung erklärt, warum Bayer seine Produktion näher an den US-Markt rückt. Für Pharmakonzerne ist der Standort nicht nur wegen der Nachfrage relevant. Auch Forschung, Zulassungsnähe, Versorgungsketten und politische Rahmenbedingungen spielen eine wichtige Rolle. Mit dem neuen Werk kann Bayer Teile der Wertschöpfung stärker in einem Land bündeln, das bereits heute einen großen Teil zum Pharmageschäft beiträgt.
Das Handelsblatt verweist zudem auf frühere Aussagen Guths, wonach Bayer den Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in den USA bis zum Ende des Jahrzehnts mindestens verdoppeln will. Der Ausbau in Ohio passt zu diesem Ziel.
Politischer Druck auf Arzneipreise
Die Investition fällt in eine Phase, in der der amerikanische Pharmamarkt politisch stark diskutiert wird. In den USA kosten Medikamente teils erheblich mehr als in anderen Industrieländern. Präsident Donald Trump fordert Pharmakonzerne auf, die Preise zu senken. Zugleich drängt er andere Staaten dazu, ihr Preisniveau bei Arzneien anzuheben.
Für Bayer bleibt der Markt dennoch strategisch zentral. Die höheren Umsätze, die wachsende Bedeutung Nordamerikas und die geplante Verdopplung des US-Geschäfts zeigen, dass der Konzern dort weiter auf Expansion setzt. Das Werk in Ohio ist dabei ein großes Industrieprojekt mit Bedeutung für Produktion, Beschäftigung und die künftige Aufstellung der Pharmasparte.