Wirtschaft · Sanierung der Ost-West-Achse
Bahn sperrt Strecke Berlin-Hannover für Monate
Die Deutsche Bahn hat am Freitag die Sanierung der wichtigen Verbindung zwischen Berlin und Hannover gestartet. Der Abschnitt zwischen Lehrte in der Region Hannover und Berlin bleibt für die Arbeiten über viele Monate weitgehend gesperrt; die Bauphase soll bis Dezember 2027 laufen. Für Reisende bedeutet das längere Fahrzeiten, Umleitungen und im Nahverkehr teils Ersatzangebote. Auch der Güterverkehr muss sich auf zusätzliche Umwege einstellen.
Fernzüge fahren große Umwege
Im Fernverkehr wird die Direktverbindung zwischen Hannover und Berlin nicht wie gewohnt bedient. Züge auf der Achse zwischen Nordrhein-Westfalen und der Hauptstadt werden nach Angaben der Tagesschau über Magdeburg oder Braunschweig geführt. Dadurch verlängert sich die Fahrt auf der stündlichen Direktverbindung um etwa 60 bis 80 Minuten. Ob einzelne Halte in Wolfsburg und Stendal während der Bauzeit bestehen bleiben, war zuletzt noch in Prüfung.
Auch andere Verbindungen sind betroffen. Die vier täglichen Züge zwischen Amsterdam und Berlin werden zwischen Osnabrück und Berlin über Hamburg geleitet; die Reisezeit steigt um rund 70 Minuten. Auf der Achse Frankfurt-Berlin nutzt ein Teil der Fernzüge die Route über Fulda und Erfurt. Andere Züge enden bereits in Braunschweig, der Abschnitt von dort nach Berlin entfällt dann.
Die Bahn arbeitet an einer der zentralen Ost-West-Verbindungen im deutschen Schienennetz. Nach Angaben des Deutschlandfunks umfasst die Sanierung rund 230 Kilometer Strecke. Die Tagesschau nennt unter Berufung auf die Bahn eine 227 Kilometer lange Achse; davon sollen rund 216 Kilometer Gleise erneuert werden.
Regionalverkehr stark eingeschränkt
Im Regionalverkehr sind vor allem Verbindungen in Niedersachsen betroffen. Auf den Linien RE 50 zwischen Hildesheim, Braunschweig und Wolfsburg sowie RE 30 zwischen Hannover und Wolfsburg fahren am Wochenende Ersatzbusse zwischen Fallersleben und Wolfsburg. Zwischen Braunschweig und Wolfsburg sowie zwischen Gifhorn und Wolfsburg bleibt jeweils ein stündliches Angebot bestehen.
Die Linien RE 60 und RE 70 zwischen Hannover und Braunschweig sowie die RB 40 zwischen Braunschweig, Helmstedt und Magdeburg sollen weiter stündlich verkehren. Im S-Bahn-Verkehr fällt die Linie S4 zwischen Hannover und Hildesheim im gesamten Fahrplanjahr 2027 aus. Die Betreiberfirma Transdev will über weitere Einzelheiten informieren.
Parallel zur Hauptstrecke steht auch die Lehrter Stammbahn im Fokus. Anders als zunächst vorgesehen ist ihre Sperrung nach Angaben des Deutschlandfunks noch nicht aufgehoben. Sie soll elektrifiziert und künftig für bis zu 160 Kilometer pro Stunde ertüchtigt werden; derzeit liegt die zulässige Geschwindigkeit bei 120 Kilometern pro Stunde.
Bahnhöfe, Gleise und Technik werden erneuert
Die Arbeiten betreffen nicht nur die Schienen. Die Bahn will Oberleitungen, Leit- und Sicherungstechnik sowie Lärmschutzanlagen instand setzen oder austauschen. Zudem werden Bahnhöfe modernisiert. Geplant sind unter anderem bessere Beleuchtung, übersichtlichere Wege und stufenfreie Einstiege. Auch Schwellen, Schotter und 149 Weichen sollen erneuert werden.
Um die Bauzeit zu begrenzen, wird auch nachts und an Wochenenden gearbeitet. Vorarbeiten laufen bereits seit September. Die Bahn rechnet deshalb örtlich mit zusätzlichem Baulärm, besonders im Raum Wolfsburg.
Der Fahrgastverband Pro Bahn warnt vor schwierigen Monaten. Der Bundesvorsitzende Detlef Iffländer sprach im Deutschlandfunk von einer „heftigen Phase für die Fahrgäste“. Er verlangte zusätzliche Reisebusse und eine Zwischenlösung für die Lehrter Stammbahn, damit Reisende entlastet werden. Außerdem forderte er vom Bund eine stärkere Steuerung der Generalsanierungen.
Kritik auch aus dem Güterverkehr
Der Verband Die Güterbahnen kritisiert die Auswirkungen auf den Schienengüterverkehr. Wegen der Vollsperrungen müssten Güterzüge weite Ausweichstrecken nutzen. Der Verband hält die Umleitungen für unzureichend vorbereitet und bemängelt eine fehlende Abstimmung mit der Branche.
Die Strecke ist für den Bahnverkehr besonders wichtig. Laut Bahn fahren dort täglich mehr als 400 Züge im Nah- und Fernverkehr sowie rund 90 Güterzüge. Die monatelange Sperrung trifft damit eine der meistgenutzten Verbindungen zwischen der Hauptstadt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Generalsanierung soll die Infrastruktur langfristig stabiler machen, bringt aber zunächst massive Einschränkungen für Reisende und Unternehmen.