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Wirtschaft · Fernverkehr

Bahn nimmt Familienticket dauerhaft ins Angebot

Die Deutsche Bahn führt ihr Familienticket ab November dauerhaft ein. Familien zahlen 99,99 Euro für Hin- und Rückfahrt im ICE inklusive Sitzplatzreservierung.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein ICE an einem Bahnsteig steht für Familienreisen mit der Deutschen Bahn.
Symbolbild: Ein ICE an einem Bahnsteig steht für Familienreisen mit der Deutschen Bahn. KI-generiert

Die Deutsche Bahn macht ihr zunächst befristetes Familienticket zu einem festen Angebot. Vom 1. November an soll eine Familie für 99,99 Euro im ICE hin- und zurückfahren können, die Sitzplatzreservierung ist im Preis enthalten. Bahnchefin Evelyn Palla begründete den Schritt mit der starken Nachfrage während der Sommerferien. Der Verkauf soll am 26. Oktober beginnen, wie tagesschau.de berichtet.

Pauschalpreis gilt ab November

Das Familienticket war ursprünglich als zeitlich begrenzte Aktion für die Ferienzeit eingeführt worden. Nun übernimmt der Konzern den Preis dauerhaft in sein Angebot. Mit dem Ticket können zwei Erwachsene gemeinsam mit bis zu vier Kindern reisen. Es gilt für eine Hin- und Rückfahrt im ICE und schließt die Reservierung der Sitzplätze ein.

Palla sagte der „Bild am Sonntag“, die Bahn habe sich entschieden, das Angebot nach der Testphase fest aufzunehmen. Damit reagiert der bundeseigene Konzern auf ein Segment, das für den Fernverkehr wichtig ist: Familien suchen häufig früh planbare Verbindungen und kalkulierbare Preise. Ein Pauschalangebot kann die Entscheidung für die Bahn erleichtern, wenn mehrere Personen gemeinsam unterwegs sind.

Der Preis von 99,99 Euro entspricht den Konditionen, die auch während der befristeten Sommeraktion galten. Für Reisende ändert sich damit vor allem, dass das Ticket nicht mehr nur an einen Ferienzeitraum gebunden ist. Der Start kurz vor November gibt Familien die Möglichkeit, Reisen für die folgenden Wochen zu buchen.

Hohe Nachfrage in den Ferien

Nach Angaben der Bahn war das Sommerangebot ein Erfolg. Palla sprach von 100.000 zusätzlichen Familien im Vergleich zum Vorjahr, die in den Zügen begrüßt worden seien. n-tv nennt ergänzend eine andere Kennzahl: Bis Ende Juli nutzten mehr als 200.000 Reisende das Familienticket.

Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der die Deutsche Bahn insgesamt mehr Fahrgäste beförderte. Im ersten Halbjahr 2026 nutzten rund 960 Millionen Menschen Züge des Konzerns. Das waren 17 Millionen mehr als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Die Zahlen zeigen, dass die Nachfrage trotz anhaltender Probleme im Betrieb wächst.

Für die Bahn ist das Familienticket auch ein Instrument, um planbare Einnahmen im Fernverkehr zu stärken. Gerade bei Gruppenreisen konkurriert die Bahn mit dem Auto, weil Familien dort ihre Kosten häufig als Gesamtbetrag wahrnehmen. Ein fester Preis für mehrere Mitreisende macht den Vergleich einfacher.

Pünktlichkeit bleibt Schwachpunkt

Parallel zur Ausweitung des Angebots steht die Bahn weiter wegen ihrer Zuverlässigkeit unter Druck. Im Fernverkehr erreichten im September nur 52,4 Prozent der Züge die bahneigene Pünktlichkeitsgrenze. Das war laut n-tv der zweitschwächste Monatswert des laufenden Jahres. Viele Verzögerungen gingen demnach auf Störungen an Anlagen zurück.

Bei der Bahn gilt ein Zug ab sechs Minuten Verspätung nicht mehr als pünktlich. Ausfälle werden in dieser Quote nicht berücksichtigt. Sie zählen dagegen bei der Reisendenpünktlichkeit mit, die erfasst, wie viele Fahrgäste ihr Ziel mit weniger als 15 Minuten Verzögerung erreichen. Dieser Wert lag im September bei 58,6 Prozent.

Palla räumte gegenüber der Zeitung deutliche Defizite ein. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass viele Züge mit weniger als 15 Minuten Verzögerung unterwegs seien. Die Kritik an der Lage im Fernverkehr dürfte damit aber kaum abnehmen, denn für viele Reisende zählen verpasste Anschlüsse und unzuverlässige Reisezeiten stärker als Durchschnittswerte.

Netzsanierung braucht Jahre

Als zentrale Ursache nennt die Bahn den Zustand des Schienennetzes. Palla verwies auf überalterte und störanfällige Anlagen. Heiße Sommer verschärften die Lage zusätzlich, weil Teile der Infrastruktur längere Phasen mit sehr hohen Temperaturen schlecht verkrafteten.

Eine schnelle Verbesserung stellte die Konzernchefin nicht in Aussicht. Die Erneuerung des Netzes werde nach ihrer Einschätzung mindestens zehn Jahre dauern. Das neue Familienticket setzt daher zwar beim Preis und bei der Planbarkeit für Familien an. Die größere Herausforderung bleibt aber, dass mehr Nachfrage nur dann dauerhaft trägt, wenn der Betrieb verlässlicher wird.