Wirtschaft · Industrie unter Druck
Autokrise setzt Maschinenbauer weiter unter Druck
Im deutschen Maschinen- und Anlagenbau wächst die Zuversicht, zugleich bleibt der Druck auf Beschäftigung und einzelne Sparten hoch. Besonders die Krise der Autoindustrie trifft Bereiche wie Robotik und Automation. Nach einer VDMA-Umfrage unter knapp 800 Unternehmen rechnen mehr Betriebe mit besseren Geschäften, doch mehr als 30 Prozent sehen sich zu Stellenstreichungen gezwungen. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa berichtet, sind seit 2019 in der Branche am Standort Deutschland rund 100.000 Arbeitsplätze weggefallen.
Stimmung verbessert sich im dritten Quartal
Die Lageeinschätzung der Maschinenbauer fällt spürbar besser aus als im Sommer. Im dritten Quartal bezeichneten rund 34 Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Situation als gut oder sehr gut. Im Juli lag dieser Anteil noch bei 28 Prozent. Gleichzeitig melden etwa 22 Prozent eine schlechte oder sehr schlechte Lage.
Auch der Blick auf die kommenden Monate hat sich aufgehellt. 33 Prozent der Firmen erwarten in den nächsten sechs Monaten eine Verbesserung. Im Juli waren es 25 Prozent. Nur noch 10 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Die Umfrage wurde Anfang Oktober durchgeführt.
Der Branchenverband VDMA spricht dennoch nur von vorsichtigem Optimismus. Die besseren Erwartungen stehen einem schwierigen Umfeld gegenüber. Dazu zählen geopolitische Krisen, hohe Kosten in Deutschland und ein harter Wettbewerb mit Anbietern aus China.
Autoindustrie bremst wichtige Sparten
Die Entwicklung verläuft je nach Kundengruppe sehr unterschiedlich. Rückenwind kommt nach Angaben des VDMA vor allem aus kleineren Abnehmerbranchen. Dazu gehören die Rüstungsindustrie, die Luft- und Raumfahrt sowie die Medizintechnik. Auch die Elektro- und Elektronikindustrie profitiert von hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz.
Anders sieht es in Industrien aus, die selbst unter Druck stehen. Die Chemiebranche bleibt schwierig. Noch deutlicher wirkt sich die Schwäche der Autoindustrie auf Teile des Maschinenbaus aus. Besonders betroffen sind Robotik und Automation, also Bereiche, die eng mit Investitionen in Fertigungslinien verbunden sind.
Damit zeigt sich, wie stark die Probleme der Fahrzeugbranche in andere Industriezweige ausstrahlen. Wenn Hersteller und Zulieferer ihre Ausgaben zurückhalten, spüren das auch Unternehmen, die Maschinen, Anlagen und Automatisierungstechnik liefern.
Umsatzhoffnungen trotz Stellenabbau
Viele Betriebe erwarten dennoch steigende Erlöse. 57 Prozent der Unternehmen rechnen für dieses Jahr mit einem nominalen Umsatzplus. Für das kommende Jahr liegt der Anteil sogar bei 62 Prozent. Nominal bedeutet allerdings, dass Preisveränderungen nicht herausgerechnet sind.
Bei der Beschäftigung ist das Bild deutlich schwächer. 52 Prozent der befragten Unternehmen gehen von einer stabilen Stammbelegschaft aus. Mehr als 30 Prozent planen dagegen Personalabbau. Neueinstellungen erwarten weniger als 20 Prozent der Firmen; der Anteil liegt bei 18 Prozent.
Dem Tagesspiegel zufolge verweist VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt auf die Folgen der vergangenen Krisenjahre und des industriellen Wandels. Die Branche hat seit 2019 bereits erheblich an Beschäftigung verloren. Der Verband rechnet damit, dass der Personalabbau wegen der unsicheren Rahmenbedingungen weitergeht.
Bedeutung für den Standort
Der Maschinen- und Anlagenbau gehört zu den zentralen Industriebranchen in Deutschland. Er liefert Ausrüstung für viele andere Wirtschaftszweige und ist deshalb ein Frühindikator für Investitionsbereitschaft und industrielle Stärke.
Die aktuellen Zahlen zeigen eine gemischte Lage. Auf der einen Seite verbessern sich Stimmung und Umsatzerwartungen. Auf der anderen Seite wirken die Schwäche der Autoindustrie, hohe Standortkosten und internationale Konkurrenz weiter belastend. Für Zulieferbereiche, die stark an Fahrzeugproduktion und Automatisierung hängen, bleibt die Erholung daher unsicher.