Wirtschaft · Schienenverkehr im Norden
Ausschuss ebnet Weg für neue Strecke Hamburg-Hannover
Der Verkehrsausschuss des Bundestags hat den Weg für die umstrittene Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover freigemacht. Nach jahrelangen Debatten kann die Deutsche Bahn die Planung der neuen Trasse fortsetzen, wenn der Bundestag wie erwartet zustimmt. Das Parlament soll sich am Donnerstagabend mit dem Projekt befassen; in der Koalition gilt die Zustimmung als sicher. Die Verbindung zählt zu den wichtigsten Bahnachsen in Deutschland und ist schon heute stark ausgelastet.
Breite Zustimmung im Ausschuss
Der Ausschuss stimmte einer Vorlage der Regierungsfraktionen zu, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Nach Darstellung des Spiegel trugen CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke den Antrag im Ausschuss mit.
Mit dem Beschluss wird die sogenannte Vorzugsvariante der Bahn-Infrastruktursparte DB InfraGO politisch bestätigt. Geplant ist ein zweigleisiger Neubau von Hannover-Vinnhorst bis Hamburg-Meckelfeld. Die Strecke soll 109 Kilometer lang werden. Sie soll zusätzliche Kapazität schaffen und Fahrzeiten im Fern- und Regionalverkehr verkürzen.
Die bestehende Strecke zwischen beiden Großräumen gilt als überlastet. Auf ihr treffen Fernverkehr, Regionalzüge und Güterverkehr aufeinander. Der Bund sieht in dem Korridor einen zentralen Engpass des deutschen Schienennetzes. Mit der neuen Trasse soll dieser Engpass langfristig verringert werden.
Ausbau der Bestandsstrecke gehört dazu
Der politische Kompromiss umfasst nicht nur den Neubau. Zugleich sollen Verbesserungen auf der heutigen Strecke verbindlicher werden. Dazu zählen mehr Lärmschutz, betriebliche Anpassungen und mögliche neue Halte im Regionalverkehr entlang der neuen Verbindung.
Die SPD-Verkehrspolitikerin Isabel Cademartori sagte laut Tagesspiegel, man bringe Neubau und Verbesserungen im Bestand zusammen. Zusätzlich seien rund 250 Millionen Euro für die bestehende Strecke vorgesehen, spätestens bis 2034. Der CDU-Abgeordnete Christoph Ploß nannte die neue Trasse einen wichtigen Baustein, um Engpässe zwischen Hamburg und Hannover dauerhaft zu entschärfen.
Der Kompromiss war politisch nötig. Vor zwei Wochen hatte die schwarz-rote Koalition eine Entscheidung noch vertagt. Niedersächsische Abgeordnete hatten auf schnelle Verbesserungen an der bestehenden Verbindung gedrängt. In dem Bundesland wird seit Jahren über die Neubaustrecke gestritten.
Widerstand in Niedersachsen
Die geplante Trasse stößt vor Ort auf Vorbehalte. Anwohnerinnen und Anwohner befürchten Einschnitte durch die Strecke. Auch SPD-Chef Lars Klingbeil hatte das Projekt früher kritisiert; sein Wahlkreis Rotenburg I-Heidekreis wäre von der neuen Verbindung betroffen.
Mit der Zustimmung im Ausschuss ist die politische Grundsatzentscheidung näher gerückt. Der Bundestag soll nun feststellen, dass der Neubau geeignet ist, mehr Kapazität zu schaffen und schnellere Verbindungen im Personenverkehr zu ermöglichen. Gleichzeitig enthält der Antrag Forderungen nach zusätzlichen Verbesserungen, unter anderem für den Landkreis Harburg.
Die Bahn erhält damit noch keinen unmittelbaren Baubeginn. Nach der Vorplanung folgen weitere Planungsschritte. Dazu gehören detailliertere technische Ausarbeitungen, Genehmigungsverfahren und später mögliche Bauentscheidungen. Bis Züge auf der neuen Strecke fahren, wird es noch lange dauern. In der Unterrichtung des Verkehrsministeriums an den Ausschuss wird das Jahr 2050 als Zeitpunkt für die Inbetriebnahme genannt.
Bedeutung für den Bahnverkehr
Die Achse Hamburg-Hannover ist für den Norden und für den bundesweiten Verkehr zentral. Sie verbindet die Metropolregion Hamburg mit Niedersachsen und weiter mit dem Süden und Westen Deutschlands. Für den Güterverkehr ist sie ebenfalls wichtig, weil Hamburg einer der großen Logistikstandorte des Landes ist.
Der Beschluss im Ausschuss ist deshalb mehr als ein regionales Signal. Er markiert einen politischen Fortschritt bei einem der großen Schienenprojekte des Bundes. Die eigentliche Umsetzung bleibt jedoch ein langfristiges Vorhaben. Entscheidend wird nun sein, ob der Bundestag die Linie bestätigt und wie schnell die Bahn die nächsten Planungsschritte voranbringt.