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Wirtschaft · Englischer Fußball

Aufsicht warnt vor Finanzrisiken im englischen Fußball

Die neue Fußballaufsicht IFR sieht viele englische Clubs finanziell unter Druck. Trotz Rekordeinnahmen wachsen Verluste, Schulden und Abhängigkeit von Eigentümern.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leeres Fußballstadion steht für die finanziellen Risiken im englischen Profifußball.
Symbolbild: Ein leeres Fußballstadion steht für die finanziellen Risiken im englischen Profifußball. KI-generiert

Die unabhängige englische Fußballaufsicht IFR warnt vor erheblichen finanziellen Risiken im Profifußball. Nach ihrem Bericht schreiben fast alle Vereine der fünf höchsten Spielklassen Verluste, obwohl die Branche zuletzt Rekordeinnahmen erzielte. Besonders kritisch bewertet die Behörde die wachsende Abhängigkeit vieler Clubs von ihren Eigentümern.

Viele Clubs machen Verlust

Wie der Spiegel berichtet, lagen die Gesamteinnahmen der 116 Vereine in den fünf höchsten englischen Ligen zuletzt bei rund neun Milliarden Pfund, umgerechnet etwa 10,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig verzeichneten 94 Prozent der Clubs in der vergangenen Saison ein Minus.

Die IFR beschreibt die Lage vieler Vereine als angespannt. Mehr als jeder vierte Club könnte demnach höchstens 30 Tage weitermachen, falls Eigentümer ihre Zahlungen einstellen. Einzelne Vereine nennt der Bericht nicht. Besonders betroffen sind Clubs außerhalb der Premier League. In der English Football League und der National League gelten mehr als 60 Prozent der Vereine als technisch insolvent.

Nach den Angaben der Aufsicht würden 17 Clubs selbst dann Verluste machen, wenn sie keine Spielergehälter zahlen müssten. Auch in der Premier League stuft die IFR einen Teil der Vereine als wirtschaftlich nicht dauerhaft tragfähig ein. Dort betrifft dies laut Bericht 20 Prozent der Clubs.

IFR-Chef David Kogan sagte dem Spiegel zufolge, einige englische Vereine gehörten zwar zur internationalen Spitze, andere befänden sich jedoch in einer sehr gefährlichen Lage. Die Einnahmen seien gestiegen, die Ausgaben aber noch stärker. Kogan fordert deshalb Eingriffe. Wer den Bericht lese, könne an der Notwendigkeit solcher Maßnahmen „keinen Zweifel“ haben.

Schulden steigen deutlich

Die Schuldenlast im englischen Fußball nimmt nach Angaben der Behörde stark zu. In der Saison 2020/21 lagen die Verbindlichkeiten noch bei rund 2,8 Milliarden Pfund, etwa 3,3 Milliarden Euro. In der abgelaufenen Spielzeit 2025/26 erreichten sie 4,1 Milliarden Pfund, also rund 4,8 Milliarden Euro.

Für die kommende Saison rechnet die IFR mit einem weiteren Anstieg auf 5,1 Milliarden Pfund. Das entspricht etwa sechs Milliarden Euro. Rund drei Viertel dieser Schulden entfallen auf Vereine der Premier League.

Auch die Verluste in der höchsten Spielklasse haben sich ausgeweitet. Der durchschnittliche jährliche Fehlbetrag eines Premier-League-Clubs stieg innerhalb von fünf Spielzeiten von 20 Millionen auf 44 Millionen Pfund. Umgerechnet sind das etwa 52 Millionen Euro.

Die finanzielle Kluft zwischen den Ligen wächst ebenfalls. Ein durchschnittlicher Premier-League-Verein nimmt inzwischen mehr als achtmal so viel ein wie ein durchschnittlicher Club der zweiten Liga. Diese Entwicklung erhöht den Druck auf kleinere Vereine, sportlich mitzuhalten und zugleich wirtschaftlich stabil zu bleiben.

Debatte über Eingriffe

Die IFR soll die finanzielle Stabilität des englischen Fußballs stärken. Dazu gehören aus Sicht der Behörde belastbare Notfallpläne für den Fall, dass Eigentümer ihre Unterstützung beenden. Auch eine stärkere Verteilung von Einnahmen aus der Premier League an untere Spielklassen steht zur Diskussion.

Eine Einigung zwischen den Ligen gibt es bislang nicht. Die Aufsicht könnte eine Lösung jedoch durchsetzen, falls die Beteiligten keine Vereinbarung erreichen. Damit rückt die Frage näher, wie weit Regulierung in ein System eingreifen soll, das international hohe Einnahmen erzielt, zugleich aber viele wirtschaftlich schwache Vereine umfasst.

Der Bericht erscheint in einer angespannten Phase. Manchester City wurde von einer unabhängigen Kommission wegen Verstößen gegen Finanzregeln der Premier League in 114 von 115 Punkten schuldig gesprochen. Dem zehnmaligen englischen Meister drohen nach dem Verfahren harte Sanktionen, bis hin zum Entzug von Meistertiteln oder einem Zwangsabstieg. Der Club bestreitet die Vorwürfe und hat Einspruch eingelegt.

Der Fall Manchester City betrifft einen einzelnen Spitzenclub, der IFR-Bericht zeigt jedoch ein breiteres Problem. Der englische Profifußball setzt trotz hoher Umsätze in vielen Bereichen auf fortlaufende externe Finanzierung. Fällt diese weg, geraten zahlreiche Vereine sehr schnell unter Druck.