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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Volkswagen-Sparkurs

Audi verschärft den Druck auf Neckarsulm

Audi aktiviert eine Krisenklausel und will in Neckarsulm über weitere Einschnitte sprechen. Der VW-Standort muss binnen eines Jahres ein Sparkonzept liefern.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein modernes Autowerk an einem trüben Tag steht für den wachsenden Spardruck in der Branche.
Symbolbild: Ein modernes Autowerk an einem trüben Tag steht für den wachsenden Spardruck in der Branche. KI-generiert

Audi treibt den Sparkurs im Volkswagen-Konzern voran und eröffnet am Standort Neckarsulm Gespräche über zusätzliche Einsparungen. Vorstandschef Gernot Döllner erklärte am Donnerstag auf einer Betriebsversammlung, die im Zukunftspakt von 2019 verankerte Schlechtwetterklausel werde genutzt. Damit steigt der Druck auf ein Werk, dessen Zukunft im Zuge des VW-Sanierungsprogramms offen ist.

Krisenklausel soll Verhandlungen auslösen

Die Klausel verpflichtet Unternehmensseite und Betriebsrat zu Gesprächen, wenn sich die wirtschaftliche Lage deutlich verschlechtert. Döllner sieht diese Voraussetzung erfüllt. Das Handelsblatt berichtete aus vorab verbreiteten Aussagen, Döllner habe den tiefgreifenden Wandel der Autoindustrie als Grund genannt. Audi müsse darauf nun reagieren.

Der Betriebsrat in Neckarsulm geht den Schritt nicht ohne Prüfung mit. Standort-Betriebsratschef Alexander Reinhardt erklärte, zunächst werde bewertet, ob die Bedingungen für die Anwendung der Regel tatsächlich vorliegen. Danach sei der Betriebsrat zu Gesprächen bereit, wenn sie der Perspektive des Werks und der Marke dienen.

Audi hatte die Schlechtwetterklausel bereits Ende 2019 eingesetzt. Damals standen nach Angaben des Handelsblatts unter anderem Abstriche beim Tarifentgelt, Einschnitte bei Zulagen, geringere Ergebnisbeteiligungen und Begrenzungen beim hybriden Arbeiten im Raum. Der Betriebsrat reagierte damals mit scharfer Kritik.

Neckarsulm muss Kosten senken

Der Volkswagen-Konzern hatte im September ein umfangreiches Sanierungsprogramm angekündigt. Für Neckarsulm bedeutet das nach Berichten von Deutschlandfunk und Spiegel, dass der Standort ein Jahr erhält, um ein Konzept zur Kostensenkung vorzulegen. Gelingt das nicht, droht dem Werk das Aus.

In Neckarsulm arbeiten mehr als 15.000 Beschäftigte für Audi. Zusätzlich hängen zahlreiche Betriebe in der Zulieferkette an der Produktion. Der Deutschlandfunk nennt etwa 1.000 Zulieferunternehmen. Der Spiegel verweist auf Einschätzungen von Wirtschaftsexperten, wonach in der Region im Fall einer Schließung rund 50.000 Arbeitsplätze betroffen sein könnten.

Das Werk gilt innerhalb des Konzerns als wichtiger Produktionsstandort für hochwertige Modelle. Dort werden unter anderem A5, A6, A8 und der e-tron GT gebaut. Zugleich steht die Fabrik wegen ihrer Kostenstruktur im Fokus. Der Spiegel berichtete unter Berufung auf Konzernkreise, die Fertigungskosten je Fahrzeug lägen in Neckarsulm bei knapp 6.000 Euro. Besonders effiziente europäische Werke kämen demnach auf ungefähr 3.000 Euro. Auch nach Bereinigung um Modellklasse und Stückzahl bleibe ein Abstand von rund 2.000 Euro pro Auto.

Betriebsrat warnt vor Standortverlust

Auf der Betriebsversammlung verteidigte VW-Chef Oliver Blume den Sparkurs. Der Konzern sei über Jahre auf größere Absatzmärkte und höhere Stückzahlen ausgelegt worden. In der heutigen Lage seien Strukturen vielerorts zu groß und die Kosten zu hoch. Deshalb müssten viele Stellen wegfallen. Zugleich investiere Volkswagen hohe Beträge, um den Personalabbau sozial abzufedern.

Der Arbeitnehmerseite reicht diese Begründung nicht. Audi-Gesamtbetriebsratschef Jens Stammler kritisierte die Debatte über eine mögliche Schließung deutlich. Dem Spiegel zufolge sagte er: „Wer unsere Perspektive anzweifelt“, stelle einen Standort infrage, der Audi mitgeprägt habe. Stammler verwies auf die Belegschaft, die über viele Jahre für das Unternehmen gearbeitet habe.

VW-Sanierung wird zur Belastungsprobe

Der Fall Neckarsulm zeigt, wie hart der Umbau im Volkswagen-Konzern inzwischen geführt wird. Audi steht dabei nicht isoliert, sondern ist Teil eines größeren Sparprogramms, mit dem VW seine Kosten senken und seine Werke wettbewerbsfähiger machen will. Für die Beschäftigten bedeutet das eine Phase großer Unsicherheit, für das Management einen Konflikt mit dem Betriebsrat über Tempo und Umfang der Einschnitte.

Die Aktivierung der Krisenklausel ist deshalb mehr als ein formaler Schritt. Sie verschiebt die Auseinandersetzung in verbindliche Verhandlungen. Dort dürfte es um Arbeitsbedingungen, Kostenbeiträge und die Zukunft einzelner Strukturen gehen. Für Neckarsulm läuft zugleich die Frist, ein tragfähiges Sparkonzept vorzulegen.