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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · Autokonzern unter Druck

Audi stellt Zukunftspakt infrage und will stärker sparen

Bei Audi droht ein weiterer Stellenabbau. Vorstandschef Gernot Döllner will den Zukunftspakt mit den Betriebsräten neu verhandeln.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Autowerk in gedämpfter Abendstimmung steht für den wachsenden Spardruck in der Branche.
Symbolbild: Ein Autowerk in gedämpfter Abendstimmung steht für den wachsenden Spardruck in der Branche. KI-generiert

Audi verschärft seinen Sparkurs und rückt damit erneut den Stellenabbau im Volkswagen-Konzern in den Mittelpunkt. Vorstandschef Gernot Döllner kündigte am Donnerstag auf einer Betriebsversammlung im Werk Neckarsulm an, die Betriebsräte zu neuen Gesprächen über den sogenannten Zukunftspakt aufzufordern. Die Vereinbarung sollte den Beschäftigten eigentlich langfristige Sicherheit geben. Nun steht sie nach kurzer Zeit wieder zur Debatte.

Zukunftspakt wackelt

Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung begründet die Audi-Spitze den Schritt mit der schwierigen Lage des Unternehmens und weiterhin zu hohen Kosten. Für die Belegschaft ist das ein empfindliches Signal. Der Zukunftspakt war erst vor rund anderthalb Jahren geschlossen worden und sollte nach der jüngsten Sparrunde Stabilität bis weit in die 2030er-Jahre schaffen.

Damit stellt Audi eine zentrale Zusage erneut zur Diskussion. Betroffen ist nicht nur die Planung der Werke, sondern auch die Perspektive von mehr als 80.000 Beschäftigten. Wenn ein solcher Pakt nach kurzer Zeit geöffnet wird, zeigt das den wirtschaftlichen Druck, unter dem die VW-Tochter steht.

Neuer Personalabbau droht

Audi will nach dem Bericht noch stärker sparen. Damit wächst die Sorge, dass zusätzliche Stellen wegfallen könnten. Für die Beschäftigten kommt die Ankündigung in einer Phase, in der die Autoindustrie ohnehin unter massivem Anpassungsdruck steht. Neben Audi belasten auch Probleme bei Porsche und die Schwäche im China-Geschäft den Volkswagen-Konzern.

Der mögliche weitere Abbau bei Audi ist deshalb mehr als ein einzelnes Sparprogramm. Er fügt sich in eine breitere Krise ein, in der die Hersteller Kosten senken, Werke auslasten und ihre Modellplanung neu bewerten müssen. Besonders schwierig ist die Lage, weil die Unternehmen gleichzeitig hohe Investitionen in neue Antriebe, Software und Produktionsstrukturen stemmen müssen.

Neckarsulm im Fokus

Döllner wählte für seine Ankündigung das Werk Neckarsulm. Der Standort gehört zu den wichtigen Produktionsorten von Audi. Dort wurde den Beschäftigten nun deutlich gemacht, dass die bisherige Absicherung nicht mehr als unverrückbar gilt.

Die Süddeutsche Zeitung beschreibt die Stimmung in der Belegschaft als angespannt. Das ist nachvollziehbar: Wenn ein Konzern nach einer abgeschlossenen Sparrunde erneut Verhandlungen verlangt, verändert sich die Erwartung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aus einer Zusage für viele Jahre wird wieder ein Gegenstand harter Gespräche.

Für die Betriebsräte bedeutet das eine schwierige Ausgangslage. Sie müssen über Einsparungen sprechen, obwohl der Zukunftspakt gerade Sicherheit schaffen sollte. Für das Management geht es darum, Kosten schneller zu drücken und die Wettbewerbsfähigkeit der Marke zu sichern.

Einordnung für den VW-Konzern

Audi ist eine der zentralen Marken im Volkswagen-Konzern. Gerät die Premiumtochter stärker unter Druck, verschärft das die Lage des gesamten Unternehmens. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Krise nicht auf einzelne Bereiche begrenzt ist. Sie betrifft Standorte, Personalplanung und die strategische Ausrichtung zugleich.

Der Fall macht auch deutlich, wie begrenzt die Haltbarkeit großer Beschäftigungszusagen in der aktuellen Autokrise geworden ist. Vereinbarungen, die Planungssicherheit bis in das nächste Jahrzehnt versprechen, können rasch wieder auf den Prüfstand kommen, wenn Absatz, Kosten und internationale Märkte nicht zusammenpassen.

Für Volkswagen wird damit eine weitere Baustelle sichtbar. Nach der Debatte über Porsche, der anhaltenden Schwäche in China und dem bestehenden Kostendruck rückt nun Audi stärker in den Fokus. Die Verhandlungen über den Zukunftspakt dürften deshalb weit über Ingolstadt und Neckarsulm hinaus aufmerksam verfolgt werden.