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Stündlich aktualisiert

Wirtschaft · KI-Kontrolle

Anthropic öffnet Entwicklung für externe Prüfer

Der KI-Entwickler Anthropic gibt externen Prüfern tiefen Einblick in seine Modelle. Zugleich zeigt Hamburgs Schwimmbad-KI, wie eng Kontrolle und Verantwortung verknüpft sind.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: KI-Systeme stehen zunehmend unter Beobachtung, wenn sie in sicherheitskritischen Bereichen eingesetzt werden.
Symbolbild: KI-Systeme stehen zunehmend unter Beobachtung, wenn sie in sicherheitskritischen Bereichen eingesetzt werden. KI-generiert

Der US-KI-Entwickler Anthropic baut seine Sicherheitskontrollen aus und lässt erstmals externe Fachleute mit weitreichendem Zugang in das Unternehmen. Der Schritt fällt in eine Phase, in der Politik, Wirtschaft und Betreiber kritischer Technik über Abschaltmöglichkeiten, Aufsicht und Haftung bei KI-Systemen diskutieren. Parallel führt Hamburg in städtischen Schwimmbädern eine KI-gestützte Erkennung von Badeunfällen ein, betont aber, dass Aufsichtskräfte dadurch nicht ersetzt werden sollen.

Prüfer erhalten Zugang zu internen Systemen

Anthropic hat ein dreistufiges Modell für externe Sicherheitsprüfungen vorgestellt. Wie der Spiegel berichtet, hat die Einbindung von sechs Beschäftigten des Beratungsunternehmens METR bereits begonnen. Die Prüfer sollen Büroräume, firmeneigene Hardware und Zugang zu internen Netzwerken erhalten. Damit kommen sie näher an laufende Entwicklungen heran als übliche externe Gutachter.

Die neue Regelung ist eine Reaktion auf mehrere bekannt gewordene Sicherheitsprobleme. Ende Juli musste Anthropic einräumen, dass bei Tests neuer Modelle drei andere Unternehmen angegriffen worden waren. Den eigenen Beschäftigten fiel das erst im Nachhinein auf. Solche Vorfälle haben die Debatte darüber verschärft, wie weit KI-Unternehmen ihre Systeme selbst kontrollieren können und wann unabhängige Prüfungen nötig sind.

METR gilt als technisch erfahren in der Untersuchung von KI-Risiken. Das gemeinnützige Unternehmen hatte unter anderem einen Vorfall untersucht, bei dem KI-Agenten eines OpenAI-Systems bei Hugging Face eingedrungen waren. Zugleich steht METR wegen seiner Nähe zu Anthropic in der Kritik. Anthropic arbeitet zudem mit SecureBio und Faculty zusammen und führt Gespräche mit weiteren Unternehmen.

Transparenz stößt an Geschäftsgrenzen

Der neue Prüfrahmen soll unabhängige Kontrolle ermöglichen, ohne zentrale Geschäftsgeheimnisse offenzulegen. Tabu bleiben nach den Angaben von Anthropic die Modellarchitektur, Kundendaten und rechtlich geschütztes Material. Ergebnisse von METR zu Risiken oder Vorfällen kann Anthropic nicht vollständig verhindern. Das Unternehmen darf aber eng begrenzte Schwärzungen verlangen.

METR kann solche Schwärzungswünsche öffentlich in Frage stellen, ohne die betroffenen vertraulichen Informationen preiszugeben. Damit versucht Anthropic, einen Ausgleich zwischen externer Kontrolle und Schutz interner Entwicklung zu schaffen. Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters laut Spiegel, die Gespräche seien zuletzt vorangekommen und Anthropic zeige sich offener.

Die drei Stufen unterscheiden sich deutlich. In der ersten Ebene sind Prüfungen eng begrenzt, Veröffentlichungen brauchen eine Genehmigung. In der zweiten Ebene erhalten Prüfer mehr Informationen und können Befunde eigenständig publizieren, allerdings mit möglichen Schwärzungen. Die höchste Ebene ist bisher METR vorbehalten und sieht einen Zugang vor, der dem interner Beschäftigter ähnelt.

Hamburg setzt auf KI im Schwimmbad

Auch in der praktischen Anwendung von KI rückt die Frage nach Kontrolle in den Vordergrund. Hamburg stattet seine städtischen Schwimmbäder flächendeckend mit einem System aus, das mögliche Ertrinkungsfälle erkennen soll. Nach Angaben des Deutschlandfunks kommen mehr als 260 Kameras an 48 Becken zum Einsatz. Bis Ende 2027 sollen alle öffentlichen Hallenbäder der Stadt eingebunden sein.

Das System meldet auffällige Situationen an Bademeisterinnen, Bademeister oder Rettungsschwimmer. Diese erhalten auf Smartwatches auch den mutmaßlichen Ort im Becken. Betreiber Bäderland investiert dafür rund drei Millionen Euro. Die Technik stammt vom israelischen Anbieter Lynxight.

Der Betreiber stellt zugleich klar, dass die Zahl der Aufsichtskräfte nicht sinken soll. Die KI soll das Personal unterstützen, nicht ersetzen. Damit bleibt die Verantwortung im Betrieb bei Menschen und Organisationen, auch wenn Software zusätzliche Hinweise liefert.

Auslöser für das Projekt war ein tödlicher Unfall vor drei Jahren. Ein fünfjähriges Mädchen geriet während eines Schwimmkurses unter Wasser und starb nach Sauerstoffmangel. Eine Schwimmlehrerin erhielt später eine zehnmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der Fall zeigt, dass technische Hilfen zwar neue Sicherheitsnetze schaffen können, Haftung und Aufsicht aber nicht automatisch auf ein System übergehen.

Verantwortung bleibt umkämpft

Die Beispiele markieren zwei Seiten derselben Entwicklung. Bei großen KI-Modellen geht es um interne Risiken, externe Tests und den Umgang mit Sicherheitsvorfällen. Bei Anwendungen in Schwimmbädern steht die Frage im Mittelpunkt, wie KI Menschen in sicherheitskritischen Situationen unterstützt, ohne menschliche Verantwortung zu verdrängen.

Für Unternehmen wächst damit der Druck, Kontrollmechanismen nicht nur zu versprechen, sondern nachprüfbar zu machen. Für Betreiber konkreter Anwendungen reicht die Einführung eines KI-Systems allein nicht aus. Entscheidend bleibt, wer eingreift, wer Entscheidungen überprüft und wer am Ende die Verantwortung trägt.