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Sport · Tennis in Shanghai

Zverevs Weg an die Weltrangspitze wird konkreter

Alexander Zverev steht nach einem Sieg gegen Alex de Minaur im Halbfinale des ATP-Masters in Shanghai. Der Deutsche kann seinen Sprung auf Platz eins weiter beschleunigen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Tennisspieler auf Hartplatz unter Flutlicht steht für Zverevs Turnierlauf in Shanghai.
Symbolbild: Ein Tennisspieler auf Hartplatz unter Flutlicht steht für Zverevs Turnierlauf in Shanghai. KI-generiert

Alexander Zverev hat beim ATP-Masters in Shanghai das Halbfinale erreicht und seinen bevorstehenden Aufstieg an die Spitze der Tennis-Weltrangliste sportlich untermauert. Der 29-Jährige gewann sein Viertelfinale gegen den Australier Alex de Minaur mit 6:4, 6:4. Sein rechter Knöchel, der ihm zuvor Probleme bereitet hatte, schränkte ihn dabei nicht sichtbar ein. Seit Montag ist offiziell klar, dass Zverev noch in diesem Jahr die Nummer eins wird. Mit weiteren Erfolgen in Shanghai und danach in Wien kann er den Zeitpunkt nach vorn ziehen.

Souverän gegen de Minaur

Gegen den Weltranglistenneunten de Minaur zeigte Zverev eine kontrollierte Vorstellung. Wie n-tv berichtete, sprach der Deutsche nach dem Match von einem „großen Schritt nach vorne“ und sagte, er habe sich gut gefühlt. Vor allem sein Aufschlag half ihm in den wichtigen Phasen. Früh im ersten Satz gelang ihm ein Break. Als de Minaur später selbst Chancen zum Rebreak bekam, blieb Zverev stabil.

Auch im zweiten Durchgang geriet Zverev kurz unter Druck, brachte sein Aufschlagspiel aber durch. Danach nutzte er die nächste Gelegenheit gegen den zunehmend unzufriedenen Australier und verwandelte seinen ersten Matchball. Für Zverev war es der 62. Erfolg auf der ATP-Tour in dieser Saison. Vor drei Wochen hatte de Minaur ihn beim Laver Cup in London noch geschlagen.

Der Sieg ist auch deshalb wichtig, weil Zverev im vorangegangenen Viertelfinalduell mit Alexander Bublik körperlich angeschlagen wirkte. Damals hatte ihn der Knöchel sichtbar belastet. Gegen de Minaur war davon nichts mehr zu erkennen. Zverev selbst hatte zuvor darauf verwiesen, dass er in dieser Saison viel gespielt habe und seinen Körper stärker spüre.

Finale würde den Zeitplan verändern

Im Halbfinale trifft Zverev in Shanghai auf Alejandro Davidovich Fokina. Der Spanier steht in der Weltrangliste auf Platz 26. Zverev geht als Favorit in das Duell. Ein Finaleinzug hätte auch Folgen für die Rangliste: Erreicht er in Shanghai das Endspiel und gewinnt anschließend das Turnier in Wien, wäre er am 2. November erstmals Weltranglistenerster.

Der Wechsel an der Spitze ist bereits abgesichert. Jannik Sinner aus Italien, derzeit noch ganz vorn, hat seine Saison wegen einer Knieverletzung beendet. Carlos Alcaraz aus Spanien kann Zverev nicht mehr rechtzeitig einholen. Zverev kann nur noch beeinflussen, wann genau er den ersten Platz übernimmt.

Die neue Ausgangslage scheint ihn nicht zu belasten. Auf die Frage, ob die Gewissheit über den kommenden Sprung an die Spitze Erleichterung bringe, sagte Zverev laut n-tv, er habe in diesem Jahr den Druck insgesamt gut verarbeitet. Zugleich räumte er ein, man spiele „in gewisser Weise“ etwas lockerer.

Ungeplante Pause nach Shanghai

Nach dem Masters in China bekommt Zverev eine zusätzliche Unterbrechung. Das für die kommende Woche angesetzte Showturnier Six Kings Slam in Saudi-Arabien wurde auf Ende Dezember verschoben. Dort sollte Zverev gemeinsam mit mehreren internationalen Spitzenspielern antreten. Für ihn bedeutet die Verlegung eine Pause in einer Phase, in der die Belastung im Kalender ohnehin ein großes Thema ist.

Die ATP will genau an diesem Punkt ab 2028 Veränderungen vornehmen. Die Organisation plant eine Reform der Weltrangliste, mit der die Bedeutung der Masters-Turniere steigen soll. Künftig sollen alle Ergebnisse dieser Kategorie in die Wertung eingehen. Bislang können Spieler schwächere Masters-Resultate teilweise durch bessere Ergebnisse bei kleineren Turnieren ersetzen. Das kann den Anreiz erhöhen, zusätzliche Wettbewerbe zu spielen.

Debatte über Belastung und Geld

Die ATP begründet die Reform mit der hohen Beanspruchung auf der Tour. Besonders Spieler, die regelmäßig weit kommen, haben enge Turnierfolgen und weniger Zeit zur Regeneration. Gleichzeitig sollen die finanziellen Ausschüttungen steigen. Der Bonuspool für Masters-Spieler soll nach Angaben der ATP von 21,5 Millionen auf 50 Millionen Dollar wachsen. Für Profis innerhalb der Top 250 ist ein weiterer Bonus von 25 Millionen Dollar vorgesehen. Außerdem plant die Organisation jährliche Mittel von 30 Millionen Dollar für die Altersvorsorge.

Für Zverev ist die aktuelle Saison damit nicht nur sportlich eine Zäsur. Sein Weg zur Nummer eins fällt in eine Phase, in der die Profitour über Belastung, Ranglistenlogik und Einnahmen neu verhandelt. In Shanghai geht es für ihn zunächst aber um das Finale und die Chance, den historischen Schritt an die Spitze früher zu vollziehen.