Sport · Tennis-Weltrangliste
Zverev rückt an Platz eins heran
Alexander Zverev steht so nah wie nie vor Rang eins im Herrentennis. Der bisherige Spitzenreiter Jannik Sinner beendet seine Saison wegen anhaltender Knieprobleme vorzeitig. Damit kann der Italiener in den kommenden Wochen zahlreiche Punkte aus dem Vorjahr nicht verteidigen, während Zverev nur vergleichsweise wenig zu verlieren hat. Nach Angaben der Sportschau liegt der Hamburger im Live-Ranking derzeit noch 1.280 Punkte hinter Sinner.
Sinner stoppt seine Saison
Sinners Management informierte am Dienstagvormittag über den Schritt. Die Süddeutsche Zeitung berichtete aus der Mitteilung, der 25-Jährige werde wegen einer Knieentzündung behandelt und solle vor der Vorbereitung auf 2027 ausreichend Zeit zur Erholung erhalten. Für die Saison 2026 bedeute das, dass Sinner keine weiteren Wettbewerbe bestreiten könne.
Der Ausfall verändert die Lage an der Spitze der Weltrangliste deutlich. Sinner hatte im vergangenen Herbst viele Zähler gesammelt. Er gewann damals in Wien, danach in Paris-Bercy und anschließend auch die ATP Finals. Diese Resultate fallen nun nach und nach aus der Wertung. Weil Sinner nicht antreten kann, verliert er diese Punkte ohne Möglichkeit zur direkten Verteidigung.
Zverev befindet sich dagegen in einer günstigeren Ausgangsposition. Er hat bis zum Jahresende deutlich weniger Punkte aus der Vorsaison stehen. In Peking verpasste er zuletzt zwar eine größere Annäherung, weil er im Viertelfinale gegen Novak Djokovic ausschied. Dennoch gewann er im Live-Ranking etwas hinzu, da sein Abschneiden ein schwächeres Ergebnis aus Kanada ersetzte.
Shanghai wird zum nächsten Prüfstein
Schon beim Masters in Shanghai kann Zverev den Rückstand weiter verkleinern. Das Turnier läuft vom 7. bis 18. Oktober, der Sieger erhält 1.000 Weltranglistenpunkte. Im Vorjahr waren sowohl Zverev als auch Sinner dort früh ausgeschieden. Für Sinner fallen damit weitere Punkte weg, Zverev kann im Idealfall erheblich aufholen.
Anschließend folgen die europäischen Hallenturniere. Wien ist vom 26. Oktober bis 1. November angesetzt, Paris-Bercy vom 2. bis 8. November. Gerade dort wiegt Sinners Ausfall schwer, weil er im Vorjahr beide Stationen erfolgreich abgeschlossen hatte. Für Zverev eröffnet sich dadurch die Chance, den Abstand auch ohne eine perfekte Schlussphase zu drehen.
Der Spiegel ordnet den Sprung an die Spitze als sehr wahrscheinlich ein. Auch Carlos Alcaraz spielt in der Rechnung nur noch eine geringe Rolle. Der Spanier hatte 2026 längere Zeit wegen einer Handgelenksverletzung pausiert und kam erst bei den US Open zurück, wo er im Viertelfinale ausschied.
Historische Chance für Zverev
Für Zverev wäre Rang eins ein weiterer Höhepunkt seines stärksten Karrierejahres. Der 29-Jährige gewann im Frühjahr erstmals ein Grand-Slam-Turnier bei den French Open. Im September folgte der Titel bei den US Open. Dazu kommt seine olympische Vergangenheit, die ihn bereits seit Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Tennisspielern zählt.
Bei den Männern stand bislang nur ein Deutscher ganz oben: Boris Becker. Er führte die Weltrangliste insgesamt zwölf Wochen an. Becker hatte während der US Open bei sporteurope.tv gesagt, es sei nur noch „eine Frage der Zeit“, bis Zverev die Spitze erreiche, wie der Spiegel berichtete.
Zverev selbst hatte zuletzt betont, er wolle bis zum Saisonende konzentriert bleiben. Sein Ziel sei, mit den passenden Ergebnissen die Chance auf Platz eins zu nutzen. Neben der Weltrangliste bleibt ihm noch ein weiteres großes Vorhaben: der Davis Cup. Deutschland hat die Endrunde in Bologna erreicht, die vom 24. bis 29. November stattfindet. Zverev sagte dazu, die deutsche Mannschaft werde älter, und er wolle jede Möglichkeit nutzen, diesen Wettbewerb zu gewinnen.
Ein Jahr mit neuer Ausgangslage
Noch zu Jahresbeginn war die Spitze weit entfernt. Nach den Australian Open lag Zverev klar hinter Alcaraz und Sinner. Verletzungen der Konkurrenten und Zverevs eigene Titel veränderten das Bild. Sinner erklärte in seiner Videobotschaft in sozialen Medien, sein Knie brauche weitere Behandlung. Er müsse auch an seine langfristige Laufbahn denken und wolle vollständig zurückkehren.
Für Zverev zählt nun jeder Auftritt im Saisonfinale. Der Weg zur Nummer eins ist nicht mehr von einem direkten Duell mit Sinner abhängig. Entscheidend wird, wie schnell die auslaufenden Punkte des Italieners den Abstand schließen und ob Zverev seine Chancen in Shanghai sowie bei den Hallenturnieren nutzt.