Sport · Türkischer Fußball
Wettskandal in der Türkei erfasst 448 Funktionäre
Der türkische Fußballverband TFF hat im Zuge einer Untersuchung zu mutmaßlichem Wettbetrug 448 gegenwärtige und frühere Vereinsverantwortliche vorläufig suspendiert. Betroffen sind Personen, die in der laufenden Saison bei Klubs aus den obersten zwei Ligen tätig waren. Unter ihnen sind auch prominente Namen: der Trabzonspor-Präsident Ertugrul Dogan und Besiktas-Vizepräsident Hakan Daltaban. Auch Funktionsträger von Galatasaray und Fenerbahce stehen laut Sportschau auf der Liste des Verbands.
Verdacht auf Wetten über fünf Jahre
Im Kern geht es um den Vorwurf, dass die betroffenen Vereinsverantwortlichen innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren Wetten platziert haben sollen. Der TFF ordnet die Maßnahmen als Teil einer laufenden Untersuchung ein. Die Suspendierungen sind vorläufig, eine endgültige sportrechtliche Bewertung ist damit nicht verbunden.
Die Zahl der Betroffenen macht den Vorgang zu einem der größten Integritätsfälle im türkischen Fußball der vergangenen Jahre. Die Namen reichen über mehrere große Vereine hinweg. Dass sowohl aktive als auch frühere Verantwortliche betroffen sind, zeigt zudem, dass der Verband nicht nur aktuelle Strukturen prüft, sondern auch zurückliegende Vorgänge einbezieht.
Für die Klubs kommt der Fall in einer sportlich und organisatorisch sensiblen Phase. Trabzonspor zählt zu den Vereinen, die nun besonders im Blick stehen, weil mit Dogan der Klubpräsident selbst auf der Liste erscheint. Bei Trabzonspor arbeitet derzeit der deutsche Trainer Thomas Reis. Zudem wechselte der ägyptische Nationalspieler Mo Salah aus Liverpool zu dem Verein.
Dogan weist Fehlverhalten zurück
Dogan äußerte sich gegenüber dem Sender A Spor zu den Vorwürfen. Er verwies auf die Rolle von Wettunternehmen im Fußballumfeld und sagte, diese Firmen hätten Vereine unterstützt und Auftaktveranstaltungen organisiert. Niemand habe erwartet, dass daraus Schwierigkeiten entstehen könnten.
Der Trabzonspor-Präsident bestritt eigenes Fehlverhalten. Er sagte laut A Spor: „Falls wir einen Fehler gemacht haben, entschuldigen wir uns.“ Zugleich fügte er hinzu, man habe nichts falsch gemacht. Die Aussage zeigt, wie die betroffenen Funktionäre den Vorgang offenbar einordnen: als Konflikt um Kontakte zu Wettanbietern, nicht als bewusstes Fehlverhalten.
Der Verband hat die Suspendierungen dennoch ausgesprochen. Damit zieht der TFF eine klare Grenze, während die Untersuchung weiterläuft. Für die betroffenen Vereinsverantwortlichen bedeutet die Entscheidung zunächst eine formale Einschränkung ihrer Tätigkeit im Fußballbetrieb.
Neuer Fall nach Schiedsrichter-Affäre
Der aktuelle Vorgang steht nicht isoliert. Bereits im Vorjahr hatte der türkische Fußball einen Wettfall erlebt, der Schiedsrichter betraf. Damals wurden 149 Unparteiische suspendiert. Der Verdacht lautete auf Beteiligung an illegalem Glücksspiel.
Die neue Untersuchung richtet sich nun gegen Vereinsverantwortliche und damit gegen eine andere Ebene des Systems. Zusammengenommen verstärken beide Fälle den Druck auf den Verband, die Integrität der Wettbewerbe sichtbar zu schützen. Im Fußball ist das Verhältnis zu Wetten besonders heikel, weil schon der Anschein von Interessenkonflikten Vertrauen in Spiele, Entscheidungen und Tabellen beschädigen kann.
Die vorläufigen Suspendierungen markieren deshalb mehr als eine Personalmaßnahme. Sie sind ein Signal des TFF an Vereine, Funktionsträger und Öffentlichkeit, dass mutmaßliche Wettaktivitäten im professionellen Umfeld des türkischen Fußballs nicht folgenlos bleiben sollen.