Sport · FIFA-Machtkampf
UEFA sucht weiter nach Rivalen für Infantino
Der europäische Fußball erhöht im Machtkampf mit FIFA-Präsident Gianni Infantino den Druck, bleibt aber ohne sichtbare Alternative. Bei einem Treffen in Berlin legten die UEFA und ihre nationalen Verbände ein Anforderungsprofil für eine Kandidatur fest. Ein Name wurde nicht präsentiert. Bis zum 18. November muss eine Bewerbung für die Wahl am 18. März 2027 in Rabat eingereicht sein. Parallel baut Infantino seine internationale Unterstützung aus.
Europas Profil ohne Namen
Die UEFA-Spitze um Präsident Aleksander Ceferin will den Amtsinhaber nicht länger an der Spitze des Weltverbands sehen. Nach Darstellung der Sportschau teilte die UEFA nach dem Berliner Treffen mit, die FIFA brauche eine „neue Führung“. DFB-Präsident Bernd Neuendorf sagte dem Sender, es müsse an der FIFA-Spitze einen Wechsel geben.
Gesucht wird nach den europäischen Vorstellungen eine Persönlichkeit, die nicht nur innerhalb Europas vermittelbar ist. UEFA-Vizepräsidentin Laura McAllister beschrieb laut Tagesspiegel eine Kandidatur, die mehrere Kontinente erreichen und den Weltfußball wieder zusammenführen soll. Integrität und stärkere Regeln für die Führung des Weltverbands gehören demnach zu den zentralen Kriterien.
Wer dieses Profil erfüllen könnte, blieb offen. Ceferin selbst hat bereits angekündigt, erneut für die UEFA-Spitze anzutreten. Auch Victor Montagliani, Präsident des Verbands für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik, dürfte nach einem Bericht des Guardian aus dem Kreis möglicher Herausforderer rücken: Er soll seinem Umfeld mitgeteilt haben, eine weitere Amtszeit in seiner Konföderation anzustreben.
Rückhalt für Infantino wächst
Während Europa nach einem Namen sucht, sammelt Infantino öffentliche Zusagen. Besonders deutlich fiel die Unterstützung aus Afrika aus. ZDFheute berichtete, dass Caf-Präsident Patrice Motsepe bei einer Konferenz in Sal auf Kap Verde die Rückendeckung aller 54 afrikanischen Mitgliedsverbände erklärte. Motsepe sprach dabei von einer einstimmigen und uneingeschränkten Unterstützung für Infantinos Wiederwahl.
Infantino präsentierte den Auftritt anschließend auf Instagram und bedankte sich für einen Moment der Geschlossenheit. Der 56-Jährige kann neben Afrika auch auf starken Rückhalt in Südamerika setzen. In Ozeanien gilt ihm ebenfalls viel Zustimmung als sicher. In Asien ist die Lage weniger eindeutig, zuletzt stellten sich aber arabische Verbände hinter ihn.
Die europäische Opposition zeigt zugleich Bruchstellen. Aserbaidschan und Lettland hatten ihre Unterstützung für Infantino öffentlich gemacht. Lettland trug in Berlin dennoch den Reformplan der UEFA mit. Aserbaidschan blieb als einziger europäischer Verband gegen diesen Vorschlag.
Reformplan für die FIFA
Inhaltlich fordert die UEFA Änderungen an der Machtverteilung innerhalb der FIFA. 54 der 55 europäischen Verbände unterstützten in Berlin einen Plan, der mehr Kontrolle, klarere Zuständigkeiten und transparentere Entscheidungen vorsieht. Eine stärkere Rolle des Generalsekretariats und eine eindeutigere Trennung zwischen politischen Entscheidungen und unabhängigen Gremien gehören dazu.
Neuendorf sprach von institutionellen Veränderungen, die die FIFA demokratischer machen sollen. Hintergrund ist die wachsende Kritik an einer Machtkonzentration bei Infantino. Die Sportschau verweist in diesem Zusammenhang auf Reformen nach dem FIFA-Skandal von 2016, die später durch Statutenänderungen teilweise wieder abgeschwächt wurden. 2024 stimmten 202 von 211 Nationalverbänden für diese Änderungen, darunter auch eine Mehrheit aus Europa.
Der jüngste Streit verschärfte sich im Sommer durch Infantinos Vorstoß, die Vermarktung von WM-Rechten über externe Investoren neu zu organisieren. Nach massiver Kritik wurde das Projekt nicht weiterverfolgt. Europas Verbände sowie Vertreter aus Nord- und Mittelamerika und der Karibik entzogen Infantino dennoch das Vertrauen.
Nächster Schlagabtausch in Zürich
In der kommenden Woche treffen beide Lager beim FIFA-Council in Zürich direkt aufeinander. Ceferin und Neuendorf werden dort zu den europäischen Vertretern gehören. Die UEFA will ihre Reformforderungen vorbringen.
Auf der Tagesordnung steht auch der FIFA-Friedenspreis, den Infantino an US-Präsident Donald Trump vergeben hatte. Die Entscheidung hatte Kritik ausgelöst und ist ein weiterer Streitpunkt zwischen dem Amtsinhaber und Teilen des europäischen Fußballs.
Für die UEFA bleibt die Zeit knapp. Anfang November soll zunächst das Exekutivkomitee beraten, anschließend ist eine weitere Abstimmung mit allen 55 Mitgliedsverbänden geplant. Spätestens danach braucht die Opposition eine Kandidatin oder einen Kandidaten. Ohne eine solche Person bleibt der Widerstand gegen Infantino politisch sichtbar, aber für die Wahl in Rabat wirkungslos.