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Stündlich aktualisiert

Sport · Fußball in der Türkei

Türkischer Schiedsrichterchef bleibt in Untersuchungshaft

Ferhat Gündogdu, Chef des türkischen Schiedsrichterausschusses, bleibt in Istanbul in Untersuchungshaft. Parallel weitet der Verband die Aufarbeitung eines Wettskandals aus.

Presseonline-Redaktion · · 2 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leeres Fußballstadion mit Schiedsrichterutensilien steht für die Ermittlungen im türkischen Fußball.
Symbolbild: Ein leeres Fußballstadion mit Schiedsrichterutensilien steht für die Ermittlungen im türkischen Fußball. KI-generiert

Der türkische Fußball steht erneut unter massivem Druck: Ferhat Gündogdu, Vorsitzender des zentralen Schiedsrichterausschusses MHK, ist in Istanbul in Untersuchungshaft genommen worden. Ein Gericht ordnete nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu Haft für ihn und vier weitere Verdächtige an, wie der Deutschlandfunk berichtete. Zwei weitere zuvor festgenommene Personen kamen unter Auflagen frei. Im Zentrum stehen Vorwürfe rund um Entscheidungen im Schiedsrichterwesen. Parallel arbeitet der Verband TFF einen Wettskandal auf, der bereits zahlreiche Funktionäre und Schiedsrichter betrifft.

Ermittlungen nach Durchsuchungen

Gündogdu war am Dienstag im Zuge von Ermittlungen festgenommen worden. Am Freitag wurden er und sechs weitere Personen einem Gericht vorgeführt. Die Ermittler hatten zuvor in Istanbul, Ankara und zwei weiteren Provinzen Durchsuchungen vorgenommen. Nach Darstellung der Behörden betrafen die Maßnahmen Wohnungen, beruflich genutzte Räume und Büros der Verdächtigen.

Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dpa, den Beschuldigten würden Urkundenfälschung, Vertrauensmissbrauch und die unrechtmäßige Beschaffung personenbezogener Daten vorgeworfen. Neben dem MHK-Vorsitzenden sollen auch zwei hochrangige Schiedsrichter zu den Verdächtigen zählen. Zuständig ist demnach eine Einheit der Istanbuler Staatsanwaltschaft, die sich mit illegalen Wetten und Sportkriminalität befasst.

Justizminister Akin Gürlek erklärte auf X, es gehe um mögliche Eingriffe in Ranglisten, Ansetzungen, Bewertungen, Ernennungen und Regelprüfungen im Schiedsrichterbereich. Er kündigte an, sich für einen „sauberen Fußball“ einzusetzen. Weitere Details zu den konkreten Handlungen der Verdächtigen wurden zunächst nicht benannt.

Rolle des Schiedsrichterausschusses

Der MHK ist im türkischen Fußball eine besonders einflussreiche Institution. Das Gremium stuft Unparteiische ein, setzt sie in Ligaspielen an und bewertet ihre Leistungen. Damit beeinflusst es, welche Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in welchen Wettbewerben zum Einsatz kommen und wie sich ihre Laufbahn entwickelt.

Genau diese Entscheidungen sorgen in der Türkei seit Jahren regelmäßig für Streit. Vereine und Fans kritisieren Schiedsrichteransetzungen häufig öffentlich und stellen die Neutralität einzelner Entscheidungen infrage. Die jetzigen Ermittlungen treffen damit einen Bereich, der ohnehin unter starker Beobachtung steht.

Nach bisherigen Erkenntnissen besteht laut dem dpa-Bericht kein direkter Zusammenhang zwischen dem Verfahren gegen Gündogdu und dem großen Komplex illegaler Sportwetten im türkischen Fußball. Beide Vorgänge fallen aber in eine Phase, in der das Vertrauen in die Integrität des Wettbewerbs erneut zum zentralen Thema geworden ist.

Verband befasst sich mit 448 Funktionären

Unabhängig von den Ermittlungen gegen den Schiedsrichterchef hat der türkische Fußballverband TFF seine Disziplinarverfahren im Wettskandal ausgeweitet. Die FAZ berichtete, der Verband habe am Donnerstag 448 Vereinsfunktionäre an die Disziplinarkommission verwiesen. Auf der Liste stehen demnach zahlreiche Vertreter großer Klubs, darunter Verantwortliche von Trabzonspor, Besiktas, Galatasaray und Fenerbahce.

Der Fall knüpft an einen Skandal aus dem Vorjahr an. Im November 2025 suspendierte der Verband 149 Schiedsrichter. Ihnen wurde vorgeworfen, trotz eines Verbots auf Fußballspiele gewettet zu haben. Die damals verhängten Sperren lagen bei acht bis zwölf Monaten.

Die neuen Verfahren zeigen, dass die Aufarbeitung im türkischen Fußball nicht auf einzelne Schiedsrichter beschränkt bleibt. Sie reicht inzwischen von Spieloffiziellen über Verbandsstrukturen bis in die Führungsebenen von Vereinen. Für den TFF und die Justiz geht es damit nicht nur um mögliche Regelverstöße, sondern auch um die Glaubwürdigkeit eines Wettbewerbs, dessen Entscheidungen seit langem besonders kritisch verfolgt werden.