Sport · Champions League
Tresoldi-Gala in Mailand entfacht Nationalteam-Frage
Nicolò Tresoldi hat Club Brügge am Dienstagabend mit drei Toren zu einem 4:3-Auswärtssieg bei Inter Mailand geführt. Der 22 Jahre alte deutsche U21-Nationalspieler wurde im San Siro zum herausragenden Akteur einer Champions-League-Partie, die auch die Debatte um seine künftige A-Nationalmannschaft neu befeuert.
Drei Treffer im San Siro
Tresoldi traf zunächst in der 30. Minute per Strafstoß zur Führung der Belgier. Kurz nach der Pause nutzte er einen Fehler von Inter-Torwart Josep Martínez und schob zum 2:1 ein. In der 74. Minute legte der Angreifer seinen dritten Treffer nach. Romeo Vermant erzielte in der 87. Minute das vierte Tor für Brügge.
Inter kam durch Lautaro Martínez kurz vor der Pause und in der Schlussphase zweimal heran. Ange-Yoan Bonny traf in der Nachspielzeit ebenfalls für die Mailänder, konnte die Niederlage aber nicht mehr verhindern. Für Brügge war der Erfolg beim italienischen Topklub ein internationaler Höhepunkt, für Inter setzte sich eine enttäuschende Champions-League-Serie fort.
Nach der Partie wurde Tresoldi als bester Spieler ausgezeichnet. Die Süddeutsche Zeitung zitierte ihn mit den Worten: „Ein großartiger Abend, es war wie ein Traum.“ Für den Stürmer hatte der Auftritt eine besondere Note, weil er als Anhänger des AC Mailand aufgewachsen ist. Tresoldi sagte demnach auch: „Für mich war es wie ein Derby.“
Rekord für deutschen U21-Stürmer
Mit seiner Leistung stellte Tresoldi eine deutsche Bestmarke in der Champions League auf. Nach Angaben der FAZ war er mit 22 Jahren und 54 Tagen der jüngste deutsche Spieler, dem in diesem Wettbewerb drei Tore in einem Spiel gelangen. Die vorherige Marke hielt Karim Adeyemi, der bei seinem Dreierpack 22 Jahre und 257 Tage alt war.
Tresoldi spielt seit dieser Saison für den belgischen Meister Club Brügge und gehört im Nachwuchsbereich zum Deutschen Fußball-Bund. Seit 2022 läuft er für deutsche U-Mannschaften auf. In der jüngsten Länderspielpause spielte er für die deutsche U21.
Seine Entwicklung wird inzwischen auch in Italien aufmerksam verfolgt. Dort ist er geboren, in Cagliari auf Sardinien. Sein Vater Emanuele spielte einst ebenfalls Fußball in Italien. Tresoldi wäre im Männerbereich weiterhin für mehrere Verbände spielberechtigt: für Deutschland, für Italien und wegen der Herkunft seiner Mutter auch für Argentinien.
Italien hofft auf Entscheidung
Die italienische Sportzeitung Gazzetta dello Sport machte nach dem Spiel deutlich, wie groß das Interesse an Tresoldi ist. Das Blatt schrieb über die offene Nationalteam-Frage sinngemäß, die Chancen stünden derzeit ausgeglichen zwischen Italien und Deutschland, und zitierte die Hoffnung, dass sich nach einem solchen Abend die Stimmung zugunsten Italiens drehen könne.
Auch die Bundestrainerfrage spielt dabei eine Rolle. Jürgen Klopp, derzeit Bundestrainer, und Italiens Nationalcoach Roberto Mancini haben nach den Berichten bereits Kontakt zu Tresoldi aufgenommen. Der Stürmer will seine Entscheidung aber nicht sofort treffen. Er möchte zunächst die U21-Europameisterschaft im kommenden Sommer mit Deutschland spielen.
Tresoldi kennt beide Seiten seiner Laufbahn. In Italien begann seine sportliche Geschichte nicht nur im Fußball. In Gubbio galt er auch als begabter Tennisspieler und wurde in jungen Jahren sogar für die italienische U12-Auswahl berücksichtigt. Später zog die Familie nach Deutschland, weil seine Mutter beruflich nach Hannover wechselte. Dort gewann der DFB im Nachwuchsbereich an Bedeutung für ihn.
Brügge feiert, Deutschland schaut hin
Für Club Brügge ist Tresoldis Auftritt sportlich wertvoll und öffentlichkeitswirksam. Ein Auswärtssieg bei Inter Mailand mit vier eigenen Toren gehört zu den seltenen Momenten eines belgischen Klubs auf dieser Bühne. Tresoldi stand dabei im Zentrum, weil er unterschiedliche Qualitäten zeigte: Nervenstärke vom Punkt, Aufmerksamkeit nach einem Torwartfehler und Präsenz im Strafraum.
Für den deutschen Fußball kommt der Abend zur passenden Zeit. Ein treffsicherer Mittelstürmer mit internationaler Erfahrung ist auch für die A-Nationalmannschaft interessant. Noch ist Tresoldi aber kein festgelegter Nationalspieler im Seniorenbereich. Sein Auftritt im San Siro hat die Entscheidung nicht getroffen, aber sie sichtbarer gemacht.