Sport · Rheinderby in Köln
Sechs Verletzte nach Krawallen beim Derby
Beim Rheinderby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach sind am Sonntag sechs Menschen verletzt worden. Betroffen waren nach Polizeiangaben zwei Zuschauer, darunter ein Kind, eine Ordnerin sowie drei Polizisten. Die Gewalt brach im Kölner Stadion nach dem späteren Siegtreffer des FC aus. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul kritisierte die Täter scharf und verlangte konsequentere Kontrollen gegen Pyrotechnik.
Eskalation nach Kölner Führungstor
Köln gewann die Partie mit 2:1. Das sportliche Geschehen rückte jedoch in den Hintergrund, nachdem Saïd El Mala in der 67. Minute den entscheidenden Treffer erzielt hatte. Am Gästeblock im Oberrang kam es danach zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern.
Nach Darstellung der Polizei zerstörten Fans aus dem Gladbacher Bereich zuvor eine Plexiglasscheibe, die die Blöcke voneinander trennte. Dafür sollen Nothämmer verwendet worden sein. Außerdem wurden Böller und Leuchtraketen gezündet. Pyrotechnik aus dem Gästeblock flog in Richtung einer Tribüne mit Kölner Zuschauern. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dpa, die Polizei sei erst nach mehreren Minuten eingeschritten.
Die Ermittlungen laufen in mehr als 20 Fällen. Im Mittelpunkt stehen vor allem mögliche Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz und Körperverletzungen. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Er soll einem Polizisten in den Rücken getreten haben.
Reul fordert schärfere Kontrollen
Innenminister Reul richtete seine Kritik besonders gegen Personen, die Pyrotechnik ins Stadion bringen. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte er: „Feuer und Pyrotechnik haben im Stadion auch nichts verloren.“ Die Verletzungen Unbeteiligter zeigten erneut, welche Folgen der Einsatz solcher Gegenstände haben könne.
Reul sprach zudem von Menschen, die Fußball als Bühne für Gewalt nutzten. Wer mit Vermummung im Stadion stehe, sei nicht am Spiel interessiert, sondern suche die Konfrontation. Er forderte deshalb, die Einlasskontrollen genauer zu prüfen. Seine Frage, warum solche Gegenstände weiterhin ins Stadion gelangten, zielte auch auf Vereine und Sicherheitsverantwortliche.
Kölns Geschäftsführer Philipp Türoff kündigte eine schnelle Aufarbeitung an. Gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte er, er wolle, „dass eine Familie im Oberrang Nord sitzen kann, ohne Angst zu haben“. Gladbachs Sportchef Rouven Schröder zeigte sich ebenfalls betroffen. Er verwies nach der Partie auf seine Rolle als Familienvater und sagte, er wolle keine Böller sehen, die durch Kurven fliegen.
Kritik am Sicherheitskonzept
Die Vorfälle treffen eine laufende Debatte über das neue Sicherheitskonzept in Nordrhein-Westfalen. Das Innenministerium hatte für Spiele der ersten drei Fußballligen eine veränderte Polizeistrategie angeordnet. Kleinere Einsätze sollen Kosten senken und zugleich Situationen vermeiden, in denen Konflikte zwischen Fanszenen und Polizei zusätzlich angeheizt werden.
Die FAZ bewertete die Eskalation in Köln als schweren Rückschlag für dieses Konzept. Auf der Nordtribüne sei in dem Moment Polizei nötig gewesen, als die Trennscheibe beschädigt wurde und Gewalt ausbrach. Das Blatt schrieb zudem, der Zugriff habe sieben bis acht Minuten gedauert. Zugleich wurde aus Polizeikreisen die Einschätzung wiedergegeben, auch mit der früheren Vorgehensweise wäre ein schnelleres Eingreifen kaum möglich gewesen.
Türoff verteidigte das neue Vorgehen nach dem Spiel. Seine Einordnung stieß laut FAZ bei Teilen der Zuhörenden auf Unverständnis, weil viele die Ereignisse direkt beobachtet hatten. Die Frage bleibt damit, wie Stadionsicherheit, Polizeipräsenz und Verantwortung der Vereine künftig zusammenwirken sollen.
Derby endet mit sportlichem Nebengeräusch
Sportlich war der Treffer von El Mala entscheidend. Der 1. FC Köln sicherte sich durch das 2:1 den Sieg gegen den Rivalen vom Niederrhein. Doch das Ergebnis wurde von den Bildern der Ausschreitungen überlagert.
Die Debatte reicht nun über das einzelne Spiel hinaus. Im Fokus stehen der Schutz unbeteiligter Zuschauer, der Umgang mit Pyrotechnik und die Frage, wie gewaltbereite Gruppen daran gehindert werden können, Sicherheitsbarrieren zu überwinden. Für beide Vereine bedeutet das Derby deshalb nicht nur einen sportlichen Einschnitt, sondern auch eine sicherheitspolitische Aufarbeitung.