Sport · Zweite Bundesliga
Nürnberg und Wolfsburg liefern sich ein 4:4-Spektakel
Der 1. FC Nürnberg hat in der 2. Fußball-Bundesliga die Tabellenführung knapp verfehlt. Im Max-Morlock-Stadion spielte das Team von Trainer Miroslav Klose gegen den VfL Wolfsburg 4:4. Nürnberg lag zunächst 0:2 zurück, führte später 3:2 und in der Nachspielzeit noch einmal 4:3. Alessio Besio rettete Wolfsburg mit seinem zweiten späten Treffer den Punkt.
Wolfsburg startet dominant
Der Bundesliga-Absteiger aus Niedersachsen bestimmte die erste Halbzeit deutlich. Hauke Wahl brachte den VfL in der 12. Minute nach einer Ecke in Führung. In der 29. Minute erhöhte Muhammed Damar mit einem Distanzschuss. Wolfsburg hatte weitere Chancen, vor allem Yannick Gerhardt vergab zweimal in aussichtsreicher Position.
Nürnberg kam vor der Pause kaum zur Entfaltung. Die Gäste wirkten in den Zweikämpfen präsenter und hätten ihren Vorsprung ausbauen können. Dass es nur mit 2:0 in die Kabinen ging, hielt den Club im Spiel. Nach dem Seitenwechsel änderte sich die Partie grundlegend.
Scobel leitet die Wende ein
Piet Scobel wurde zur zentralen Figur der Nürnberger Aufholjagd. Der Stürmer traf in der 52. Minute zum Anschluss und legte sieben Minuten später den Ausgleich nach. Der Club nutzte nun die Lücken, Wolfsburg verlor Ordnung und Zugriff. In der 63. Minute drehte Mohamed Ali Zoma die Begegnung vollständig und erzielte das 3:2.
Damit hatte Nürnberg innerhalb von elf Minuten aus einem Zwei-Tore-Rückstand eine Führung gemacht. Der Tagesspiegel, der die dpa-Meldung veröffentlichte, beschrieb die Phase nach der Pause als klare Wendung des Spielverlaufs. Der Club hätte danach die Chance gehabt, die Partie früher zu entscheiden. Das gelang nicht, und so blieb Wolfsburg bis in die Schlussphase im Spiel.
Drei Tore nach der 90. Minute
Die Nachspielzeit wurde zum entscheidenden Abschnitt dieses Spitzenspiels. Zunächst traf Besio in der 91. Minute zum 3:3. Nürnberg antwortete noch einmal: Giannis Masouras erzielte in der 96. Minute das 4:3 und brachte die Gastgeber scheinbar auf Siegkurs. Doch Wolfsburg kam erneut zurück. In der 99. Minute traf Besio wieder und stellte den Endstand her.
Für Nürnberg war das Remis besonders bitter, weil der Sprung auf Platz eins ausblieb. Die Franken bleiben dennoch Zweiter hinter Hertha BSC und sind weiter ungeschlagen. Nach sieben Spielen steht der Club bei 20 Saisontoren. Laut n-tv gelang Nürnberg ein solcher Wert zu diesem Zeitpunkt im Profifußball zuvor noch nicht.
Enttäuschung auf beiden Seiten
Trotz des spektakulären Spielverlaufs überwog bei beiden Mannschaften der Ärger über die verpassten Chancen. Scobel sagte bei Sky laut n-tv, es sei „insgesamt ernüchternd“, wenn ein Team in der Nachspielzeit vorne liege und dennoch nicht gewinne. Klose ordnete die Partie ähnlich ein, nur aus einer anderen Perspektive. Für das Publikum sei es ein „fantastisches Spiel“ gewesen, sagte der Nürnberger Trainer; für die Trainerbank weniger.
Wolfsburgs Trainer Tobias Strobl sah ebenfalls keinen einfachen Punktgewinn. Nach der starken ersten Hälfte dürfte vor allem der Einbruch nach der Pause Thema sein. Kapitän Wahl kritisierte, dass seine Mannschaft die Zweikämpfe nicht mehr für sich entschieden habe und sich zu sehr auf spielerische Klasse verlassen habe. Strobl kündigte an, intern über die fehlende Schärfe nach dem Seitenwechsel zu sprechen.
Sportlich bleibt die Partie ein Hinweis auf die Stärken und Schwächen beider Teams. Nürnberg zeigt Offensivkraft und Moral, lässt aber in entscheidenden Momenten zu viel zu. Wolfsburg kann Phasen klar dominieren, verliert jedoch erneut Stabilität über 90 Minuten. Für zwei Aufstiegsanwärter brachte das 4:4 viele Tore, aber keine klare Antwort im Rennen um die oberen Plätze.