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Stündlich aktualisiert

Sport · Debatte im Bayern-Tor

Neuers Patzer entfacht Bayerns Torwartdebatte

Manuel Neuer leitet beim 2:2 des FC Bayern in Augsburg einen historischen Gegentreffer ein. Die Diskussion um Jonas Urbig gewinnt vor dem Champions-League-Spiel an Schärfe.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Torwarthandschuhe vor einem Fußballtor stehen für die Debatte um die Besetzung im Bayern-Tor.
Symbolbild: Torwarthandschuhe vor einem Fußballtor stehen für die Debatte um die Besetzung im Bayern-Tor. KI-generiert

Manuel Neuers Fehlgriff beim 2:2 des FC Bayern München beim FC Augsburg hat eine neue Diskussion um die Besetzung im Tor ausgelöst. Nach nur 8,4 Sekunden nutzte Robin Fellhauer Neuers Ballverlust zum schnellsten Treffer der Bundesliga-Geschichte. Trotz Rückendeckung aus dem Verein rückt Jonas Urbig stärker in den Blick, zumal der 23-Jährige zuletzt überzeugte und am Dienstag in der Champions League bei Viking Stavanger wieder spielen könnte.

Historischer Fehlmoment in Augsburg

Der Abend begann für Neuer denkbar schlecht. Augsburg setzte den Bayern-Keeper direkt nach dem Anstoß unter Druck. Bei seiner ersten Aktion am Ball verlor Neuer die Kontrolle, Fellhauer war zur Stelle und traf so früh wie kein Spieler zuvor in einem Bundesliga-Spiel. Für den Torhüter war es zugleich der früheste Gegentreffer, den ein Keeper in der Liga hinnehmen musste.

Neuer suchte danach keine Ausflüchte. Gegenüber n-tv sprach er von einem „blöder Fehler von mir“ und erklärte, er hätte anders entscheiden müssen. Der 40-Jährige berichtete zudem, er habe sich zunächst sammeln müssen. Bayern blieb zwar im Spiel, ließ aber mehrere Chancen liegen und verpasste mit dem Remis den Sprung an die Tabellenspitze.

Auch beim zweiten Gegentor stand Neuer im Fokus. Einen Schuss von Calvin Brackelmann wehrte er zur Seite ab, Rodrigo Ribeiro verwertete den Abpraller in der 64. Minute zum 2:1 für Augsburg. Bayern kam durch Ismael Saibari und Nathaniel Brown zu den eigenen Treffern. Dazu wurden vier Münchner Tore nach Videoprüfung wegen Abseits nicht gegeben.

Rückendeckung aus der Führung

In München wird Neuers Rolle vorerst nicht öffentlich infrage gestellt. Sportvorstand Max Eberl machte deutlich, dass ein einzelner Fehler nichts an der Hierarchie ändere. Nach Darstellung von n-tv betonte er, Neuer bleibe die Nummer eins, während sich Urbig sehr gut entwickle und dabei auch von Neuer profitiere.

Präsident Herbert Hainer verteidigte den Routinier ebenfalls. Bei Bild-TV sagte er, Neuer sei weiterhin „einer der besten Torhüter der Welt“. Der Fehler habe aus seiner Sicht nichts mit dem Alter zu tun. Trainer Vincent Kompany stellte sich ebenfalls vor seinen Torwart. Er verwies darauf, dass Neuer genug Erfahrung habe, um mit solch einer Situation umzugehen.

Kompany hatte schon vor dem Augsburg-Spiel die Rollenverteilung beschrieben: Neuer ist die klare Nummer eins, Urbig soll perspektivisch hineinwachsen. Genau diese Übergangsphase sorgt nun für zusätzliche Aufmerksamkeit. Denn Urbig ist nicht nur der Ersatzmann, sondern gilt als geplanter Nachfolger im Bayern-Tor.

Urbig drängt mit starken Auftritten

Jonas Urbig hat seine Argumente zuletzt geliefert. In der Nationalmannschaft überzeugte er beim 2:0 gegen Serbien und beim 0:0 in Griechenland. Beim FC Bayern kam er in dieser Saison bislang einmal in der Bundesliga und einmal im Pokal zum Einsatz. Nach Informationen, die der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa aufgriff, sollte Urbig in Stavanger auf dem ungewohnten Kunstrasen eine weitere Chance erhalten.

Neuer selbst reagierte auf die Frage nach dem Champions-League-Spiel ausweichend. „Ich habe eine Vorahnung“, sagte er kurz, bevor er die Interviewzone verließ. Ob diese Andeutung auf einen Einsatz Urbigs zielt, blieb offen.

Im Sportschau-Podcast wurde die Debatte deutlich schärfer geführt. Dort hieß es, Neuers Status müsse stärker hinterfragt werden. Die Diskussion dreht sich nicht nur um den Patzer in Augsburg, sondern auch um die Frage, ob ein Modell mit wechselnden Torhütern auf Dauer sinnvoll ist. Gerade auf dieser Position gelten Spielrhythmus, Abstimmung und Vertrauen als besonders wichtig.

Übergang mit Risiko

Für Bayern ist die Lage sportlich heikel, aber nicht dramatisch. Sechs Gegentore in der laufenden Bundesliga-Saison sind kein alarmierender Wert. Dennoch fallen einzelne Fehler auf einer Schlüsselposition besonders ins Gewicht, wenn zugleich ein jüngerer Konkurrent bereitsteht.

Der Verein versucht, den Übergang kontrolliert zu gestalten: Neuer soll führen, Urbig lernen und schrittweise mehr Spielzeit bekommen. Der Patzer in Augsburg beschleunigt nun die öffentliche Debatte über den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel. Das nächste Signal kann schon am Dienstagabend folgen, wenn Bayern in der Champions League bei Viking Stavanger antritt.