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Neuer fehlt, Urbig spielt: Bayerns Torwartfrage wird lauter
Manuel Neuer steht beim Champions-League-Auswärtsspiel des FC Bayern bei Viking Stavanger nicht im Tor. Trainer Vincent Kompany erklärte die Entscheidung am Montagabend mit Beschwerden am Fuß des Kapitäns, nicht mit dessen Fehler beim 2:2 in Augsburg. Jonas Urbig rückt damit in Norwegen in die Startelf. Zugleich hat Neuers Patzer beim schnellsten Gegentor der Bundesliga-Geschichte die Debatte über den Zeitpunkt eines möglichen Wechsels im Bayern-Tor deutlich verschärft.
Urbig bekommt die nächste Bühne
Der FC Bayern tritt an diesem Dienstagabend in Stavanger auf Kunstrasen an. Wie der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa berichtete, reiste Neuer zwar mit nach Norwegen, soll aber nicht eingesetzt werden. Kompany sprach von einer vorsichtigen Entscheidung. Er wolle kein unnötiges Risiko eingehen und nannte die Maßnahme medizinisch begründet.
Für Urbig ist es der dritte Pflichtspieleinsatz in dieser Saison. Der junge Torwart hat zuletzt auch in der Nationalmannschaft an Bedeutung gewonnen. Kompany stellte seine Entwicklung als planmäßig dar. Der Klub habe ihm Einsatzzeiten geben wollen, die er für seinen Fortschritt brauche. Nun bekommt Urbig ausgerechnet in einer Phase Spielpraxis, in der die Diskussion um Neuers Zukunft im Münchner Tor lauter wird.
Sportvorstand Max Eberl versuchte vor der Partie, die Debatte einzufangen. An Neuer gebe es „gar keine Zweifel“, sagte er laut dpa. Außerdem stellte Eberl klar, dass Neuer weiterhin die Nummer eins des FC Bayern sei. Was später passiere, werde sich zeigen.
Der Fehler in Augsburg wirkt nach
Auslöser der aktuellen Debatte ist die Szene vom Samstag in Augsburg. Neuer versuchte unmittelbar nach dem Anstoß, den Ball über Robin Fellhauer hinwegzuspielen. Der Versuch misslang. Der Ball prallte vom Augsburger zurück, Fellhauer nutzte die Situation und traf nach 8,4 Sekunden. Es war das früheste Tor seit Einführung der Bundesliga.
Das Spiel endete 2:2. Für Neuer hatte der Fehler deshalb eine besondere Wirkung: Er führte nicht nur zu einem Gegentor, sondern wurde sofort mit seiner Rolle im Bayern-Tor verknüpft. Nach dem Spiel wurde öffentlich diskutiert, ob Urbig schneller als geplant zur Nummer eins werden könnte.
Lothar Matthäus sieht den weiteren Verlauf vor allem von Neuer abhängig. Der frühere Nationalspieler und heutige Sky-Experte sagte n-tv zufolge, Urbig bringe alles mit, um beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft die Nummer eins zu werden. Ob der Wechsel noch in dieser oder erst in der kommenden Saison komme, hänge von Neuers Leistungen ab.
Maier stellt sich vor Neuer
Deutlich energischer verteidigte Sepp Maier den langjährigen Bayern-Torwart. Der Weltmeister von 1974 kritisierte die Debatte scharf. Gegenüber Münchner Merkur und tz sagte er laut n-tv: „Lasst Manu in Ruhe!“ Maier verwies auf Neuers Verdienste für den Verein und lehnte es ab, die Diskussion am Alter des Torwarts festzumachen.
Auch Urbigs Aufwertung betrachtet Maier skeptisch. Der junge Torwart solle erst über längere Zeit konstant spielen, bevor ihm zu früh eine große Rolle zugeschrieben werde. Damit steht Maier für eine Haltung, die beim FC Bayern traditionell Gewicht hat: Neuer besitzt wegen seiner Karriere, seiner Titel und seiner prägenden Jahre im Münchner Tor weiterhin großen Kredit.
Zugleich ist Urbigs Lage ungewöhnlich. Er soll lernen, wird aber bereits als möglicher Nachfolger beschrieben. Jeder Einsatz kann deshalb über seine sportliche Bedeutung hinaus bewertet werden. In Stavanger erhält er die Gelegenheit, sich auf europäischer Bühne zu zeigen, ohne dass der Klub offiziell einen Richtungswechsel ausruft.
Einordnung vor Stavanger
Die Partie in Norwegen bringt für den FC Bayern noch eine weitere Besonderheit. Gespielt wird auf Kunstrasen, was für den deutschen Rekordmeister selten ist. Kompany ließ die Mannschaft deshalb früher anreisen und das Abschlusstraining vor Ort absolvieren. Joshua Kimmich und Harry Kane äußerten sich gelassen, verwiesen aber auf die nötige Anpassung an Tempo, Ballverhalten und Belastung.
Sportlich will Bayern nach dem 5:0 zum Auftakt gegen den FK Bodø/Glimt nachlegen. Die Torwartfrage überlagert die Vorbereitung dennoch. Offiziell bleibt Neuer die Nummer eins, Urbig bekommt seinen Einsatz wegen Neuers Fußproblemen. Doch nach Augsburg reicht diese Erklärung nicht aus, um die Diskussion zu beenden. Entscheidend wird sein, wie Neuer nach seiner Rückkehr reagiert und ob Urbig seine wachsende Rolle weiter bestätigt.