Sport · Wetter aus dem All
Meteosat-13 soll Unwetter früher erkennbar machen
Ein neuer Satellit der europäischen Wetterorganisation Eumetsat soll Vorhersagen für gefährliche Wetterlagen deutlich verbessern. Meteosat-13 misst Temperatur, Feuchtigkeit und weitere Bestandteile der Atmosphäre aus dem All und ermöglicht damit ein genaueres Bild von Entwicklungen, die zu Sturm, Unwetter oder Überschwemmungen führen können. Die Daten sollen nationalen Wetterdiensten wie dem Deutschen Wetterdienst helfen, früher zu warnen.
Neuer Blick in die Atmosphäre
Der Satellit gehört zur europäischen Meteosat-Reihe der dritten Generation. Wie die FAZ berichtet, erhielt der Flugkörper in dieser Woche offiziell den Namen Meteosat-13. Er war bereits im Juli 2025 mit einer Falcon-9-Rakete von SpaceX vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral gestartet.
Das System wird von Eumetsat in Darmstadt kontrolliert. Der Satellit ist rund fünf Meter groß und wiegt knapp vier Tonnen. Er bewegt sich auf einer geostationären Umlaufbahn über dem Äquator. Dadurch bleibt er aus Sicht der Erde stets über derselben Region und kann Europa kontinuierlich beobachten.
Aus etwa 36.000 Kilometern Höhe erfasst Meteosat-13 den Kontinent im Abstand von rund 30 Minuten. Neben Temperatur und Wasserdampf registriert er auch Ozon, Staub und Vulkanasche. Die wiederholten Messungen zeigen nicht nur räumliche Strukturen, sondern auch die Veränderung über die Zeit.
Infrarot-Sensor liefert Tiefenprofil
Kernstück des Satelliten ist ein sogenannter Infra-Sounder. Der Sensor misst Wärmestrahlung und kann dadurch verschiedene Schichten der Atmosphäre untersuchen. Aus den Informationen zu Temperatur und Feuchte entsteht ein dreidimensionales Bild der Luftmassen.
Eumetsat-Generaldirektor Phil Evans erklärte, dass Wetterdienste dadurch einen bisher nicht erreichten Einblick in den Zustand der Atmosphäre erhalten. Gefährliche Entwicklungen könnten erkennbar werden, bevor Wolken oder andere Anzeichen am Himmel sichtbar seien.
Auch Windbewegungen lassen sich nach Angaben von Eumetsat genauer verfolgen. Erstmals könne beobachtet werden, wie sich Luft in der Atmosphäre nicht nur seitlich, sondern auch nach oben und unten bewege. Für die Auswertung der Messungen wird Künstliche Intelligenz trainiert. Eine kurzfristige Vorhersage soll damit innerhalb von elf Minuten möglich sein.
Mehr Zeit für Warnungen
Die verbesserten Daten sollen vor allem bei Extremwetter helfen. Tony McNally vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen sagte der FAZ, präzisere Prognosen könnten Menschen mehr Zeit verschaffen, betroffene Gebiete zu verlassen. Statt nur weniger Stunden könnten vor einem Sturm drei bis fünf Tage zur Vorbereitung bleiben.
Meteosat-13 arbeitet nicht allein. Seine Messungen werden mit Daten eines weiteren Satelliten der gleichen Generation kombiniert. Dieser beobachtet unter anderem Wolken, Blitze und Waldbrände. Zusammengenommen entsteht ein detaillierteres Bild über Wettervorgänge, die für Warnungen wichtig sind.
Nach Angaben der beteiligten Fachleute kann das System auch spezielle Phänomene erfassen. Dazu zählt Rauch von Waldbränden, der vom Wind weit verfrachtet wird. Wenn sich an Rauchpartikeln Wassertröpfchen bilden, können daraus Gewitterwolken entstehen. Solche Prozesse lassen sich mit dem Infrarot-Sensor erkennen.
Europäisches Großprojekt
Entwickelt wurde Meteosat-13 von Eumetsat gemeinsam mit der Europäischen Weltraumagentur Esa, die ebenfalls in Darmstadt sitzt. Gebaut wurde der Satellit von Industrieunternehmen, darunter Thales Alenia Space und der Bremer Raumfahrtkonzern OHB.
Die dritte Meteosat-Generation gilt als wichtiger Baustein für die europäische Wetterbeobachtung. McNally bezeichnete sie laut FAZ als das komplexeste europäische Erdbeobachtungssystem für Wetter und Klima, das bisher gebaut wurde.
Hintergrund ist auch die Zunahme extremer Wetterereignisse im Zuge des Klimawandels. Wenn instabile Luftmassen früher erkannt werden, können Wetterdienste Warnungen schneller präzisieren. Einsatzkräfte gewinnen dadurch Zeit für Schutzmaßnahmen, Evakuierungen oder Vorbereitungen in gefährdeten Regionen.