Sport · Premier-League-Affäre
Manchester City kämpft gegen Finanz-Schuldspruch
Manchester City wehrt sich juristisch gegen den Schuldspruch der Premier League im Finanzverfahren. Der englische Spitzenklub hat Berufung eingelegt, während der Fall über den Fußball hinausreicht: Die britische Steuerbehörde HMRC soll mögliche Folgen prüfen, der nationale Verband FA bewertet Konsequenzen für den Wettbewerb, und Premierminister Andy Burnham steht wegen seiner Aussagen zum Klub unter Druck.
Berufung gegen Entscheidung der Liga
Der Klub bestätigte am Freitag, dass er den Spruch der unabhängigen Premier-League-Kommission anficht. Nach Darstellung von ZDFheute wurde die Berufung bereits am Donnerstag eingereicht. Manchester City spricht von einer „umfassenden Berufung“ und hält die Entscheidung der Kommission für fehlerhaft. Der Verein bestreitet die Vorwürfe weiter.
Die Premier League hatte am Dienstag mitgeteilt, dass City in einem jahrelangen Verfahren für schuldig befunden worden sei. Im Kern geht es um Verstöße gegen Finanzregeln über neun Spielzeiten hinweg. Der Zeitraum reicht von 2009 bis 2018. Insgesamt standen 115 Anklagepunkte im Raum.
Die Liga bestätigte den Schritt des Klubs. Das Verfahren vor dem unabhängigen Berufungsausschuss läuft nicht öffentlich, bis ein Ergebnis vorliegt. Über eine Strafe ist bislang nicht entschieden. Sollte Manchester City mit der Berufung scheitern, stehen harte Sanktionen im Raum. Denkbar sind nach Darstellung von ZDFheute unter anderem ein Zwangsabstieg oder der Entzug von Titeln.
Vorwürfe um Scheinverträge
Die Kommission sieht schwerwiegende Regelbrüche. Nach den Vorwürfen soll Manchester City über verschiedene Konstruktionen Vorgaben der Premier League umgangen haben. Dabei geht es unter anderem um Scheinverträge und angebliche Sponsoringgeschäfte. n-tv berichtet zudem von verschleierten Kosten in einer Größenordnung von rund einer Milliarde Euro.
Auch die Zusammenarbeit des Klubs mit den Ermittlern war Teil des Verfahrens. Der Kommission zufolge kamen Vertreter des Vereins ihren Mitwirkungspflichten nicht ausreichend nach. Manchester City weist auch diesen Vorwurf zurück und erklärt, die eigene Position belegen zu können.
Der Fall trifft einen Klub, der seit 2008 von Eigentümern aus Abu Dhabi geprägt ist. In dieser Zeit wurde City sportlich zu einer dominierenden Kraft in England. Gerade deshalb hat die Entscheidung der Premier League große Wirkung: Es geht nicht nur um mögliche Sanktionen gegen einen einzelnen Verein, sondern um die Glaubwürdigkeit der Finanzaufsicht im englischen Profifußball.
Steuerbehörde und Verband schalten sich ein
Neben dem sportrechtlichen Verfahren wächst der Druck von anderer Seite. Ein Bericht der Organisation Tax Policy Associates bringt den Verdacht ins Spiel, dass durch Scheinvereinbarungen Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge nicht korrekt abgeführt worden sein könnten. Die Vorsitzende des britischen Finanzausschusses, Meg Hillier, fordert deshalb eine Prüfung durch HM Revenue and Customs.
Die Sportschau zitiert Hillier mit dem Wunsch nach einer Zusicherung der Steuerbehörde, dass diese die Tragweite der Fragen und das öffentliche Interesse erkenne. Damit rückt die Affäre in den Bereich staatlicher Finanzkontrolle. Ob daraus ein eigenes Verfahren folgt, ist bislang nicht entschieden.
Auch der englische Fußball-Verband FA beschäftigt sich mit dem Fall. Der Verband spricht von „erheblichen Auswirkungen auf die Integrität des Spiels“ und prüft die Entscheidung sowie mögliche Folgen. Konkrete Maßnahmen wurden zunächst nicht genannt.
Politischer Druck auf Burnham
Premierminister Andy Burnham geriet zusätzlich in die Kritik, weil er zunächst die Bedeutung der City-Eigentümer für Manchester betont hatte. Er verwies auf Investitionen in die Stadt und äußerte Sorge vor einem möglichen Rückzug der Geldgeber. Das sorgte bei politischen Gegnern und Fans für Widerspruch.
Später ließ Burnham über seinen Sprecher erklären, der unabhängige Prozess müsse weiterlaufen und das Ergebnis respektiert werden. Zugleich machte sein Umfeld deutlich, dass Manchester City nicht außerhalb der Regeln stehe.
Der Vergleich mit früheren Fällen verschärft die Debatte. Beim FC Everton wurden in der Saison 2023/24 acht Punkte abgezogen, nachdem der Klub Verstöße gegen Finanzregeln eingeräumt hatte. Die Dimensionen des City-Verfahrens sind deutlich größer. Bis feststeht, ob und wie Manchester City bestraft wird, kann es jedoch weiter dauern.