Sport · Ironman Hawaii
Langes letzter Hawaii-Start endet mit Aufgabe
Patrick Lange hat seinen letzten Auftritt beim Ironman auf Hawaii nicht ins Ziel gebracht. Der 40 Jahre alte Triathlet aus Hessen gab auf der Radstrecke wegen Krämpfen auf und verpasste damit die Chance auf seinen vierten WM-Triumph auf Big Island. Bei Kilometer 96 war das Rennen für den dreimaligen Hawaii-Sieger beendet.
Starkes Schwimmen, frühe Probleme
Lange war zunächst gut in den Wettkampf gekommen. Im Pazifik hielt er Anschluss an die stärksten Schwimmer und wechselte mit nur geringem Rückstand auf das Rad. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dpa, Lange sei nach den 3,8 Kilometern im Wasser nur zwölf Sekunden hinter der Spitze an Land gekommen. Damit lag er in einer Position, die ihm für seine stärkeren Disziplinen gute Möglichkeiten eröffnete.
Auf dem Rad veränderte sich das Bild jedoch schnell. Lange verlor nach und nach Plätze und kam nicht mehr in den Rhythmus. Nach etwas mehr als 65 Kilometern stoppte er erstmals am Straßenrand. Er griff sich an den hinteren linken Oberschenkel und sprach mehrere Minuten mit seinem Trainer Ben Reszel. Danach setzte er das Rennen noch einmal fort, lag aber bereits weit außerhalb der Spitzengruppe.
Reszel schilderte die Situation im ZDF deutlich. Lange habe angehalten und gesagt, es fühle sich nicht gut an. Es gebe eine „Krampfneigung da über die gesamte hintere Kette“, sagte der Trainer. Der Kreislauf sei jedoch stabil gewesen. Deshalb versuchte Lange, weiterzufahren und zumindest bis zum Wendepunkt zu kommen.
Entscheidung am Wendepunkt
Die Hoffnung auf Besserung erfüllte sich nicht. Lange verlor weiter Zeit, die Aussicht auf eine vordere Platzierung war dahin. An der Wende zog er schließlich die Konsequenz. Statt in Richtung zweiter Streckenhälfte zurückzufahren, verließ er den Kurs. Damit endete sein siebter Start auf Hawaii vorzeitig.
Für Lange war es die zweite Aufgabe bei der Ironman-WM auf der Insel. Bereits 2019 hatte er das Rennen nicht beenden können, ebenfalls auf dem Rad. Auch in dieser Saison war er schon einmal von ähnlichen Beschwerden gestoppt worden: Beim Ironman Texas im April musste er ebenfalls aussteigen.
Reszel sprach im ZDF von einer schweren Entscheidung. Wer als gut platzierter Athlet auf die Radstrecke gehe und dann immer weiter zurückfalle, verliere zunehmend den Anschluss an das Rennen, erklärte er. Die Situation sei „unheimlich brutal, erschütternd, super schwer“ gewesen. Für Lange hatte der Moment auch deshalb besonderes Gewicht, weil es sein letzter Start auf Hawaii war.
Verpasste Rekordchance
Mit einem weiteren Sieg hätte Lange alleiniger deutscher Rekordhalter bei den Hawaii-Erfolgen werden können. Bislang steht er wie Jan Frodeno bei drei Titeln. Lange gewann die Ironman-WM auf Hawaii 2017, 2018 und 2024. Hinzu kommen eine Silbermedaille und eine Bronzemedaille bei Weltmeisterschaften.
Der erneute Triumph blieb ihm nun verwehrt. Gerade der Start auf Hawaii war für Lange von besonderer Bedeutung, weil er seine Karriereplanung bereits öffentlich gemacht hatte. Im Juli hatte er angekündigt, seine Laufbahn zu beenden. Sein letztes Rennen soll im kommenden Juli bei der Challenge Roth stattfinden. Der Abschied von Hawaii fällt damit nicht mit dem Ende seiner Karriere zusammen, markiert aber das Ende seiner Auftritte an dem Ort, an dem er seine größten Erfolge feierte.
Rückkehr zum gemeinsamen Renntag
Die Ironman-WM auf Hawaii hatte in diesem Jahr auch über Langes Ausstieg hinaus besondere Bedeutung. Wie die Welt berichtete, starteten Frauen und Männer erstmals seit 2019 wieder am selben Tag auf Hawaii. In den vergangenen Jahren waren die Rennen zeitlich und örtlich getrennt worden.
Auf der klassischen Langdistanz stehen 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und ein Marathon über 42,2 Kilometer an. Die Bedingungen in Kailua-Kona gelten traditionell als anspruchsvoll. Wind, Hitze und Feuchtigkeit prägen das Rennen regelmäßig. In diesem Jahr kamen welliges Wasser und wechselhaftes Wetter hinzu.
Für Lange endet die Hawaii-Geschichte damit nicht mit einem Zieleinlauf auf dem Aliʻi Drive, sondern mit einer Aufgabe auf der Radstrecke. Seine Bilanz auf Big Island bleibt dennoch außergewöhnlich: drei Siege, ein Podestplatz beim Debüt 2016 und ein Comeback-Triumph 2024, den nur wenige erwartet hatten.