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Europäische Verbände erhöhen Druck auf Infantino
Die Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino reißt nicht ab. Nach einer dreistündigen Sitzung des FIFA-Rats in Zürich halten seine Gegner an ihrer Forderung nach einem Rücktritt fest. DFB-Präsident Bernd Neuendorf erklärte nach dem Treffen, es seien zahlreiche kritische Punkte angesprochen worden. Zufriedenstellende Antworten habe es aus seiner Sicht nicht gegeben, wie der Deutschlandfunk meldete. Auch Infantinos Entschuldigung änderte demnach nichts an der Bewertung der Kritiker.
Neuendorf sieht Vertrauen erschüttert
Neuendorf machte nach der Sitzung deutlich, dass der Konflikt nicht mit einer formalen Aussprache beendet ist. Für ihn und weitere europäische Vertreter ist das Vertrauen in die Führung des Weltverbands nicht wiederhergestellt. Ähnliche Einschätzungen kamen von Repräsentanten anderer europäischer Nationalverbände.
Das Treffen in Zürich war das erste direkte Aufeinandertreffen Infantinos mit seinen Kritikern seit dem Streit im Sommer. Damals hatte sein Plan für Investoren im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft massive Gegenwehr ausgelöst. Vor allem in Europa stieß das Vorgehen auf Ablehnung. Die Sitzung sollte nun Fragen klären und den Konflikt einordnen. Statt einer Entspannung bleibt der Druck auf den FIFA-Präsidenten bestehen.
Europas Verbände bleiben ohne Kandidatur
Trotz der Kritik ist offen, wie die Gegner Infantinos bei der anstehenden Wahl vorgehen. Ein großer Teil der europäischen Nationalverbände lehnt eine weitere Amtszeit des FIFA-Präsidenten ab. Einen eigenen Gegenkandidaten haben sie bislang aber nicht benannt.
Die Frist dafür läuft bis zum 18. November. Bis dahin müsste eine Person offiziell ins Rennen geschickt werden, wenn Infantino bei der Präsidentschaftswahl im März 2027 ernsthaft herausgefordert werden soll. Ohne eine solche Kandidatur bliebe die politische Ablehnung zwar sichtbar, hätte aber nur begrenzte Wirkung auf den Wahlprozess.
Für die europäischen Verbände entsteht damit ein enger Zeitplan. Sie müssen entscheiden, ob sie ihre Kritik in eine personelle Alternative übersetzen. Der Konflikt dreht sich nicht nur um Infantinos Auftreten, sondern auch um die Frage, wie stark der Weltverband künftig kontrolliert werden soll.
FIFA setzt Arbeitsgruppe ein
Als Konsequenz aus der Sitzung beschloss der FIFA-Rat eine Arbeitsgruppe. Sie soll Vorschläge für neue Führungs- und Kontrollregeln des Weltverbands erarbeiten. Ziel ist es, Alleingänge des Präsidenten künftig zu erschweren.
Der Beschluss zeigt, dass der Streit institutionelle Folgen hat. Die Debatte verlagert sich damit von der Person Infantino auch auf die Strukturen der FIFA. Für seine Kritiker reicht das aber nicht aus. Nach Darstellung des Deutschlandfunks bleibt ihre Haltung unverändert: Die Entschuldigung des Präsidenten und die Einrichtung eines Gremiums beseitigen die grundlegenden Vorbehalte nicht.
Wie weit die Arbeitsgruppe gehen kann, ist politisch entscheidend. Wenn sie nur Verfahren überprüft, könnte sie den akuten Konflikt kaum befrieden. Wenn sie dagegen Machtbefugnisse und Kontrollmechanismen neu ordnet, würde sie in den Kern der Auseinandersetzung eingreifen.
Hintergrund des Machtkampfs
Der Streit hat seinen Ausgangspunkt in Infantinos Vorgehen beim WM-Investorenplan im Sommer. Viele europäische Verbände empfanden den Plan und den politischen Umgang damit als problematisch. Seitdem wächst die Distanz zwischen Teilen Europas und der FIFA-Spitze.
Die Präsidentschaftswahl im März 2027 bildet den nächsten Fixpunkt. Bis dahin müssen die Kritiker klären, ob sie nur politischen Druck ausüben oder eine echte Alternative organisieren wollen. Der Beschluss zur Reformarbeitsgruppe kann den Verband verändern. Er ersetzt aber keine Entscheidung darüber, wer die FIFA künftig führen soll.