Sport · FC Bayern
Bayerns Patzer schärfen die Torwartdebatte
Der FC Bayern bleibt ungeschlagen, doch die Unruhe nimmt zu. Nach dem 2:2 in Augsburg, bei dem Manuel Neuer ein Fehler unterlief, folgte in der Champions League ein 3:3 bei Viking Stavanger. Damit rückt neben Fragen nach Konzentration und Form auch die Debatte um Neuer und Jonas Urbig stärker in den Fokus. Der Patzer in Norwegen kam zwar nicht aus dem Tor, doch die Münchner erklären ihre jüngsten Punktverluste erneut vor allem mit einzelnen Aussetzern.
Wieder kein Sieg nach Führung
In Stavanger geriet Bayern früh mit 0:2 in Rückstand. Auf dem Kunstrasen in Norwegen fanden die Münchner zunächst schwer ins Spiel, drehten die Partie dann aber innerhalb einer starken Phase. Harry Kane traf doppelt, Luis Díaz erzielte ein weiteres Tor, aus dem Rückstand wurde eine 3:2-Führung.
Trotzdem reichte es nicht zum Sieg. Michael Olise sah nach einem Foul zunächst Gelb und ließ sich anschließend von Viking-Kapitän Zlatko Tripić provozieren. Olise warf ihm den Ball ins Gesicht und musste mit Gelb-Rot vom Platz. In Überzahl kam Stavanger noch zum 3:3. Trainer Vincent Kompany nannte die Aktion bei Amazon „überblöd“. Die FAZ zitierte ihn außerdem mit den Worten, er habe Olise gesagt: „Der Zehner war schlauer als du.“
Auch Sportvorstand Max Eberl bewertete Tripićs Rolle deutlich. Nach Darstellung der FAZ sagte er, der Norweger habe „wie ein Drecksack“ gespielt, sein Ziel aber erreicht. Die Erklärung des Abends war damit schnell gefunden: ein individueller Fehler, der eine eigentlich kontrollierbare Partie kippen ließ.
Neuer rückt wieder ins Zentrum
Genau diese Deutung begleitet Bayern schon seit dem Wochenende. Beim 2:2 in Augsburg hatte Neuer mit einem Fehler eine Debatte ausgelöst, die nun durch das nächste Remis nicht kleiner wird. Zwar traf in Stavanger Olise die entscheidende Fehlentscheidung. Doch die Folge ist dieselbe: Bayern gibt Punkte ab, obwohl die Mannschaft über weite Strecken genügend Qualität und Spielanteile besitzt.
Die Zahlen stützen diese Lesart. Laut FAZ lag das Münchner Chancenprofil in Stavanger bei 3,51 erwarteten Toren und nur 0,56 erwarteten Gegentoren. Tatsächlich endete die Partie 3:3. Für einen Klub mit Bayerns Anspruch ist diese Differenz schwer zu erklären, ohne über Konzentration, Entscheidungsqualität und defensive Stabilität zu sprechen.
Damit wird die Torwartfrage nicht isoliert geführt. Sie ist Teil einer breiteren Diskussion über Verlässlichkeit. Neuer steht als Kapitän und langjähriger Stammkeeper stärker im Blick als andere. Urbig wird in dieser Debatte zum Bezugspunkt, weil die Frage nach der Hierarchie im Tor bei jedem weiteren Wackler neue Nahrung erhält.
Remis-Serie statt Krise
Sportlich ist die Lage weniger dramatisch, als die Debatte klingt. Bayern hat in den drei wichtigsten Wettbewerben noch nicht verloren. In dieser Saison stehen fünf Siege aus acht Spielen, darunter klare Erfolge wie das 5:1 gegen den VfB Stuttgart, das 5:0 gegen Bodø/Glimt und das 7:0 gegen Union Berlin.
Dennoch häufen sich die Unentschieden. Der Tagesspiegel verweist auf das 0:0 auf Schalke am 5. September, das 2:2 in Augsburg und nun das 3:3 in Stavanger. Gegen tief verteidigende oder besonders widerstandsfähige Gegner tun sich die Münchner derzeit schwerer als gewohnt. In Augsburg wurden Bayern vier Treffer aberkannt, in Norwegen kamen der ungewohnte Untergrund und ein energischer Gegner hinzu.
Kompany sprach nach dem Spiel nicht von fehlender Energie, sondern von mangelnder Cleverness. Er verwies auf frühe Gegentore in Augsburg und Stavanger. Auch das passt zur aktuellen Wahrnehmung: Bayern dominiert Phasen, leistet sich aber Momente, die Spiele öffnen.
Arsenal als Maßstab
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob es sich um eine kurze Unschärfe oder ein strukturelles Problem handelt. Mehrere Leistungsträger sind noch nicht durchgehend auf dem Niveau der Vorsaison. Genannt werden Jonathan Tah, Joshua Kimmich und Lennart Karl. Bei Serge Gnabry und Jamal Musiala spielt zudem die körperliche Verfassung eine Rolle.
Am kommenden Mittwoch wartet mit dem FC Arsenal ein Gegner, der Bayerns Zustand klarer einordnen wird. Olise fehlt gesperrt. Für Neuer und die gesamte Defensive wird die Partie ebenfalls zum Prüfstein. Denn die Diskussion um das Tor endet nicht mit einem einzelnen Fehler. Sie wird leiser, wenn Bayern wieder Ergebnisse liefert, die zu seiner spielerischen Überlegenheit passen.