Sport · FIFA-Machtkampf
Arabische Verbände stärken Infantino den Rücken
FIFA-Präsident Gianni Infantino bekommt in der Auseinandersetzung um seine Zukunft im Weltverband Rückhalt aus der arabischen Fußballregion. Die Vereinigung der arabischen Fußballverbände UAFA erklärte ihre „Unterstützung und Wertschätzung“ für den 56-Jährigen, wie unter anderem der Deutschlandfunk berichtete. Der Schritt kommt in einer Phase, in der Infantino wegen eines gescheiterten Investorenplans und wegen seines Führungsstils unter erheblichem Druck steht.
Rückhalt aus zwei Konföderationen
Die UAFA umfasst 22 nationale Verbände, die zwei Kontinentalverbänden angehören. Zwölf Mitglieder kommen aus Asien, zehn aus Afrika. Damit reicht die Unterstützung über die arabische Welt hinaus in Strukturen der Asian Football Confederation und der Confédération Africaine de Football hinein. Die CAF hatte sich bereits zuvor hinter Infantino gestellt.
Zur UAFA gehören auch zwei Länder, die für die jüngere FIFA-Politik besonders wichtig sind: Katar, Gastgeber der Weltmeisterschaft 2022, und Saudi-Arabien, das die Endrunde 2034 ausrichten soll. ZDFheute verweist darauf, dass sich beide Verbände schon vor der Erklärung der UAFA zugunsten Infantinos positioniert hatten.
Infantino unterhält seit Jahren enge Kontakte in die Golfregion. Die Gegend gilt im internationalen Fußball als finanzstark und politisch einflussreich. Für den FIFA-Chef ist die öffentliche Unterstützung deshalb auch ein Signal an andere Mitgliedsverbände, die sich vor der kommenden Präsidentenwahl positionieren müssen.
Streit um Investorenplan
Auslöser der aktuellen Krise ist vor allem ein Vorstoß zur Vermarktung von WM-Rechten. Im Sommer hatte es Pläne gegeben, Anteile an FIFA-Turnieren an externe Geldgeber zu veräußern. ZDFheute berichtet, dass es dabei auch um private Investoren aus dem Umfeld des US-Präsidenten Donald Trump gegangen sei. Der Plan ist inzwischen aufgegeben.
Der Widerstand kam besonders aus Europa sowie aus Nord- und Mittelamerika. Die UEFA und die CONCACAF stellten sich gegen das Vorhaben. Auch innerhalb der Asian Football Confederation gab es Kritik. Damit entstand eine ungewöhnlich breite Front gegen den Präsidenten, der den Weltverband seit 2016 führt.
Die UEFA fordert laut ZDFheute inzwischen den Rückzug Infantinos. Außerdem bereitet sie demnach wegen des Investorenprojekts ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung vor. Neben dem Sachstreit über Vermarktungsrechte steht auch Infantinos Umgang mit den Verbänden in der Kritik.
Wahl im März in Rabat
Die nächste Wahl an der FIFA-Spitze ist für den 18. März des kommenden Jahres beim Kongress in Rabat in Marokko angesetzt. Infantino will erneut antreten. Einen Gegenkandidaten haben die Verbände bislang nicht präsentiert.
In den vergangenen Wochen versuchte der FIFA-Chef, die Debatte zu beruhigen. Im September wandte er sich schriftlich an die 211 Mitgliedsverbände. Darin warb er für Gespräche über mögliche Reformen und stellte zusätzliche Ausschüttungen aus FIFA-Reserven in Aussicht. Der Vorstoß zielte darauf, die angespannte Stimmung im Verband zu entschärfen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Ob die Unterstützung der UAFA den Machtkampf entscheidet, ist offen. Sie zeigt aber, dass Infantino weiter über belastbare Netzwerke verfügt. Besonders wichtig ist dabei die Verbindung zwischen arabischen Verbänden, afrikanischen Stimmen und der Golfregion. In einer FIFA-Wahl zählt jeder nationale Verband mit einer Stimme. Deshalb können regionale Blöcke erhebliches Gewicht entfalten.
Bedeutung für die FIFA
Der Konflikt fällt in eine Phase, in der die FIFA ihre Wettbewerbe und Einnahmequellen ausweitet. Die Vergabe der WM 2034 nach Saudi-Arabien und die Debatte über externe Investoren stehen für eine stärkere Ausrichtung auf neue Geldquellen und wachsende Märkte. Gleichzeitig verlangen europäische Verbände mehr Kontrolle und Transparenz.
Für Infantino geht es damit nicht nur um eine weitere Amtszeit. Der Machtkampf berührt die Frage, wer die wirtschaftliche und politische Richtung des Weltfußballs bestimmt. Die Unterstützung der UAFA verschafft ihm Rückhalt. Der Druck aus Europa und Nordamerika bleibt jedoch bestehen.