Politik · Steuern und Gesundheit
Zigaretten sollen bis 2030 deutlich teurer werden
Der Bundestag hat eine schrittweise Erhöhung der Tabaksteuer beschlossen. Für Raucherinnen und Raucher bedeutet das voraussichtlich deutlich steigende Preise: Eine Packung mit 20 Zigaretten könnte im Jahr 2030 im Schnitt knapp zwölf Euro kosten. Derzeit liegt der Preis bei etwas mehr als acht Euro. Auch Tabak zum Selbstdrehen, Shisha-Tabak und Flüssigkeiten für E-Zigaretten sollen stärker besteuert werden.
Anhebung über mehrere Jahre
Die Abgeordneten stimmten am späten Donnerstagabend in Berlin für die Gesetzesänderung. Der Deutschlandfunk berichtete, die Steuer auf Tabakprodukte werde über vier Jahre regelmäßig erhöht. Nach Angaben von n-tv votierten die Fraktionen von Union und SPD für das Vorhaben.
Die neuen Sätze sollen nach dem Plan in den Jahren 2027 bis 2030 greifen. Damit verteilt die Bundesregierung die Verteuerung über mehrere Stufen. Für eine Standardpackung Zigaretten wird ein Plus von rund vier Euro bis 2030 erwartet. Feinschnitt, der vor allem für selbstgedrehte Zigaretten genutzt wird, soll ebenfalls erheblich teurer werden.
Die Bundesregierung verbindet mit der Reform zwei Ziele. Zum einen soll der Bundeshaushalt zusätzliche Einnahmen erhalten. Zum anderen verweist sie auf den Gesundheitsschutz. Für das kommende Jahr wird laut Deutschlandfunk mit 1,5 Milliarden Euro zusätzlich gerechnet. Über vier Jahre sollen nach Angaben von n-tv rund zwölf Milliarden Euro zusammenkommen.
Branche warnt vor Ausweichbewegungen
Die Tabakwirtschaft kritisiert die Steuerpläne scharf. Sie warnt davor, dass höhere Preise nicht automatisch zu weniger Konsum führen, sondern mehr Käuferinnen und Käufer auf illegale Angebote ausweichen könnten. Der legale Handel befürchtet dadurch Einbußen.
Der Geschäftsführer des zuständigen Branchenverbands, Jan Mücke, hatte vor der Abstimmung im Deutschlandfunk argumentiert, frühere Steuererhöhungen hätten bereits entsprechende Folgen gezeigt. Er stellte zudem infrage, dass höhere Abgaben zu weniger Erkrankungen führen. Angesichts gestiegener Alltagskosten nannte er den Kurs der Politik „deutlich der falsche Weg“.
Die Sorge der Branche betrifft vor allem den Preisabstand zwischen legal verkauften Produkten und Ware aus dem Schwarzmarkt. Je stärker die Preise im Handel steigen, desto größer könnte aus Sicht der Unternehmen der Anreiz werden, unversteuerte Zigaretten zu kaufen. Die Bundesregierung setzt dem entgegen, dass Tabakpreise ein Instrument der Gesundheits- und Finanzpolitik sind.
Ärzte sehen gesundheitlichen Nutzen
Medizinische Organisationen bewerten die Erhöhung anders. Die Bundesärztekammer unterstützt höhere Tabakpreise als Mittel gegen starken Tabakkonsum. Kammerpräsident Klaus Reinhardt sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur, die stärkere Besteuerung sei ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Gesundheit.
Auch der Bundesverband der Pneumologen sieht in höheren Preisen einen möglichen Beitrag zur Krebsprävention. Das Deutsche Krebsforschungszentrum nennt Tabakkonsum seit Jahren einen zentralen Risikofaktor. Laut n-tv starben 2023 in Deutschland etwa 131.000 Menschen an Krankheiten, die mit Tabak in Verbindung standen.
Rauchen ist in Deutschland weiterhin verbreitet. Der Mikrozensus 2025 kam bei Menschen ab 15 Jahren auf einen Anteil von 19 Prozent, die rauchen. Damit betrifft die Steuererhöhung Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher direkt. Zugleich zählt Tabakkonsum zu den vermeidbaren Gesundheitsrisiken, auf die der Staat über Preis- und Steuerpolitik Einfluss nehmen kann.
Bundesrat befasst sich am Freitag
Das Gesetzgebungsverfahren ist mit dem Beschluss des Bundestags noch nicht vollständig beendet. Am Freitag liegt die Novelle dem Bundesrat vor. Die Länderkammer kann Einspruch einlegen. Hinweise auf eine Blockade gibt es bislang nicht, weshalb mit einer Zustimmung gerechnet wird.
Die Tabaksteuer gehört seit Jahren zu den Bereichen, in denen der Staat Einnahmeinteressen und Gesundheitspolitik verbindet. Frühere Erhöhungen hatten ebenfalls Debatten über Konsumverhalten, Prävention und illegalen Handel ausgelöst. Mit der nun beschlossenen Stufenregelung wird die Auseinandersetzung voraussichtlich weitergehen, spätestens wenn die ersten Preisschritte im Handel ankommen.