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Stündlich aktualisiert

Politik · Krieg in der Ukraine

Ukraine wirft SpaceX Drosselung von Starlink vor

Kiew beklagt Einschränkungen bei Starlink-Diensten für das Militär. Drohneneinsätze sollen gestört worden sein, der Vorwurf fällt in eine angespannte Phase mit Washington.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine Satellitenschüssel steht in einer angespannten Frontumgebung bei Dämmerung.
Symbolbild: Eine Satellitenschüssel steht in einer angespannten Frontumgebung bei Dämmerung. KI-generiert

Die Ukraine wirft SpaceX vor, die Nutzung von Starlink für militärische Zwecke eingeschränkt zu haben. Nach Angaben aus Kiew seien dadurch Drohneneinsätze gestört oder abgebrochen worden. Die Vorwürfe treffen auf eine angespannte Lage zwischen der ukrainischen Führung und den USA, während Russland weiter Energieanlagen und Städte angreift.

Vorwürfe aus Kiew

Der ukrainische Technologieberater im Verteidigungsministerium, Serhij Beskrestnow, erklärte, das Satelliteninternet sei in der Nacht deutlich langsamer oder nur eingeschränkt nutzbar gewesen. Eine Warnung durch SpaceX habe es nach seiner Darstellung nicht gegeben. Betroffen seien demnach Dienste, die das Militär für die Steuerung von Drohnen und die Kommunikation an der Front nutzt.

Das ZDF berichtete unter Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP zudem von einem ranghohen Regierungsvertreter in Kiew, der den USA eine Mitverantwortung zuschrieb. Er beklagte, dass die Ukraine bei russischen Raketenstarts nicht rechtzeitig informiert worden sei. Zusätzlich sei die Starlink-Geschwindigkeit reduziert worden, sagte der Vertreter demnach am Mittwoch in Kiew.

Starlink spielt für die ukrainischen Streitkräfte seit Beginn der großflächigen russischen Invasion eine zentrale Rolle. Das Netz ermöglicht Kommunikation auch dort, wo Mobilfunk und Festnetz zerstört oder gestört sind. Besonders wichtig ist es für Einheiten, die Drohnen über große Entfernungen steuern oder Bilddaten in Echtzeit auswerten.

Drohnenverbindungen offenbar betroffen

Heise berichtete unter Berufung auf Beskrestnow, dass die Einschränkungen Terminals betreffen sollen, die sich mit mehr als 160 Kilometern pro Stunde bewegen. Genannt wurde dabei das militärische Angebot StarShield. Bei schnellen Drohnen kann eine instabile Verbindung den Zielanflug oder die Aufklärung unterbrechen.

Nach ukrainischer Darstellung hatte die Drosselung unmittelbare Folgen im Einsatz. Mehrere Operationen seien beeinträchtigt worden. Beskrestnow erklärte außerdem, die Maßnahme habe der Ukraine eine wichtige Möglichkeit genommen, sich gegen neue russische Schahed-Drohnen zu wehren.

Die ukrainische Seite vermutet einen politischen Hintergrund. Beskrestnow verwies auf die aktuelle Lage zwischen Kiew und Washington. Der frühere Berater Serhij Sternenko hatte ebenfalls auf Einschränkungen hingewiesen. Die Betreiberfirma SpaceX gehört dem US-Unternehmer Elon Musk, der in der Vergangenheit bereits mit ukrainischen Stellen über die militärische Nutzung von Starlink gestritten hatte.

Streit erreicht Polen

Auch in Polen lösten die Berichte scharfe Reaktionen aus. Das Handelsblatt zitierte Außenminister Radoslaw Sikorski, der Musk auf X direkt ansprach. Er fragte, ob Musk erneut „Politik mit deinen Produkten“ betreibe, und verwies darauf, dass europäische Kunden sein Verhalten beobachteten.

Der politische Streit fällt in eine Phase, in der US-Präsident Donald Trump die ukrainische Führung öffentlich unter Druck setzt. Trump hatte in der vergangenen Woche ein Abkommen mit Russland zum Verkauf von Diesel verkündet. In Kiew stieß das auf Kritik. Danach forderte Trump nach ZDF-Angaben einen Führungswechsel in der Ukraine und verlangte ein Ende ukrainischer Angriffe auf russische Energieanlagen.

Zugleich berichteten Medien über Drohungen aus Washington, die Weitergabe militärischer Aufklärungsdaten zu begrenzen, falls Kiew nicht kompromissbereiter werde. Ein US-Regierungsvertreter erklärte am Mittwoch in Brüssel, die Haltung der USA beim Austausch von Geheimdienstinformationen mit Kiew habe sich nicht geändert.

Angriffe auf Energieversorgung

Parallel zu den Starlink-Vorwürfen setzte Russland seine Angriffe auf die Ukraine fort. Getroffen wurden unter anderem Kraftwerke und Wohngebiete. In Kiew meldete Bürgermeister Vitali Klitschko nach einem Raketenangriff auf ein Wohnhaus zwei Tote.

Landesweit kam es zu schweren Ausfällen in der Stromversorgung. Der Deutschlandfunk berichtete von mindestens 600.000 Menschen ohne Elektrizität. Die Angriffe verstärken den Druck auf die ukrainische Energieinfrastruktur kurz vor der kalten Jahreszeit.

Für die Ukraine ist eine stabile Frontkommunikation in dieser Lage besonders wichtig. Starlink gilt als Rückgrat vieler militärischer Verbindungen. Einschränkungen bei Geschwindigkeit oder Verfügbarkeit können deshalb nicht nur einzelne Drohnenmissionen treffen, sondern die gesamte Reaktionsfähigkeit von Einheiten an der Front schwächen.