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Politik · EU-Haushalt

Ukraine-Bedarf verschärft EU-Haushaltsstreit

Für 2027 steht ein zusätzlicher Finanzbedarf der Ukraine von 70 Milliarden Euro im Raum. Auf die EU könnten rund 45 Milliarden Euro zukommen.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Die EU ringt um zusätzliche Mittel für die Ukraine und den künftigen Haushalt.
Symbolbild: Die EU ringt um zusätzliche Mittel für die Ukraine und den künftigen Haushalt. KI-generiert

Der Streit über den EU-Haushalt spitzt sich an: Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beziffert den zusätzlichen Finanzbedarf der Ukraine für 2027 auf 70 Milliarden Euro. Etwa ein Drittel sollen Partner außerhalb der EU tragen, darunter Japan, Kanada, das Vereinigte Königreich und der Internationale Währungsfonds. Für die EU und ihre Mitgliedstaaten bliebe damit eine Summe von rund 45 Milliarden Euro. Die Beratungen darüber wurden ohne Beschluss vertagt; Entscheidungen werden nun beim Europäischen Rat im Dezember erwartet.

Milliardenbedarf für 2027

Die neue Zahl setzt die Mitgliedstaaten in einer ohnehin angespannten Haushaltslage unter Druck. Von der Leyen verwies darauf, dass die bisherige Finanzplanung den weiteren Kriegsverlauf nicht vollständig abbilden konnte. Der bereits laufende Kreditrahmen für die Ukraine umfasst 90 Milliarden Euro. Die nun diskutierten zusätzlichen Mittel kämen darüber hinaus hinzu.

Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj warb bei den europäischen Regierungschefinnen und Regierungschefs für den Betrag. Nach seinen Angaben soll das Geld vor allem Verteidigung, Waffen und die Widerstandskraft des Landes sichern. Er bezeichnete die Summe als realistisch. Konkrete Beschlüsse fassten die Staats- und Regierungschefs zunächst nicht.

Damit verschiebt sich der Haushaltskonflikt in eine entscheidende Phase. Es geht nicht nur um die weitere Unterstützung Kiews, sondern auch um die Frage, wie viel finanziellen Spielraum sich die EU in den kommenden Jahren geben will. Die zusätzlichen Milliarden treffen auf nationale Spardebatten und auf die Suche nach tragfähigen Finanzierungswegen.

Druck auf Berlin und Brüssel

Für Bundeskanzler Friedrich Merz wird der Konflikt zu einem Test seines Sparkurses. Deutschland gehört zu den zentralen Beitragszahlern der EU und spielt bei der Finanzierung der Ukraine-Hilfe eine Schlüsselrolle. Zugleich steht die Bundesregierung innenpolitisch unter Druck, Ausgaben zu begrenzen und Prioritäten im Haushalt neu zu ordnen.

Aus der Bundesregierung kommt bereits der Ruf nach besonderen Regeln für Ukraine-Hilfen. Die Entwicklungsministerin hält dafür eine Ausnahme von der Schuldenbremse für nötig. Damit ist die Frage berührt, ob sicherheits- und außenpolitische Ausgaben anders behandelt werden sollen als reguläre Haushaltsmittel.

Merz unterstützt politisch eine harte Linie gegenüber Russland. Mit Blick auf ukrainische Angriffe auf russische Energieanlagen erklärte er, es sei richtig und verständlich, wenn die Ukraine Ziele in Russland angreife, um die russische Kriegsführung zu beeinträchtigen. Der finanzielle Teil dieser Haltung bleibt jedoch umstritten: Wer militärische und wirtschaftliche Unterstützung fortsetzen will, muss die Mittel dafür bereitstellen.

Entscheidung im Dezember erwartet

Die EU steht vor mehreren Optionen, die politisch jeweils heikel sind. Zusätzliche nationale Beiträge würden die Haushalte der Mitgliedstaaten direkt belasten. Gemeinsame europäische Instrumente könnten den Druck anders verteilen, würden aber neue Verhandlungen über Haftung, Kontrolle und Laufzeiten auslösen. Auch die Beteiligung externer Partner mindert den Bedarf nur teilweise.

Dass die Entscheidung auf den Dezember vertagt wurde, zeigt die Schwierigkeit der Lage. Einerseits will die EU der Ukraine Planungssicherheit geben. Andererseits müssen die Mitgliedstaaten klären, wie neue Zusagen in bestehende Haushaltslinien passen. Der Betrag von rund 45 Milliarden Euro für Europa markiert dabei die Größenordnung, über die nun verhandelt wird.

Für Kiew ist die Debatte zentral, weil der Krieg weiter hohe laufende Kosten verursacht. Die Ukraine finanziert nicht nur ihre Armee, sondern auch staatliche Grundfunktionen unter Kriegsbedingungen. Für die EU wiederum geht es um Glaubwürdigkeit: Wiederholte politische Zusagen zur Unterstützung müssen mit belastbaren Finanzierungsentscheidungen unterlegt werden.

Einordnung

Der Haushaltsstreit verbindet mehrere Konfliktlinien: nationale Sparvorgaben, europäische Solidarität, militärische Unterstützung und die langfristige Finanzierung der Ukraine. Die neue Finanzlücke macht sichtbar, dass die bisherigen Hilfszusagen nicht automatisch ausreichen, wenn der Krieg weiter andauert.

Im Dezember dürfte sich zeigen, ob die EU eine gemeinsame Lösung findet oder ob die Lasten stärker auf einzelne Mitgliedstaaten verlagert werden. Für Merz ist das Ergebnis auch innenpolitisch bedeutsam: Sein Anspruch auf Haushaltsdisziplin trifft auf eine sicherheitspolitische Lage, die zusätzliche Milliarden verlangt.