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Stündlich aktualisiert

Politik · Konflikt im Libanon

Südlibanon bleibt trotz Waffenruhe unter Beschuss

Im Südlibanon gehen israelische Angriffe weiter. In Tyrus leben vertriebene Familien in Notunterkünften, viele Kinder wachsen mit Zerstörung und Angst auf.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine beschädigte Straße im Südlibanon steht für den Alltag in einer Region, die trotz Waffenruhe von Unsicherheit geprägt ist.
Symbolbild: Eine beschädigte Straße im Südlibanon steht für den Alltag in einer Region, die trotz Waffenruhe von Unsicherheit geprägt ist. KI-generiert

Trotz einer Waffenruhe bleibt der Südlibanon ein gefährliches Gebiet. Israel greift dort weiterhin Ziele an, Menschen aus Grenzdörfern leben seit langer Zeit fern ihrer Häuser, und die Hisbollah behält in der Region erheblichen Einfluss. Besonders sichtbar wird die Lage in Tyrus: Die Küstenstadt ist für viele Vertriebene zum Zufluchtsort geworden, obwohl auch dort Zerstörung und Unsicherheit den Alltag bestimmen.

Alltag in Tyrus

Das ZDF berichtet aus einer UNICEF-Einrichtung in Tyrus, rund 30 Kilometer von der Front entfernt. Dort erhalten Kinder Unterstützung, die mit Krieg und Flucht aufgewachsen sind. Die 13-jährige Sidra erzählt dem Sender, ihre Familie habe Angst erlebt, Menschen hätten ihre Wohnungen verloren, auch ihr eigenes Zuhause sei zerstört worden. Ein achtjähriger Junge berichtet, sein Haus existiere nicht mehr, wichtige Dinge seien verloren, sein Vater sei tot.

Die Berichte aus der Stadt zeigen, wie stark der Konflikt zivile Lebensräume prägt. In Tyrus wurden demnach auch Wohnhäuser getroffen. An vielen Orten im Süden sind Spuren der Kämpfe sichtbar. Gleichzeitig erinnern Plakate gefallener Hisbollah-Kämpfer an die politische und militärische Präsenz der Organisation, die in der Region tief verankert ist.

Schulen als Notunterkünfte

Viele Familien, die nahe der israelischen Grenze lebten, sind nach Tyrus geflohen. Eine von ihnen ist die Familie von Enas Theiny. Die 39-Jährige ist schwanger und erwartet ihr viertes Kind. Mit ihrer Familie lebt sie in einem Klassenzimmer, weil die Schule als Unterkunft genutzt wird. Ihr Haus im Heimatdorf wurde während des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah 2024 zerstört. Später zog die Familie nach Tyrus, verlor aber auch dort ihr neues Zuhause, als die Lage erneut eskalierte.

Dem ZDF sagte Theiny: „Der Krieg ist nicht zu Ende.“ Der Beschuss habe aus ihrer Sicht keinen Tag aufgehört. In einem weiteren Satz fasst sie ihre Lage mit den Worten zusammen: „Es gibt keine Zukunft!“

Hilfsorganisationen betreuen Familien in solchen Sammelunterkünften. World Vision unterstützt dort vor allem Kinder und bietet Betreuung an. Fares Samaha von World Vision beschreibt, dass Schulgebäude eigentlich wieder für den Unterricht gebraucht würden, nun aber Menschen beherbergen. Für viele Kinder bedeutet das, dass Unterricht, Freundschaften und ein geregelter Tagesablauf wegbrechen. Die Hilfsangebote sollen ihnen wenigstens zeitweise Struktur und Sicherheit geben.

Hisbollah und Israels Kriegsziel

Israel erklärt seine Militäraktionen mit dem Kampf gegen die Hisbollah. Die Organisation wird von Iran unterstützt, ist militärisch bewaffnet und tritt zugleich als politische Kraft im Libanon auf. Besonders im schiitisch geprägten Süden verfügt sie über Rückhalt und Einfluss.

Die Nahost-Expertin Bente Scheller von der Heinrich-Böll-Stiftung sieht den iranischen Einfluss als zentralen Faktor. Gegenüber dem ZDF sagte sie, Iran spiele eine „wirklich negative Rolle“. Sie beschreibt die Hisbollah außerdem als Machtstruktur, die in wichtigen Bereichen stärker sei als staatliche libanesische Kräfte. Nach Angaben einer libanesischen Nachrichtenagentur begründete Israel Angriffe im September damit, die Hisbollah baue ihre Strukturen wieder auf. Bei israelischen Angriffen wurden demnach mehrere Menschen getötet und verletzt; in einem Bericht war von mindestens elf Toten die Rede, darunter auch Kinder.

Eskalation seit Oktober 2023

Die Lage im Südlibanon verschärfte sich nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Einen Tag später griff die Hisbollah von Israel besetztes Gebiet im Südlibanon an. Israel wertete die Organisation erneut als unmittelbare Bedrohung. Im Herbst 2024 weitete Israel seine Operationen aus und begann eine Bodenoffensive im Süden des Libanon.

Seitdem ist für viele Menschen eine Rückkehr kaum möglich. Hunderttausende im Süden leben mit Vertreibung, Angst vor weiteren Angriffen und zerstörter Infrastruktur. Die Waffenruhe hat den Alltag vieler Familien nicht normalisiert. In Tyrus zeigt sich, dass der Konflikt nicht nur an der Front geführt wird, sondern in Schulen, Wohnungen und provisorischen Unterkünften fortwirkt.