Politik · Krieg in der Ukraine
Selenskyj warnt vor schwerem russischen Angriff
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt vor einem bevorstehenden schweren russischen Angriff auf sein Land und dringt auf zusätzliche Waffenlieferungen. Nach Angaben des Deutschlandfunks beruft er sich auf Erkenntnisse der ukrainischen Geheimdienste. Die Bevölkerung soll Luftalarm und Warnhinweise besonders ernst nehmen. Zugleich macht Kiew deutlich, dass die eigene Abwehr vor allem bei Munition für Systeme gegen ballistische Raketen unter Druck steht.
Kiew verweist auf Geheimdiensthinweise
Selenskyj äußerte sich in seiner abendlichen Videoansprache. Dem MDR zufolge sagte er, es lägen „aktuelle Geheimdienst-Informationen“ vor. Sicherheitsdienste und Luftwaffe seien vorbereitet, könnten aber nur im Rahmen der vorhandenen Mittel reagieren.
Damit verbindet Kiew erneut die Warnung vor russischen Angriffen mit dem Appell an westliche Partner. Die Ukraine benötigt vor allem Munition und Abwehrsysteme, die schnelle und schwer abzufangende Raketen bekämpfen können. Gerade in diesem Bereich gilt die Lage als angespannt. Selenskyj rief verbündete Staaten deshalb auf, zusätzliche Waffen bereitzustellen.
Die Warnung fällt in eine Phase intensiver Angriffe auf Infrastruktur und Verkehrswege. In Kiew wurden nach Beobachtungen von Reportern Schutznetze an Brücken angebracht. Sie sollen Drohnen abwehren. Zuvor waren Brücken über den Dnipro wiederholt Ziel russischer Angriffe gewesen.
Angriffe auf Brücken und Städte
Auch aus Saporischschja wurden neue Angriffe gemeldet. Nach Angaben regionaler Behörden wurde dort eine Brücke über den Dnipro getroffen. Fünf Menschen seien verletzt worden. Der Verkehr musste zeitweise unterbrochen werden. Zudem wurde in Saporischschja ein Wohnhochhaus getroffen. Dabei erlitt nach ukrainischen Angaben ein fünfjähriges Kind Verletzungen.
Russland meldete seinerseits ukrainische Angriffe auf die Region Moskau. Nach Angaben des Moskauer Bürgermeisters Sergej Sobjanin kamen dabei zwei Menschen ums Leben. Russische Stellen sprachen von einem groß angelegten Drohnenangriff. Das Portal „Kyjiv Independent“ berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, Ziel sei ein Öllager südöstlich von Moskau gewesen.
Im Schwarzen Meer weitete sich die Lage ebenfalls aus. Bulgarien informierte die Nato nach Angriffen auf Handelsschiffe in seiner Wirtschaftszone. Ministerpräsident Rumen Radew teilte mit, zwei Schiffe seien beschädigt worden, eines davon sei rasch gesunken. Die Herkunft der Drohnen wurde nicht benannt. Nach Angaben aus Sofia werden Informationen aus Bulgarien, Rumänien und der Ukraine ausgewertet.
Schwarzes Meer bleibt Risikozone
Vor der russischen Schwarzmeerküste geriet zudem ein Tanker in Brand. Laut ZDF meldete das russische Transportministerium, das Schiff sei von Seedrohnen angegriffen worden. Die 23 Besatzungsmitglieder aus Indien seien gerettet worden. Russische Behörden sperrten anschließend Strände in der Region Krasnodar.
Die Vorfälle zeigen die zunehmende Bedeutung des Schwarzen Meeres im Krieg. Neben militärischen Zielen geraten dort auch Schifffahrtsrouten und Energieinfrastruktur in den Fokus. Für die angrenzenden Nato-Staaten erhöht das den sicherheitspolitischen Druck, auch wenn die genauen Verantwortlichkeiten für einzelne Angriffe nicht immer sofort geklärt werden.
Deutsche Verantwortung im Fokus
In der Ukraine nahm Bundesfamilienministerin Karin Prien an einer Gedenkveranstaltung in Babyn Jar nahe Kiew teil. Dort wurde an die deutschen Massenerschießungen von fast 34.000 Jüdinnen und Juden vor 85 Jahren erinnert. Prien sagte bei der Veranstaltung im Beisein Selenskyjs: „Erinnerung bedeutet Verantwortung.“
Der Besuch stand nicht im Mittelpunkt militärischer Hilfszusagen, verweist aber auf die besondere deutsche Verantwortung gegenüber der Ukraine. Selenskyjs erneuter Appell richtet sich an alle Unterstützerstaaten. Für Kiew bleibt entscheidend, ob die Partner rasch zusätzliche Mittel für die Luftverteidigung bereitstellen können. Die erwarteten russischen Angriffe erhöhen den Druck, Entscheidungen über Waffen und Munition zu beschleunigen.