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Stündlich aktualisiert

Politik · Krieg in der Ukraine

Selenskyj beklagt fehlende Warnungen vor Kiew-Angriffen

Russische Raketen haben in Kiew ein Wohnhaus und ein Heizkraftwerk getroffen. Präsident Selenskyj kritisiert, Partner hätten erneut nicht rechtzeitig gewarnt.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Nächtliche Stadtansicht mit Einsatzlichtern nach einem Angriff auf Infrastruktur.
Symbolbild: Nächtliche Stadtansicht mit Einsatzlichtern nach einem Angriff auf Infrastruktur. KI-generiert

Russland hat Kiew erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. Nach Angaben aus der ukrainischen Hauptstadt wurden ein neunstöckiges Wohnhaus und ein Heizkraftwerk getroffen. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von mindestens zwei Toten und mehr als 20 Verletzten. Präsident Wolodymyr Selenskyj warf den internationalen Partnern vor, die Ukraine wieder nicht früh genug vor anfliegenden Raketen gewarnt zu haben.

Explosionen kurz nach Luftalarm

Der Angriff traf die Millionenstadt am späten Abend. Das ukrainische Portal The Kyiv Independent berichtete, dass unmittelbar nach dem Luftalarm bereits Explosionen zu hören waren. Ein Wohngebäude geriet nach einem Einschlag in Brand. Am Morgen folgte eine weitere Angriffswelle auf die Hauptstadt; über deren Folgen lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor.

Selenskyj erklärte, die Raketen seien erst von ukrainischen Radaren erfasst worden, als sie sich bereits im Anflug auf Kiew befanden. In sozialen Medien schrieb er laut tagesschau, es habe „wieder einmal keine Vorwarnung von unseren Partnern“ gegeben. Das Hauptziel sei die Energieversorgung gewesen. Besonders betroffen war demnach das Heizkraftwerk CHP-4, das für die Versorgung der Stadt wichtig ist.

Die Kritik ist nicht neu, fällt aber in eine Phase wachsender Unsicherheit über die militärische Zusammenarbeit mit den USA. Selenskyj machte deutlich, dass fehlende Frühwarnungen aus seiner Sicht die russischen Angriffe erleichtern. Auf Telegram nannte er es „überhaupt nicht gerecht“, wenn Russland Energieanlagen zerstöre und die Ukraine zugleich keine Hinweise auf Starts ballistischer Raketen erhalte.

Streit über Aufklärungsdaten

Die Ukraine ist bei der Abwehr russischer Angriffe stark auf Informationen westlicher Partner angewiesen. Besonders wichtig sind Daten aus den USA, die vor Raketenstarts warnen und zur Einschätzung russischer Bewegungen beitragen. Auch andere Nato-Staaten liefern nach ukrainischer Darstellung wichtige Erkenntnisse.

ZDFheute berichtet, die US-Regierung habe Vorwürfe aus Kiew zurückgewiesen, wonach militärische Informationen nicht mehr mit der Ukraine geteilt würden. Offiziell bestätigt ist ein Stopp der Weitergabe solcher Daten nicht. Die Financial Times hatte nach Darstellung der tagesschau zuvor unter Berufung auf europäische Offizielle berichtet, Washington habe mit Einschränkungen gedroht, falls die Ukraine ihre Angriffe auf russische Energieanlagen nicht beende.

Bereits im März 2025 hatte Washington nach einem angespannten Besuch Selenskyjs im Weißen Haus bestimmte militärische Informationen zeitweise zurückgehalten. Damals wurde der Schritt von CIA-Chef John Ratcliffe bestätigt. Vor diesem Hintergrund wiegt der aktuelle Vorwurf aus Kiew politisch besonders schwer.

Mangel an Munition belastet die Abwehr

Neben der Frage nach Aufklärungsdaten verschärft Munitionsknappheit die Lage der ukrainischen Luftverteidigung. Ballistische Raketen sind wegen ihrer hohen Geschwindigkeit schwer abzufangen. Als wirksamstes Mittel gelten Patriot-Systeme aus US-Produktion. Die Ukraine verfügt über mehrere dieser Systeme, hat aber nicht genügend Abfangraketen.

Die weltweiten Vorräte an solcher Munition sind zusätzlich unter Druck geraten. Ein Grund ist der Krieg der USA und Israels gegen Iran. Gleichzeitig hat Russland seine Angriffe auf Kiew und andere ukrainische Städte intensiviert, insbesondere auf die Energieversorgung. In der Hauptstadt kam es in den vergangenen Wochen bereits zu Strom- und Wasserausfällen; auch der U-Bahn-Verkehr war zeitweise betroffen.

Die Ukraine greift ihrerseits verstärkt russische Energieinfrastruktur an, darunter Raffinerien und Öldepots. US-Präsident Donald Trump fordert ein Ende dieser Angriffe. Er hatte am Freitag eine Vereinbarung mit Kremlchef Wladimir Putin über russische Diesellieferungen bekanntgegeben. Nach Kritik aus Kiew verlangte Trump Neuwahlen in der Ukraine und die Ablösung Selenskyjs.

Druck vor dem Winter

Der Streit trifft die Ukraine kurz vor einer besonders schwierigen Jahreszeit. Wiederholte Angriffe auf Kraftwerke, Netze und andere Versorgungseinrichtungen erhöhen das Risiko von Ausfällen bei Strom, Wärme und Wasser. Selenskyj warf den Behörden in Kiew eine unzureichende Vorbereitung vor und kritisierte Probleme bei Schutzräumen, Schulen, Verkehr und Sicherheitsmaßnahmen für wichtige Anlagen.

Die taz berichtete über eine deutliche Erwiderung Klitschkos. Der Bürgermeister wies Verantwortung für die Flugabwehr zurück und sah sich als Ziel einer politischen Kampagne. Selenskyj und Klitschko gelten seit längerem als Rivalen. Der Streit um die Vorbereitung der Hauptstadt zeigt, wie sehr militärischer Druck, Energiekrise und innenpolitische Spannungen ineinandergreifen.

Parallel treibt die Europäische Union die Beitrittsgespräche mit der Ukraine weiter voran. In Luxemburg wurden neue Themenblöcke eröffnet, darunter Binnenmarkt und Wettbewerbsfähigkeit. Für Kiew ist das ein politisches Signal der Unterstützung, während die unmittelbare Sicherheitslage durch russische Angriffe und den Streit über Warnungen angespannt bleibt.