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Stündlich aktualisiert

Politik · Altkanzler in Moskau

Schröders Putin-Besuch löst Empörung aus

Gerhard Schröder war in Moskau bei Wladimir Putin. Politikerinnen und Politiker kritisieren den Altkanzler scharf, auch wegen neuer Posten in Russland.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein politischer Besuch in Moskau sorgt in Deutschland für scharfe Kritik.
Symbolbild: Ein politischer Besuch in Moskau sorgt in Deutschland für scharfe Kritik. KI-generiert

Gerhard Schröders Besuch bei Wladimir Putin in Moskau sorgt in Berlin für heftige Reaktionen. Der frühere Bundeskanzler nahm am Mittwoch nach Kremlangaben an einer Feier zum 74. Geburtstag des russischen Präsidenten teil. Kritik kommt unter anderem von Grünen, FDP und CDU. Zusätzlich rückt ein neuer Aufsichtsratsposten Schröders beim russischen Ableger der deutschen Supermarktkette Globus in den Fokus.

Treffen bei Putin in Moskau

Der Kreml veröffentlichte nach Angaben von n-tv Fotos des Treffens. Darauf sind Schröder und Putin freundlich miteinander zu sehen. Nach Darstellung aus Moskau soll Putin am Mittwochmorgen über Medienberichte erfahren haben, dass Schröder in der russischen Hauptstadt sei. Anschließend sei der Altkanzler zu Putin eingeladen worden.

Vor dem Besuch bei Putin war Schröder in einer Filiale des russischen Globus-Ablegers aufgetreten. Dort sprach er vor Beschäftigten des Unternehmens. Zuvor war er in dessen Aufsichtsrat berufen worden. Dieser Posten verschärft die Debatte über Schröders geschäftliche Verbindungen nach Russland, die ihn schon seit Jahren politisch belasten.

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige gilt seit Langem als enger Vertrauter Putins. Auch nach dem Beginn der russischen Großinvasion in der Ukraine traf er den Kremlchef mehrfach. Seine Nähe zu russischen Energieunternehmen hatte bereits vor dem aktuellen Moskau-Besuch immer wieder Kritik ausgelöst.

Scharfe Reaktionen aus der Politik

Katrin Göring-Eckardt von den Grünen verurteilte den Auftritt in Moskau deutlich. Auf X schrieb sie laut Tagesspiegel: „Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.“ Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Politikerin und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europaparlament, griff Schröder öffentlich an. Sie nannte ihn auf X „Deutschlands frechsten Rentner“ und kritisierte seine Russland-Mandate sowie die Teilnahme an Putins Feier.

Aus der CDU kam ebenfalls Kritik. Dennis Radtke, Vorsitzender des CDU-Sozialflügels, verwies auf Schröders gesundheitlich begründete Absagen vor einem Untersuchungsausschuss. Der Altkanzler hatte 2025 mehrfach nicht vor einem Ausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Zusammenhang mit Nord Stream 2 ausgesagt und dabei eine Burnout-Erkrankung geltend gemacht. Radtke schrieb auf X von einer „Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder“.

Die Kritik zielt nicht nur auf das persönliche Verhältnis zu Putin. Sie richtet sich auch gegen den Zeitpunkt des Treffens. Am Mittwoch griff Russland die Ukraine mit einer Kombination aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach danach von mindestens 25 Toten und mehr als 100 Verletzten. Er bezeichnete den Angriff als „Geburtstagsgeschenk für Putin“.

Alte Nähe, neue Posten

Schröder war nach dem Ende seiner Kanzlerschaft für russische Energiekonzerne tätig. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Nord Stream 2 AG, eine Tochter des Gazprom-Konzerns. Schröder war dort Präsident des Verwaltungsrats. Die Pipeline war Ende 2021 fertiggestellt, ging aber nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb. Die Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Olaf Scholz stoppte die Genehmigung.

Im Mai hatte Putin Schröder als möglichen Vermittler im Krieg gegen die Ukraine erwähnt. In der Bundesregierung stieß dieser Vorstoß auf Skepsis. Mit dem neuen Aufsichtsratsposten in Russland und dem Besuch bei Putins Geburtstagsfeier dürfte die Debatte über Schröders Rolle weiter an Schärfe gewinnen.