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Politik · Russland-Geschäft

Schröder zieht in Aufsichtsrat von Globus Russland ein

Altkanzler Gerhard Schröder übernimmt ein Mandat beim russischen Globus-Ableger Hyperglobus. Das Unternehmen soll er in strategischen Fragen begleiten.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Supermarkt und ein Sitzungstisch stehen für das neue Aufsichtsratsmandat beim russischen Globus-Ableger.
Symbolbild: Ein Supermarkt und ein Sitzungstisch stehen für das neue Aufsichtsratsmandat beim russischen Globus-Ableger. KI-generiert

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) ist in den Aufsichtsrat der russischen Globus-Gesellschaft Hyperglobus berufen worden. Das Unternehmen bestätigte die Personalie der Deutschen Presse-Agentur, wie unter anderem der Deutschlandfunk berichtete. Der 82-Jährige soll die Entwicklung der Supermärkte in Russland strategisch begleiten. Von Schröder selbst gab es zunächst keine Bestätigung.

Berufung Ende September

Nach Angaben des Unternehmens wurde Schröder bereits am 30. September in das Kontrollgremium aufgenommen. ZDFheute berichtete unter Berufung auf Hyperglobus, der frühere Bundeskanzler solle an übergeordneten Unternehmensentscheidungen mitwirken. Je nach Darstellung soll er die strategische Entwicklung unterstützen beziehungsweise leiten.

Hyperglobus betreibt in Russland Märkte unter dem bekannten Namen Globus. Das Russland-Geschäft wurde 2025 aus der deutschen Globus Holding herausgelöst. Seitdem tritt der Ableger rechtlich und organisatorisch eigenständig in Russland auf. Die Märkte nutzen aber weiterhin die Marke, die in Deutschland mit der Globus-Gruppe verbunden ist. Der MDR nennt rund 20 Standorte in Russland.

Die Personalie fällt in eine Zeit, in der ausländische Unternehmen in Russland unter wachsendem politischen Druck stehen. Erst vor wenigen Tagen hatte Moskau Vermögenswerte des deutschen Handelskonzerns Metro vorübergehend unter staatliche Verwaltung gestellt. Auch der französische Einzelhändler Auchan war betroffen. ZDFheute berichtete zudem von ähnlichen Maßnahmen gegen Nestlé. Hyperglobus äußerte sich nicht dazu, ob Schröders neues Mandat in einem Zusammenhang mit diesen Eingriffen steht.

Umstrittene Nähe zu Moskau

Schröders Russland-Verbindungen sorgen seit Jahren für Kritik. Er war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. In der Endphase seiner Amtszeit wurde mit Russlands Präsident Wladimir Putin der Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream vereinbart. Nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt übernahm Schröder Funktionen im Umfeld russischer Energieprojekte und beim Staatskonzern Rosneft.

Auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine blieb Schröder seiner Linie gegenüber Moskau treu und traf Putin wiederholt. Seine persönliche Nähe zum Kremlchef und seine Tätigkeiten für russische Energieinteressen gelten politisch als hoch umstritten. Der MDR berichtete, Schröder sei zudem Vorsitzender des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Gesellschaft im Umfeld des russischen Gazprom-Konzerns.

Die neue Funktion bei Hyperglobus betrifft zwar den Einzelhandel und nicht den Energiesektor. Politisch ist sie dennoch brisant, weil westliche Firmen ihre Russland-Geschäfte seit 2022 vielfach beendet, reduziert oder abgespalten haben. Globus gehört zu den Unternehmen, deren russische Märkte weiter unter der bekannten Marke auftreten, obwohl die deutsche Holding das Geschäft ausgegliedert hat.

Zeichen in schwieriger Lage

Für Hyperglobus kann Schröders Name vor allem als Signal verstanden werden. Der frühere Kanzler verfügt über langjährige Kontakte nach Russland und ist dort eine prominente deutsche Persönlichkeit. Das Unternehmen verweist auf seine künftige Rolle bei strategischen Fragen. Weitere Einzelheiten zu Aufgaben, Vergütung oder Dauer des Mandats wurden nicht genannt.

In Deutschland dürfte die Berufung die Debatte über Schröders Verhältnis zu Russland erneut beleben. Seine früheren Ämter in der Energiewirtschaft, seine Freundschaft zu Putin und seine Haltung zum Ukraine-Krieg hatten bereits zu deutlicher Kritik geführt. Das neue Aufsichtsratsmandat verlagert seine russischen Aktivitäten nun in den Handelssektor, ändert aber nichts an der politischen Symbolik: Ein ehemaliger deutscher Regierungschef übernimmt eine Funktion bei einem Unternehmen, das trotz Krieg und Sanktionen in Russland präsent bleibt.