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Politik · Frankfurter Buchmesse

Sands fordert klarere Worte zu Israel

Philippe Sands erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In Frankfurt kritisiert der Jurist Deutschlands Zurückhaltung gegenüber Israels Vorgehen in Gaza.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine feierliche Preisverleihung in einem historischen Saal.
Symbolbild: Eine feierliche Preisverleihung in einem historischen Saal. KI-generiert

Der britisch-französische Jurist und Autor Philippe Sands hat bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in Frankfurt deutliche Kritik an Deutschlands Haltung zu Israel geübt. In der Paulskirche forderte er, mögliche Verstöße gegen das Völkerrecht klar zu benennen, auch wenn sie von befreundeten Staaten ausgingen. Zugleich verurteilte Sands die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 und betonte Israels Recht auf Selbstverteidigung innerhalb völkerrechtlicher Grenzen.

Appell in der Paulskirche

Sands nahm die Auszeichnung zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse entgegen. Der Preis ist nach Angaben des Tagesspiegels mit 25.000 Euro dotiert. Bei der Feier war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anwesend.

In seiner Dankesrede stellte Sands das Recht ins Zentrum seiner Botschaft. Frieden könne ohne Gerechtigkeit nicht bestehen, Gerechtigkeit brauche verbindliche Regeln, und diese Regeln müssten für alle gelten. Daraus leitete er seinen Appell an Deutschland ab, bei mutmaßlichen Völkerrechtsverbrechen nicht mit zweierlei Maß zu messen.

Der Jurist sagte laut tagesschau.de, Kritik am Handeln Israels sei weder antisemitisch noch gegen Israel gerichtet. Er verwies darauf, dass am 7. Oktober auf israelischem Gebiet schwere Verbrechen begangen worden seien, anschließend aber auch im Gazastreifen und im Westjordanland. Eine deutsche Staatsräson, die diesen Namen verdiene, müsse das Schweigen über solche Taten beenden, sagte Sands sinngemäß.

Kritik an beschränkten Debatten

Sands wandte sich besonders gegen Einschränkungen öffentlicher Diskussionen. Wer Völkerstraftaten anspreche, dürfe deshalb nicht ausgegrenzt oder sanktioniert werden. Die Debattenlage in Deutschland nannte er beunruhigend. Die Frage, ob der Begriff Genozid zutreffe, beschrieb er als Ablenkung, weil es unter den schweren Verbrechen des Völkerrechts keine Rangordnung gebe.

Gleichzeitig zog Sands eine klare Grenze zur Gewalt der Hamas. Die Angriffe vom 7. Oktober seien eine gravierende Verletzung zentraler völkerrechtlicher Normen gewesen. Israel habe wie jeder Staat das Recht, sich zu verteidigen. Dieses Recht sei aber nicht unbegrenzt.

Die Rede stieß in der Paulskirche auf viel Applaus, nach Darstellung von tagesschau.de jedoch nicht an allen Stellen. Bundespräsident Steinmeier habe bei Sands’ Appell zur deutschen Staatsräson nicht applaudiert.

Jurist, Autor, Familiengeschichte

Sands wurde 1960 in London geboren und stammt aus einer jüdischen Familie, deren Geschichte stark vom Holocaust geprägt ist. Er berichtete, dass zahlreiche Angehörige seiner Familie ermordet wurden. Die Auseinandersetzung mit diesem Schweigen in der eigenen Familie führte ihn später nach Lemberg, dem heutigen Lwiw. Dort verband sich seine persönliche Suche mit der Geschichte des modernen Völkerrechts.

Mit Lemberg sind auch die Juristen Hersch Lauterpacht und Raphael Lemkin verbunden. Sie prägten nach dem Zweiten Weltkrieg zentrale Begriffe des internationalen Strafrechts, darunter Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Genozid. Sands griff diese Linien in seinem Buch „Rückkehr nach Lemberg“ auf, das Familiengeschichte und Rechtsgeschichte miteinander verknüpft.

Als Jurist wirkte Sands an internationalen Verfahren mit. Er arbeitet in Den Haag und lehrt in London. Der Tagesspiegel nennt unter anderem Fälle mit Bezug zu Palästinensern, Rohingya, Georgien, der Ukraine und den Solomon Islands. In Frankfurt sprach Sands auch der Ukraine Unterstützung und Solidarität zu.

Friedenspreis und Völkerrecht

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels würdigt Sands für seinen Einsatz für Recht, Frieden und Gerechtigkeit. Die Laudatio hielt Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München. Sie beschrieb Sands als wichtigen Völkerrechtsexperten und hob seine literarische Arbeit hervor.

Sands verbindet juristische Argumentation mit erzählenden Formen. Seine Bücher greifen historische Gewalt, internationale Strafverfahren und die Folgen staatlicher Verbrechen auf. In seiner Frankfurter Rede betonte er, Literatur und Recht könnten beide dazu beitragen, Macht zu kontrollieren, verdrängte Geschichten sichtbar zu machen und Doppelstandards entgegenzutreten.

Ein weiteres Thema seiner Arbeit ist die Forderung, schwere Umweltzerstörung als eigenes internationales Verbrechen zu verfolgen. Sands setzt sich dafür ein, Ökozid neben Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Angriffskrieg im internationalen Strafrecht zu verankern. In Frankfurt sagte er, auch die Zerstörung der Natur müsse vor Gericht verantwortet werden können.