Politik · Krieg in der Ukraine
Russische Drohnen legen Verkehr in Kiew lahm
Kiew steht nach neuen russischen Drohnenangriffen weiter unter Druck. Die Südbrücke über den Dnipro wurde erneut getroffen und bleibt für Autos sowie die Metro geschlossen, wie Bürgermeister Vitali Klitschko mitteilte. Im Kiewer Vorort Hostomel wurden nach Behördenangaben zwei Menschen verletzt, mehrere Lagerhallen brannten. Bereits am Freitag waren bei russischen Luftangriffen auf die Ukraine mindestens drei Menschen getötet worden.
Brückenangriffe treffen Kiews Alltag
Die Südbrücke gehört zu den zentralen Verbindungen zwischen den Stadtteilen auf beiden Seiten des Dnipro. Nach Angaben der Stadt wurden bei den jüngsten Treffern ein Pfeiler, Teile der Fahrbahn und Schutzbauten entlang der Metrolinie beschädigt. Der MDR berichtete, dass zusätzlich zwei weitere Übergänge am Freitagnachmittag zeitweise nur eingeschränkt nutzbar waren.
In der Hauptstadt führte das zu massiven Staus. ZDFheute schilderte unter Berufung auf Beobachtungen der Nachrichtenagentur AFP lange Kolonnen auf wichtigen Straßen, weil viele Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer auf andere Routen ausweichen mussten. Auch die Paton-Brücke und weitere Übergänge waren demnach zeitweise betroffen. Eine Einwohnerin berichtete AFP, sie sei drei Stunden auf dem Weg zur Arbeit gewesen.
Die wiederholten Angriffe auf Brücken zeigen, wie stark Moskau inzwischen auch Verkehrsknoten und städtische Infrastruktur ins Visier nimmt. Für Kiew sind die Übergänge über den Dnipro militärisch und zivil bedeutsam, weil sie den Verkehr zwischen den östlichen und westlichen Stadtteilen sichern.
Tote und Verletzte in mehreren Städten
Die Angriffe trafen nicht nur Kiew. In Charkiw starben am Freitag nach ukrainischen Behördenangaben mindestens zwei Menschen durch Gleitbomben, 28 weitere wurden verletzt. In Kiew kam ein Mensch ums Leben, zwei Personen erlitten Verletzungen. Auch aus Dnipro meldete die Militärverwaltung Verletzte. Dort brach in oberen Stockwerken eines Wohnhauses ein Feuer aus.
Die ukrainische Armee gab an, Russland habe in der Nacht zum Freitag mehr als 100 Drohnen gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt. Ein großer Teil sei abgefangen worden. Zugleich setzen russische Streitkräfte verstärkt Drohnen mit Jetantrieb ein. Diese Modelle fliegen schneller und höher als frühere Varianten und erschweren damit die Luftverteidigung.
Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte deshalb zusätzliche Sanktionen gegen Moskau. Er verwies darauf, dass die neueren Drohnen in erheblichem Umfang auf Bauteile aus dem Ausland angewiesen seien. Russland greift seit Monaten wiederholt Energieanlagen, Wohngebiete und Verkehrsinfrastruktur in der Ukraine an.
Debatte über Luftabwehr und F-16
Die Belastung der ukrainischen Luftverteidigung wächst auch wegen der neuen russischen Angriffsmittel. Die F-16-Kampfjets aus westlichen Beständen spielen dabei eine wichtige Rolle, unter anderem gegen Drohnen und Marschflugkörper. Der Tagesspiegel berichtete über Darstellungen des Wall Street Journal, wonach mehr als die Hälfte der ukrainischen F-16 zeitweise in der Wartung sein soll. Kiew wies diese Darstellung zurück.
Ein Sprecher des ukrainischen Außenministeriums erklärte, die Flugzeuge würden intensiv eingesetzt. Zugleich räumte er ein, dass die Instandhaltung schwierig sei. Für frühe F-16-Varianten würden bestimmte Ersatzteile nicht mehr produziert, was die Beschaffung erschwere. Selenskyj hatte angekündigt, dass die Ukraine bis Jahresende drei weitere F-16 aus Belgien erhalten soll.
Auch bei Angriffen auf Ziele tief in Russland stößt die Ukraine an Grenzen. Die Welt berichtete, Kiew könne zwar Drohnen gegen Lager oder Raffinerien einsetzen, verfüge aber nicht über ausreichend weitreichende Waffen gegen stark geschützte militärische Anlagen. Eigene Entwicklungen kämen nur langsam voran.
EU fordert Signale aus Moskau
Parallel zu den Angriffen verlangt die EU von Russland Schritte in Richtung Verhandlungen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte Moskau nach einem Treffen mit Papst Leo XIV. auf, Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung zu beenden und Bereitschaft zu Gesprächen zu zeigen. Die EU sei grundsätzlich offen für Dialog, sehe derzeit aber keine entsprechenden Signale aus Russland.
Kallas warf Moskau zudem vor, durch Sabotageaktionen in Europa die Unterstützung für die Ukraine schwächen zu wollen. Sie verteidigte die europäische Aufrüstung als Abschreckung. Russlands Präsident Wladimir Putin beobachtete unterdessen ein Militärmanöver im Ural, an dem neben russischen Einheiten auch Soldaten aus China, Belarus und Pakistan beteiligt waren. Der Kreml stellte die Übung als Routine dar.