Politik · Krieg in der Ukraine
Russische Drohne trifft Kiewer Südbrücke erneut
Eine russische Kampfdrohne hat erneut die bereits beschädigte Südbrücke in Kiew getroffen. Die wichtige Verbindung über den Dnipro bleibt nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko für Autos und die Metro gesperrt. Die Angriffe verschärfen die Verkehrsprobleme in der ukrainischen Hauptstadt und zeigen, dass Russland zunehmend Verkehrsknoten und Infrastruktur in Städten attackiert.
Kiews Brücken unter Druck
Die Südbrücke war bereits am Donnerstag dreimal von Drohnen getroffen worden. Wie n-tv berichtet, wurden dabei unter anderem ein Pfeiler, Teile der Fahrbahn und ein Schutzbauwerk an der U-Bahn-Trasse beschädigt. Klitschko teilte anschließend mit, die Brücke könne weiter nicht genutzt werden.
Für Kiew ist die Sperrung besonders folgenreich. Insgesamt sieben Brücken verbinden die östlichen und westlichen Stadtteile über den Dnipro hinweg. Nach den Angriffen wurden am Morgen mehrere Übergänge vorübergehend blockiert. Am Nachmittag waren neben der Südbrücke noch zwei weitere Brücken teilweise gesperrt. Das führte in der Millionenstadt zu erheblichen Staus und Einschränkungen im öffentlichen Verkehr.
Klitschko beschrieb die Lage auf Telegram mit den Worten: „Der Feind reißt Kiew auseinander.“ Er nannte die Situation zudem „sehr dramatisch“. Die Attacken markieren eine neue Belastung für die Hauptstadt, deren Verkehrsadern für Alltag, Versorgung und militärische Logistik wichtig sind.
Verletzte bei weiteren Angriffen
Auch im Umland von Kiew gab es neue Einschläge. ZDFheute zufolge wurden im nordwestlich gelegenen Hostomel zwei Menschen durch einen russischen Drohnenangriff verletzt. Mehrere Lagergebäude wurden getroffen und gerieten in Brand. Berichte über brennende Medikamentenlager blieben zunächst ohne amtliche Bestätigung.
In Charkiw im Osten der Ukraine meldete die regionale Militärverwaltung mindestens zwei Tote nach einem russischen Luftangriff. Weitere 28 Menschen wurden demnach verletzt. Getroffen wurden Wohnhäuser; unter Trümmern könnten sich noch weitere Menschen befinden.
Präsident Wolodymyr Selenskyj warf der russischen Führung vor, ukrainische Städte gezielt zerstören zu lassen. Er schrieb auf X, aus Geheimdienstinformationen und aus dem Umfeld von Kremlchef Wladimir Putin gebe es Hinweise auf die Aussage: „Jetzt gibt es keine Regeln mehr.“ Russland habe die Ukraine nicht vollständig besetzen können und setze deshalb auf massive Angriffe.
Sorge vor größerer Angriffswelle
Kiew fordert angesichts der Luftangriffe zusätzliche Flugabwehr. Außenminister Andrij Sybiha erklärte, die Ukraine beantrage bei Partnerstaaten rund 300 Patriot-Abfangraketen. Nach ukrainischen Erkenntnissen verfügt Russland über etwa 600 ballistische Raketen und kann monatlich bis zu 140 weitere herstellen.
Die FAZ beschreibt die Entwicklung als Verlagerung des russischen Vorgehens: Da der Vormarsch an der Front stocke, rücke der Druck auf Städte, Energieanlagen und andere Ziele im Landesinneren stärker in den Mittelpunkt. Zudem werde auf russischer Seite an leistungsfähigeren Langstreckendrohnen gearbeitet. Die ukrainische Abwehr konnte demnach früher einen deutlich größeren Anteil solcher Angriffe stoppen als zuletzt im September.
An der Front bleibt die Lage im Osten festgefahren. Russland versucht weiter, ukrainische Kräfte zu binden, während Luftangriffe zugleich das zivile Leben in Städten treffen. Die Sperrungen in Kiew zeigen, wie stark einzelne Treffer den Alltag einer Großstadt beeinträchtigen können.
Hilfen und diplomatische Vorschläge
Parallel laufen Gespräche über begrenzte Waffenruhen. Sybiha nannte Vorschläge der USA, Indiens, der Türkei und Ägyptens. Sie betreffen Angriffe auf Energieinfrastruktur und den Schiffsverkehr im Schwarzen Meer. Die Ukraine sei bereit, über eine Kombination aus Energie- und Schwarzmeer-Waffenruhe zu sprechen.
Die blockierten Schwarzmeerhäfen belasten auch den Export ukrainischer Agrarprodukte. Landwirtschaftsminister Taras Wyssozkyj erklärte, im laufenden Wirtschaftsjahr könnten rund 30 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Wert von etwa 30 Milliarden US-Dollar nicht ausgeführt werden. Im September erreichten die Exporte nur 2,4 Millionen Tonnen und damit 46 Prozent der geplanten Menge.
Von der Europäischen Union erhält die Ukraine weitere Finanzhilfe über rund 2,9 Milliarden Euro. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, die Auszahlung solle die finanzielle Stabilität sichern und Investitionen für den Wiederaufbau unterstützen. Die Angriffe auf Kiews Brücken unterstreichen, dass militärische, wirtschaftliche und zivile Folgen des Krieges immer enger zusammenwirken.