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Stündlich aktualisiert

Politik · Krieg gegen die Ukraine

Russische Angriffe legen Stromversorgung in Ukraine lahm

Russland hat Energieanlagen in der Ukraine attackiert. Präsident Selenskyj meldet mindestens 600.000 Haushalte ohne Strom, zugleich wächst der Streit über Warnungen und Starlink.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Stromausfälle treffen nach Angriffen viele Haushalte in der Ukraine.
Symbolbild: Stromausfälle treffen nach Angriffen viele Haushalte in der Ukraine. KI-generiert

Russland hat die Ukraine in der Nacht zu Mittwoch erneut mit Raketen und Drohnen angegriffen und dabei vor allem Energieanlagen getroffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj meldete mindestens 600.000 Haushalte ohne Strom. Es gab Tote und Verletzte. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte Angriffe auf sieben Energieobjekte sowie auf ein Rechenzentrum und stellte die Ziele als militärisch genutzt dar.

Strom- und Wärmeanlagen getroffen

Nach ukrainischen Angaben setzte Russland 39 ballistische Raketen und mehr als 102 Drohnen ein. Selenskyj sprach von schweren Schäden an 26 Anlagen der Stromversorgung sowie an vier Objekten aus dem Öl- und Gasbereich. Betroffen waren demnach auch kritische Infrastruktur und Einrichtungen, die für Wärmeversorgung wichtig sind.

Moskau erklärte, getroffen worden seien unter anderem Heizkraftwerke in Kyjiw und in der Umgebung der Hauptstadt. Auch in Charkiw seien ein Heizkraftwerk und ein Wärmekraftwerk attackiert worden. Das russische Ministerium behauptete, diese Einrichtungen hätten ukrainische Streitkräfte versorgt. Das ebenfalls angegriffene Rechenzentrum in Kyjiw soll nach Darstellung Moskaus für die Sammlung von Geheimdienstinformationen über russische Truppen genutzt worden sein.

Die ukrainische Luftwaffe meldete, nur vier der 39 russischen Raketen abgefangen zu haben. Die Zahl zeigt, wie stark die ukrainische Flugabwehr unter Mangel an geeigneten Systemen leidet. Besonders ballistische Raketen gelten als schwer abzufangen. Selenskyj forderte deshalb erneut zusätzliche Patriot-Systeme, die gegen solche Angriffe eingesetzt werden können.

Zweifel an einer Energie-Waffenruhe

Die Angriffe verschärfen die Debatte über eine mögliche Feuerpause für Energieanlagen. US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag erklärt, Russland und die Ukraine hätten sich darauf verständigt, solche Ziele für eine unbestimmte Zeit nicht anzugreifen. Weder Moskau noch Kyjiw bestätigten eine solche Vereinbarung offiziell.

Selenskyj sagte in einem Interview mit dem US-Sender NPR, er habe erst über soziale Medien davon erfahren. Der Tagesspiegel berichtete zudem über seine scharfe Reaktion auf die jüngsten Attacken: Russland habe den USA gegenüber noch nie eine derartige „ostentative Respektlosigkeit“ gezeigt, erklärte der ukrainische Präsident. Er rief Washington zu harten Sanktionen gegen Moskau auf.

Trump reagierte am Dienstag in Washington auf den Vorwurf, Russland habe eine Vereinbarung gebrochen, zurückhaltend. Er sagte, er müsse sich das zunächst ansehen, denn es habe Verstöße auf beiden Seiten gegeben. Zugleich erklärte er, die USA arbeiteten weiter mit beiden Seiten daran, den Krieg zu beenden.

Streit um Warnungen und Starlink

Für die Ukraine kommt eine weitere Belastung hinzu. Selenskyj erklärte, es habe in zwei aufeinanderfolgenden Nächten keine Vorwarnung westlicher Partner vor Angriffen auf Kyjiw gegeben. Solche Informationen sind für die Luftabwehr wichtig, weil sie zusätzliche Minuten verschaffen können.

Parallel steht der Austausch von Geheimdienstinformationen zwischen Washington und Kyjiw erneut im Fokus. Trump sagte vor Journalisten: „Wir helfen ihnen und wir teilen Geheimdienstinformationen.“ Laut Selenskyj hatte die US-Regierung der Ukraine allerdings zuvor gedroht, diese Zusammenarbeit einzuschränken, falls ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien fortgesetzt würden. Die Warnung sei an ukrainische Generäle gegangen, nicht an ihn persönlich. Umgesetzt worden sei sie bisher nicht.

Auch Einschränkungen beim Satellitennetz Starlink erschwerten ukrainische Militäroperationen. Die von SpaceX betriebenen Terminals sind seit Beginn der russischen Invasion 2022 ein zentraler Bestandteil der Kommunikation ukrainischer Einheiten. Sie spielen zudem eine Rolle bei Drohnenoperationen über größere Distanzen in besetzten Gebieten im Süden und Osten der Ukraine.

Gegenschläge gegen Russland

Trotz der Belastungen führte die Ukraine ihrerseits Angriffe gegen russisches Gebiet aus. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte, 493 Drohnen seien in Richtung der Hauptstadtregion geflogen. 180 davon seien beim Anflug auf Moskau abgefangen worden, die übrigen größtenteils weiter entfernt. Der Tagesspiegel verwies darauf, dass diese russischen Angaben nicht unabhängig bestätigt sind.

In der russischen Oblast Saratow meldeten die Behörden nach einem ukrainischen Drohnenangriff einen Toten. In Balakowo an der Wolga seien außerdem Wohnhäuser beschädigt worden.

Die jüngsten Angriffe treffen die Ukraine in einer angespannten Phase. Energieanlagen gehören seit langem zu den wichtigsten Zielen russischer Angriffe, weil Ausfälle unmittelbar die Zivilbevölkerung treffen. Mit der Diskussion über Geheimdienstinformationen, Warnungen und Starlink rückt nun zusätzlich die Abhängigkeit Kyjiws von westlicher Unterstützung in den Vordergrund.