Politik · Verdacht auf Sabotage
Polen meldet Festnahmen nach Brand an Starlink-Anlage
Nach dem Brand an einer Starlink-Anlage in Zentralpolen hat Ministerpräsident Donald Tusk zwei Festnahmen in Deutschland bekanntgegeben. Bei den Verdächtigen handelt es sich um zwei türkische Staatsbürger, die deutsche Polizei nahm sie nach polnischen Angaben auf Ersuchen Warschaus fest. Ihnen wird vorgeworfen, die Anlage in der Region Masowien in Brand gesetzt zu haben. Tusk nannte den Fall auf der Plattform X einen „weiteren Akt hybrider Kriegsführung“.
Verdächtige in Deutschland gefasst
Die Festnahmen wurden am Montag in Warschau öffentlich gemacht. Nach Darstellung der polnischen Regierung stehen die Männer im Verdacht, Ende September an der Brandstiftung beteiligt gewesen zu sein. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf den polnischen Innenminister Marcin Kierwinski, die Verdächtigen sollten in Polen wegen Sabotage im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes angeklagt werden.
Das Feuer beschädigte die Anlage, zerstörte sie jedoch nicht vollständig. Laut polnischen Angaben war unter anderem die Stromversorgung betroffen, auch ein Notstromgenerator wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Einrichtung gehört dem staatlichen Telekommunikationsunternehmen Exatel. Sie ist Teil der Infrastruktur, über die Internetdaten durch Polen weitergeleitet werden, auch in Richtung Ukraine.
Die Station wird zudem von Systemen des US-Unternehmens SpaceX genutzt, die über Starlink-Terminals Internetverbindungen ermöglichen. Starlink ist das Satellitennetz von SpaceX und hat seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine große Bedeutung für militärische Kommunikation, Lageführung und Drohneneinsätze der ukrainischen Streitkräfte.
Warschau sieht russische Spur
Die polnische Regierung vermutet Russland hinter dem Vorfall. Der Deutschlandfunk berichtete, Polens Sicherheitskoordinator Tomasz Siemoniak habe erklärt, für ihn stehe Sabotage im Auftrag Russlands fest. Tusk ordnete den Brand in eine Reihe hybrider Angriffe ein, vor denen Polen seit Monaten warnt.
Bereits kurz nach dem Feuer hatte Digitalminister Krzysztof Gawkowski den Vorfall als gezielte Sabotage beschrieben. Nach Angaben, über die unter anderem tagesschau.de berichtete, sollte die Station offenbar außer Betrieb gesetzt werden. Gawkowski sagte damals, die Tat sei „absichtlich so konzipiert“ gewesen, dass die Einrichtung nicht mehr arbeiten könne. Durch das Feuer seien Verbindungen verschiedener Einrichtungen beeinträchtigt worden, darunter auch solche der ukrainischen Armee.
Polen ist als EU- und NATO-Mitglied ein zentraler Transitstaat für Unterstützung an die Ukraine. Über polnisches Gebiet laufen große Teile westlicher Militärhilfe und humanitärer Lieferungen. Vor diesem Hintergrund bewertet Warschau Angriffe auf kritische Infrastruktur besonders sensibel.
Starlink wichtig für die Ukraine
Starlink wurde der Ukraine nach dem Beginn der russischen Vollinvasion 2022 zur Verfügung gestellt. Elon Musk, Gründer und Chef von SpaceX, hatte den Dienst für die Ukraine freigeschaltet. Polen übernimmt nach eigenen Angaben die Kosten der ukrainischen Abonnements. Ukrainische Einheiten sind auf Zehntausende Terminals angewiesen, um auch in Frontnähe kommunizieren zu können.
Die betroffene polnische Anlage spielt deshalb nicht nur für nationale Kommunikationswege eine Rolle. Sie ist auch Teil eines Netzes, das Verbindungen in die Ukraine unterstützt. n-tv berichtete, die Station leite Internetdaten auch dorthin weiter. Dass sie durch den Brand nicht zerstört wurde, verhinderte offenbar größere Schäden an der Infrastruktur.
Hintergrund hybrider Angriffe
Polen wirft Russland seit 2022 wiederholt Sabotage und Einflussoperationen vor. Der Begriff hybride Kriegsführung umfasst Handlungen unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Angriffs, etwa Sabotage, Cyberangriffe, Desinformation oder den Einsatz von Mittelsleuten. Ziel ist es, Staaten zu destabilisieren oder ihre Unterstützung für die Ukraine zu erschweren.
Tusk hatte im September im polnischen Parlament vor solchen Angriffen gegen Unterstützerstaaten der Ukraine gewarnt. Dabei nannte er auch Polen als mögliches Ziel. Die nun gemeldeten Festnahmen in Deutschland verschärfen den politischen Blick auf den Brand an der Starlink-Anlage, weil Warschau den Fall nicht als gewöhnliche Brandstiftung behandelt, sondern als Teil eines sicherheitspolitischen Konflikts.