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Politik · US-Militärjustiz

Pentagon plant Livestream von Fort-Hood-Hinrichtung

Die USA wollen Nidal Hasan am 3. Dezember auf dem Militärstützpunkt Fort Hood erschießen lassen. Die Vollstreckung soll live übertragen werden.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leerer Flur in einem militärischen Justizgebäude steht für die Debatte über die geplante Hinrichtung in Fort Hood.
Symbolbild: Ein leerer Flur in einem militärischen Justizgebäude steht für die Debatte über die geplante Hinrichtung in Fort Hood. KI-generiert

Die US-Regierung plant die Hinrichtung des früheren Militärpsychiaters Nidal Hasan als öffentlich verfolgbares Ereignis. Hasan soll am 3. Dezember auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas von einem militärischen Erschießungskommando getötet werden. Ein Pentagon-Mitarbeiter bestätigte laut n-tv unter Berufung auf AFP, die Vollstreckung solle „live übertragen“ werden.

Hegseth begründet Öffentlichkeit mit Abschreckung

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte zuvor in einem am Donnerstag veröffentlichten Videointerview angekündigt, die Hinrichtung solle nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. Dem rechtskonservativen US-Sender Real America’s Voice sagte er laut Spiegel, Hasan erhalte „ein Erschießungskommando mit Soldaten“. Zudem erklärte Hegseth, die Bevölkerung solle die Vollstreckung sehen können. Als Begründung nannte er die abschreckende Wirkung und die Folgen schwerer Gewalttaten.

Mit der Ankündigung geht das Pentagon weit über eine herkömmliche Vollstreckung vor begrenztem Publikum hinaus. Üblicherweise sind Hinrichtungen in den USA nicht als breites Medienereignis angelegt. Die nun vorgesehene Übertragung macht den Fall auch über die Debatte um die Todesstrafe hinaus politisch brisant. Die Entscheidung fällt zudem in eine Phase, in der Hinrichtungsmethoden in den USA erneut kontrovers diskutiert werden.

US-Präsident Donald Trump hatte die Vollstreckung genehmigt. Wenige Tage zuvor war im Bundesstaat Tennessee ein Hinrichtungsversuch an der wegen Mordes verurteilten Christa Pike misslungen. Behördenangaben zufolge erhielt sie zweimal Pentobarbital, überlebte jedoch. Nach Auskunft ihrer Anwälte war sie später wieder bei Bewusstsein.

Angriff auf Soldaten im Jahr 2009

Hasan hatte 2009 auf dem Stützpunkt Fort Hood auf Soldaten geschossen. Dabei starben 13 Menschen, 32 weitere wurden verletzt. Er arbeitete damals als Militärpsychiater. 2013 verurteilte ihn ein Militärgericht zum Tod.

Nach Darstellung der „New York Times“, über die der Spiegel berichtet, stellte Hasan die Tat in einen dschihadistischen Zusammenhang. Außerdem habe er die Kriege der USA in Afghanistan und im Irak als rechtswidrig bezeichnet. Der Angriff ereignete sich in einer Zeit, in der die Vereinigten Staaten stark durch den Kampf gegen islamistischen Terror nach den Anschlägen vom 11. September 2001 geprägt waren.

US-Medien zufolge wurde Hasan in den Vereinigten Staaten als Sohn palästinensischer Eltern geboren. Vor der Tat soll er sich zunehmend radikalisiert haben. Bei dem Angriff wurde er selbst angeschossen und ist seitdem teilweise gelähmt.

Prozess ohne erkennbare Verteidigung

Im Verfahren übernahm Hasan nach Angaben von n-tv seine Verteidigung selbst. Er stellte keine Zeuginnen oder Zeugen vor, äußerte sich nicht in eigener Sache und versuchte nicht, die Vorwürfe zu entkräften. Pflichtverteidiger gingen demnach davon aus, dass er die Vollstreckung seiner Todesstrafe möglicherweise selbst anstrebte.

Während des Prozesses wurde keine Reue erkennbar. US-Medien berichteten, Hasan habe geäußert, er wäre bei dem Angriff lieber selbst gestorben, um als Märtyrer zu gelten. Im Militärjustizsystem der USA gehört er demnach zu einer sehr kleinen Gruppe von zum Tod verurteilten Gefangenen.

Historischer Einschnitt bei Hinrichtungen

Öffentlich vollzogene Erschießungen gab es in den USA vor allem im 19. Jahrhundert, unter anderem während des Bürgerkriegs. Damals sollten solche Strafen auch der Abschreckung dienen. Die letzte Hinrichtung durch ein Erschießungskommando des US-Militärs fand 1945 statt.

Die letzte allgemein öffentliche Hinrichtung in den Vereinigten Staaten datiert auf das Jahr 1936. In Kentucky wurde damals ein Mann vor einer großen Zuschauermenge gehängt. Der geplante Livestream der Fort-Hood-Hinrichtung würde die öffentliche Wahrnehmbarkeit einer staatlichen Tötung in den USA auf eine neue Stufe heben.