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Politik · Vatikan

Papst Leo XIV. telefoniert nach Lungen-OP mit Putin

Papst Leo XIV. hat aus der Gemelli-Klinik mit Wladimir Putin gesprochen. Nach seiner Lungenoperation forderte er eine Feuerpause für Oleschky in der Südukraine.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein Telefon in einem Krankenzimmer steht für die diplomatischen Gespräche des Papstes während seines Klinikaufenthalts.
Symbolbild: Ein Telefon in einem Krankenzimmer steht für die diplomatischen Gespräche des Papstes während seines Klinikaufenthalts. KI-generiert

Papst Leo XIV. hat wenige Tage nach einer Lungenoperation aus der römischen Gemelli-Klinik heraus mit Russlands Präsident Wladimir Putin telefoniert und ihn zu einer Feuerpause in Oleschky aufgefordert. Der 71-Jährige befindet sich seit Dienstag im Krankenhaus; die Tagesschau berichtet, der Eingriff stehe im Zusammenhang mit Lungenkrebs. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die humanitäre Lage in der ukrainischen Frontstadt in der Region Cherson.

Appell aus dem Krankenhaus

Der Vatikan erklärte, Leo XIV. habe gegenüber Putin große Sorge über die Situation der eingeschlossenen Zivilbevölkerung geäußert. Zugleich habe er erneut für Verhandlungen und Frieden im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geworben. Ein Waffenstillstand in der Region soll nach Darstellung des Heiligen Stuhls ermöglichen, dass Nahrung und Medikamente ankommen und Menschen den Ort sicher verlassen können.

Das Telefonat fand während des Klinikaufenthalts des Papstes statt. Zur Länge des Gesprächs machte der Vatikan keine Angaben. Der Spiegel schreibt, dem Papst sei ein bösartiger Tumor am rechten Lungenflügel entfernt worden. Der Gesundheitszustand des Pontifex rückt damit zusätzlich in den Fokus, weil er trotz der Operation diplomatisch aktiv bleibt.

Putin übermittelte nach Angaben des Kremls Genesungswünsche. Außerdem bedankte er sich für die Bereitschaft des Vatikans, bei humanitären Fragen und im Krieg zu vermitteln. Eine Zusage zu der geforderten Waffenruhe wurde nicht bekannt. Der Kreml machte stattdessen die Ukraine für die Lage in Oleschky verantwortlich und warf ihr vor, die Versorgung der Bevölkerung zu erschweren.

Oleschky seit Monaten isoliert

Oleschky liegt am südlichen Ufer des Dnipro im russisch kontrollierten Gebiet. Die ukrainisch gehaltene Gebietshauptstadt Cherson befindet sich nur wenige Kilometer entfernt, dazwischen verläuft die Front. Nach ukrainischen Angaben befinden sich noch rund 2.000 Menschen in der Stadt. Der Spiegel nennt darunter fast 50 Kinder.

Hilfsorganisationen warnen seit Längerem vor der Lage in der Kleinstadt. Der Ort ist seit Monaten abgeriegelt. Rund um Oleschky liegen nach jahrelangem Beschuss Minen, eine Flucht gilt als äußerst gefährlich. Nach Angaben der Vereinten Nationen, über die der Spiegel berichtet, schloss der letzte Laden bereits im Januar; seit Mai seien keine Lebensmittel mehr in den Ort gelangt.

Russland und die Ukraine werfen einander vor, Hilfslieferungen zu behindern. Moskau beschuldigt die ukrainische Armee, mit Drohnenangriffen Transporte nach Oleschky zu verhindern. Kiew macht Russland dafür verantwortlich, die Menschen in der Stadt festzuhalten und Versorgung sowie Evakuierung nicht zu ermöglichen.

Vatikan sucht weiter Einfluss

Der Heilige Stuhl bemüht sich seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine um eine diplomatische Rolle. Konkrete Vermittlungserfolge blieben bislang aus. Auch der Vatikan als möglicher Ort für Friedensgespräche wurde zeitweise ins Gespräch gebracht, Moskau lehnte dies jedoch ab.

Ende September hatte bereits Kardinal Matteo Zuppi, der Sondergesandte des Papstes für humanitäre Fragen im Krieg, bei einem Besuch in Moskau über Oleschky gesprochen. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dpa, Putin unterstütze nach Kremlangaben die Bemühungen des Vatikans um Sicherheit und Versorgung der Menschen in der Stadt. Ob daraus praktische Schritte folgen, blieb offen.

Für Leo XIV. verbindet sich der diplomatische Vorstoß mit einer ungewöhnlichen persönlichen Situation. Kurz nach der Lungenoperation führt er Gespräche auf höchster politischer Ebene. Damit sendet der Vatikan ein Signal, dass der Papst trotz medizinischer Behandlung handlungsfähig bleibt und die humanitären Fragen im Ukraine-Krieg weiter zur Priorität macht.