Politik · Koreanische Halbinsel
Nordkorea feuert erneut ballistische Rakete ab
Nordkorea hat am Samstagmorgen erneut eine ballistische Rakete in Richtung des Meeres östlich der koreanischen Halbinsel abgefeuert. Der Start erfolgte nach Angaben aus Seoul im Raum Wonsan an der Ostküste. Südkorea berief eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein, Japan gab eine Warnung an die Schifffahrt aus. Der Vorfall verschärft die Spannungen nach einem Minen-Zwischenfall in der Demilitarisierten Zone.
Start an der Ostküste
Das südkoreanische Militär registrierte den Abschuss aus dem Gebiet Wonsan. Die Rakete flog demnach in Richtung des Gewässers, das in Südkorea Ostmeer und international häufig Japanisches Meer genannt wird. Die japanische Küstenwache ging laut Deutschlandfunk davon aus, dass der Flugkörper ins Meer gefallen ist, und forderte Schiffe in der Region zur Vorsicht auf.
Das japanische Verteidigungsministerium kam nach Angaben von n-tv zu der Einschätzung, dass die Rakete wahrscheinlich außerhalb der ausschließlichen Wirtschaftszone Japans niederging. Hinweise auf Schäden wurden nicht gemeldet. Südkoreas Streitkräfte verstärkten ihre Überwachung, weil weitere Starts möglich sind. Zudem kündigte Seoul an, Erkenntnisse mit den USA und Japan abzugleichen.
Das US-Regionalkommando Pacom erklärte, es stehe wegen des Abschusses in engem Kontakt mit Verbündeten und Partnern. Eine unmittelbare Gefahr für US-Personal, amerikanisches Gebiet oder die Verbündeten sah das Kommando demnach zunächst nicht.
Seoul berät im Sicherheitsrat
Südkoreas Präsidialamt reagierte mit einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates. Der Raketenstart fällt in eine Phase erhöhter Spannungen an der innerkoreanischen Grenze. Kurz zuvor hatte Kim Yo Jong, die einflussreiche Schwester von Machthaber Kim Jong Un, eine Forderung Südkoreas nach einer Entschuldigung zurückgewiesen.
Dabei geht es um den mutmaßlichen Einsatz nordkoreanischer Minen in der Demilitarisierten Zone. Zu den Verletzten gibt es unterschiedliche Angaben: n-tv und Deutschlandfunk berichten von zwei schwer verletzten südkoreanischen Soldaten bei einem Aufklärungseinsatz. Die FAZ nennt drei südkoreanische Offiziere, die am 21. September bei einer Explosion im Grenzgebiet schwer verletzt worden seien.
Seoul macht Nordkorea für den Vorfall verantwortlich. Südkoreanische Militärkreise gehen laut FAZ davon aus, dass nordkoreanische Landminen die Explosion sehr wahrscheinlich ausgelöst haben. Verteidigungsminister Kang Shin-chul sprach von einem Bruch des Waffenstillstandsabkommens und kündigte Gegenmaßnahmen an. Nordkorea weist die Vorwürfe zurück.
Verminte Grenze, offene Feindschaft
Die Demilitarisierte Zone trennt Nord- und Südkorea seit dem Ende der Kampfhandlungen im Koreakrieg. Der Krieg endete 1953 nicht mit einem Friedensvertrag, sondern nur mit einem Waffenstillstand. Formal befinden sich beide Staaten damit weiterhin im Kriegszustand. Das Grenzgebiet ist rund vier Kilometer breit, schwer befestigt und stark vermint.
Pjöngjang hat seine Linie gegenüber Seoul in den vergangenen Jahren weiter verschärft. Nordkorea hat das Ziel einer Wiedervereinigung offiziell aufgegeben und bezeichnet Südkorea als Hauptfeind. Der neue Raketentest reiht sich in eine Serie militärischer Machtdemonstrationen ein. Zuletzt hatte Nordkorea am 20. September mindestens eine ballistische Rakete in Richtung des Meeres östlich der Halbinsel abgefeuert.
Ballistische Raketen und andere Waffensysteme testet das Land regelmäßig. Nach Einschätzung von Fachleuten dienen solche Starts dazu, technische Fähigkeiten auszubauen und Stärke nach außen zu zeigen. Mehrere Resolutionen des UN-Sicherheitsrates untersagen Nordkorea grundsätzlich den Einsatz ballistischer Raketentechnologie.