Politik · Friedensnobelpreis 2026
Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis
Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an Navanethem „Navi“ Pillay. Das norwegische Nobelkomitee gab die Entscheidung am Freitag in Oslo bekannt. Die 85 Jahre alte südafrikanische Juristin wird für ihren Beitrag zu Frieden, Menschenrechten und Völkerrecht geehrt. Im Zentrum der Begründung steht ihr Einsatz dafür, schwere internationale Verbrechen juristisch zu verfolgen.
Ehrung für Völkerrecht und Menschenrechte
Der Vorsitzende des Nobelkomitees, Jørgen Watne Frydnes, begründete die Wahl mit Pillays langjähriger Arbeit für eine internationale Rechtsordnung. Tagesschau.de berichtete aus der Bekanntgabe, Frydnes habe Pillay als eine der bedeutenden Rechtsexpertinnen der Gegenwart eingeordnet. Das Komitee hob hervor, dass sie entscheidend dazu beigetragen habe, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord vor Gericht zu bringen.
Pillay wurde in Südafrika geboren und hat indische Wurzeln. Ihre juristische Laufbahn begann sie während der Apartheid. Seit den 1960er-Jahren arbeitete sie als Anwältin. Sie verteidigte Anti-Apartheid-Aktivisten, darunter Nelson Mandela, und setzte sich gegen Folter ein. Später wechselte sie in die internationale Strafjustiz, wo sie an Verfahren beteiligt war, die für die Aufarbeitung schwerster Verbrechen zentral wurden.
Laufbahn an internationalen Gerichten
1995 wurde Pillay an ein oberes Gericht in Südafrika berufen. Danach war sie am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda tätig, zeitweise auch als Vorsitzende des Tribunals. Von 2003 bis 2008 arbeitete sie als Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Anschließend übernahm sie von 2008 bis 2014 das Amt der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.
Eine weitere prominente Aufgabe folgte bei den Vereinten Nationen: Von 2021 bis 2025 leitete Pillay die unabhängige internationale UN-Untersuchungskommission zu den besetzten palästinensischen Gebieten. Im September 2025 legte die Kommission einen Bericht vor, in dem Israel Völkermord in Gaza vorgeworfen wurde.
Das Nobelkomitee stellte Pillays Auszeichnung auch in einen größeren politischen Zusammenhang. Es verwies auf zahlreiche bewaffnete Konflikte sowie auf den Druck, dem internationale Gerichte und Richterinnen und Richter ausgesetzt seien. Für eine friedliche Ordnung brauche es Institutionen, die Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen und Betroffenen Gerechtigkeit ermöglichen.
Reaktionen von UN und Amnesty
Die Vereinten Nationen begrüßten die Entscheidung. Der Tagesspiegel berichtete unter Berufung auf dpa, eine Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros habe die Auszeichnung als starkes Zeichen für den weltweiten Menschenrechtsschutz bezeichnet. Sie sagte, der Preis unterstreiche „die Notwendigkeit und den Wert der Menschenrechte - heute mehr denn je“.
Auch Amnesty International wertete die Entscheidung positiv. Generalsekretärin Julia Duchrow erklärte laut tagesschau.de, Pillay habe Verbrechen benannt, unabhängig davon, von wem sie begangen worden seien. Sie kritisierte zugleich Regierungen, die das Völkerrecht nur selektiv verteidigten.
Der Friedensnobelpreis ist mit zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert. Das entspricht etwas mehr als einer Million Euro. Für die diesjährige Auszeichnung standen 287 Kandidatinnen und Kandidaten zur Auswahl. Vorschläge dürfen unter anderem Regierungsmitglieder, frühere Preisträgerinnen und Preisträger, Staatsoberhäupter sowie Hochschullehrende einreichen.
Verleihung im Dezember
Die Preisverleihung findet am 10. Dezember statt, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Anders als die meisten Nobelpreise wird der Friedensnobelpreis nicht in Stockholm überreicht, sondern traditionell in Oslo. Diese Praxis gilt seit der ersten Vergabe der Nobelpreise im Jahr 1901.
Seit Beginn der Nobelwoche wurden bereits Preisträgerinnen und Preisträger in Medizin, Physik, Chemie und Literatur bekanntgegeben. ZDFheute nannte unter anderem die Kanadierin Anne Carson als diesjährige Literaturpreisträgerin sowie die deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel unter den Ausgezeichneten in der Medizin. Am Montag folgt noch der Preis für Wirtschaftswissenschaften, der im Gedenken an Alfred Nobel vergeben wird, aber nicht auf dessen Testament zurückgeht.