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Stündlich aktualisiert

Politik · Reformkurs der Union

Merz drängt auf schnelle Sozialreformen

Bundeskanzler Friedrich Merz fordert auf dem Deutschlandtag der Jungen Union Tempo bei Reformen. In der CDU wächst zugleich der Druck auf die Bundesregierung.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Ein leerer Sitzungssaal steht für die aktuellen Reformdebatten in der Bundespolitik.
Symbolbild: Ein leerer Sitzungssaal steht für die aktuellen Reformdebatten in der Bundespolitik. KI-generiert

Bundeskanzler Friedrich Merz verschärft seinen Reformkurs und dringt auf schnelle Entscheidungen in der Sozialpolitik. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Bonn machte der CDU-Politiker deutlich, dass die Union nur mit sichtbaren Veränderungen Vertrauen zurückgewinnen könne. Im Zentrum stehen Renten, Krankenversicherung, Pflege und Arbeitsmarkt. Zugleich wächst in der Nachwuchsorganisation der Druck auf die Parteiführung, weniger Ankündigungen zu machen und mehr Beschlüsse umzusetzen.

Merz warnt vor Wahlrisiken

Merz verband seine Rede vor der Jungen Union mit einer klaren Warnung an die eigene Partei. Wenn die Bundesregierung nicht belegen könne, dass die Wirtschaft wieder dauerhaft wachse und die sozialen Sicherungssysteme tragfähig umgebaut würden, sehe er schlechte Aussichten für die nächste Wahl. Merz räumte ein, dass die Reformdebatten die CDU und das Land belasteten.

Der Kanzler stellte die Auseinandersetzungen dennoch als notwendig dar. Erst wenn die Vorhaben abgeschlossen seien, könne wieder mehr politische Ruhe entstehen. Dabei nannte er ausdrücklich Änderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung, in der Pflege und am Arbeitsmarkt. Auch die Rentenpolitik bleibt Teil des Kurses. Merz bekräftigte, das Kabinett solle noch in diesem Jahr einen Beschluss zur Rentenreform fassen.

In der Rentenfrage verwies Merz auf die Empfehlungen der eingesetzten Kommission. Er sagte: „Ich möchte, dass wir die Reformvorschläge der Rentenkommission so umsetzen, wie sie auf dem Tisch liegen.“ Damit stellt sich der Kanzler gegen Versuche, zentrale Teile des Pakets erneut grundlegend zu öffnen.

Junge Union verlangt mehr Konsequenz

Die Junge Union tritt beim Deutschlandtag mit deutlich formulierten Erwartungen an die Bundesregierung auf. Der nordrhein-westfälische JU-Landesvorsitzende Kevin Gniosdorz verlangte von Merz Strukturreformen. Deutschland müsse sich von der Politik lösen, Probleme vor allem mit zusätzlichen Ausgaben zu beantworten. Gniosdorz sagte, Vertrauen entstehe nicht durch Ankündigungen, sondern durch Handeln.

Die Unzufriedenheit in der Jugendorganisation richtet sich nicht nur auf einzelne Reformvorhaben, sondern auf den Stil der Regierungsarbeit. JU-Chef Johannes Winkel sprach von Resignation bei vielen Mitgliedern. Er wurde am späten Freitagabend mit gut 94 Prozent erneut an die Spitze der Jungen Union gewählt. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Für Winkel ist es wegen der Altersgrenze die letzte Amtszeit. Die Junge Union zählt etwa 90.000 Mitglieder und ist die Jugendorganisation von CDU und CSU.

Ein Versuch der CDU-Spitze, mit einer Präsidiumsklausur und einem Forderungspapier neuen Schwung zu erzeugen, überzeugte die Nachwuchsorganisation demnach nicht. Die Junge Union fordert vor allem mehr Verlässlichkeit bei der Umsetzung bereits angekündigter Schritte.

Streit um Tempo und Zusammenarbeit

Auch innerhalb der Union wird über Verfahren und Tempo gestritten. Unionsfraktionschef Thorsten Frei warnte davor, das Rentenpaket neu aufzuschnüren. Der Koalitionsausschuss habe seine Entscheidung bereits vor dreieinhalb Monaten getroffen. Frei geht davon aus, dass im Arbeitsministerium schon umfangreiche Vorarbeiten für den Gesetzentwurf existieren. Der neue Arbeitsminister Alexander Schweitzer von der SPD könne diese aus seiner Sicht rasch vorlegen.

Frei ließ Spielraum für kleinere Änderungen, stellte aber das Ziel der Union heraus: Die Reform solle möglichst schnell durch den Bundestag kommen. Arbeitsminister Schweitzer wiederum sieht weiterhin Bedarf für einen Kompromiss bei der „Rente mit 63“. Daneben verlangt die SPD-Fraktion Bewegung der Union bei der Plastiksteuer, während aus der Union Änderungen bei einer Zuckersteuer gefordert werden.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst mahnte die schwarz-rote Koalition zu weniger öffentlicher Konfrontation. Dauerstreit und anschließende Erwartung schneller Fortschritte passten aus seiner Sicht nicht zusammen. Wüst forderte mehr Zusammenarbeit und verwies auf seine Landesregierung mit den Grünen, in der strittige Fragen hinter verschlossenen Türen besprochen würden.

Reformdruck prägt die CDU-Debatte

Der Deutschlandtag zeigt, wie stark die CDU ihre Regierungsfähigkeit an Strukturreformen bindet. Merz setzt darauf, dass tiefgreifende Änderungen bei Sozialstaat und Arbeitsmarkt wirtschaftliche Dynamik schaffen und die Partei stabilisieren. Gleichzeitig zeigen die Reaktionen aus der Jungen Union, dass die Geduld mit internen Streitigkeiten begrenzt ist.

Neben der Sozialpolitik setzte die Veranstaltung auch Akzente bei Digitalisierung und Innovation. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger warb in Bonn für mehr Zuversicht im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. KI werde Berufe und Wettbewerb verändern, biete aber auch Chancen. Der Leitantrag der Jungen Union befasst sich mit Anwendungen von Künstlicher Intelligenz in Deutschland. Für Merz bleibt jedoch die Reform der sozialen Sicherungssysteme der zentrale Prüfstein seines Kurses.