Zum Inhalt springen
Stündlich aktualisiert

Politik · Krieg gegen Ukraine

Kiew warnt vor Lücken in der US-Hilfe

Die Ukraine sieht ihre Verteidigung durch weniger US-Daten und Probleme bei Satellitendiensten geschwächt. Zugleich setzt Russland Angriffe auf Energieanlagen fort.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Satellitenkommunikation und Stromversorgung stehen im Ukrainekrieg besonders im Fokus.
Symbolbild: Satellitenkommunikation und Stromversorgung stehen im Ukrainekrieg besonders im Fokus. KI-generiert

Die Ukraine sieht ihre militärische Handlungsfähigkeit durch ausbleibende US-Informationen und Einschränkungen bei Satellitendiensten deutlich geschwächt. Botschafter Oleksii Makeiev sagte im Deutschlandfunk, Warnungen vor russischen Raketen und Drohnen kämen später an, weil Aufklärungsdaten fehlten. Parallel meldet Kiew neue russische Angriffe auf die Energieversorgung, während die Ukraine Attacken auf russische Raffinerien wieder aufgenommen hat.

Warnungen erreichen Kiew später

Makeiev beschrieb die Lage als ernst für die ukrainischen Streitkräfte. Wenn Daten zur Aufklärung nicht wie gewohnt verfügbar seien, sinke die Fähigkeit, Angriffe rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren. Für die Ukraine ist das besonders kritisch, weil Russland seit Langem Raketen und Drohnen gegen Städte, Kraftwerke und weitere Infrastruktur einsetzt.

Der Botschafter äußerte zugleich die Hoffnung, dass die USA ihre bisherige Linie nicht grundsätzlich ändern. Washington dürfe sich nicht auf die Seite autoritärer Kräfte bewegen, sagte er sinngemäß. Er stellte die westliche Unterstützung als entscheidend für das Überleben seines Landes dar. Damit rückt erneut die Frage in den Vordergrund, wie belastbar die militärische Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten bleibt.

Auch Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte laut FAZ-Liveblog, dass die US-Geheimdienste trotz schwerer russischer Angriffe offenbar keine gewohnten Frühwarnungen mehr lieferten. Selenskyj schilderte, die Ukraine habe auf Wunsch Washingtons Angriffe auf russische Energieanlagen zeitweise ausgesetzt. Russland habe in dieser Phase jedoch weiter ukrainische Energieziele beschossen.

Streit um Starlink und Starshield

Neben Geheimdienstinformationen stehen Satellitendienste im Mittelpunkt. Für ukrainische Einheiten sind stabile Verbindungen an der Front wichtig, etwa für Kommunikation, Lagebilder und Operationen über größere Entfernungen. Wenn solche Dienste nur eingeschränkt funktionieren, wirkt sich das direkt auf militärische Abläufe aus.

Elon Musk wies nach Angaben des Deutschlandfunks die Verantwortung für eine Drosselung von Starlink zurück. Er verwies demnach darauf, dass die militärische Variante Starshield von den Streitkräften und letztlich vom Oberbefehlshaber, US-Präsident Donald Trump, kontrolliert werde. Damit verlagert sich die politische Verantwortung aus Sicht Musks auf staatliche Stellen in den USA.

Die Angaben zur aktuellen Funktionsfähigkeit sind nicht einheitlich. Während ukrainische Stimmen Einschränkungen beklagen, wurde im FAZ-Liveblog zugleich ein Bericht aufgegriffen, wonach Starshield in der Ukraine wieder ohne Begrenzung arbeite. Für Kiew bleibt dennoch das Grundproblem bestehen: Je stärker Kommunikation, Satellitenbilder und Warnsysteme von amerikanischen Entscheidungen abhängen, desto größer wird die Verwundbarkeit im Kriegsverlauf.

Ukraine greift Raffinerie in Russland an

In der Nacht auf Donnerstag traf ein Drohnenangriff die Raffinerie von Rjasan, rund 180 Kilometer südöstlich von Moskau. Regionalchef Pawel Malkow teilte mit, auf dem Gelände sei ein Feuer ausgebrochen. In einem weiteren Betrieb seien ein Lager sowie Fahrzeuge beschädigt worden. Verletzte wurden nicht gemeldet. In einem nahe gelegenen Bezirk blieben Schulen und Kindergärten geschlossen.

Der Angriff folgte auf Selenskyjs Ankündigung, Attacken auf russische Raffinerien wieder aufzunehmen. Kiew reagiert damit auf russische Schläge gegen die eigene Energieversorgung. Moskau hatte nach Darstellung aus Kiew während der ukrainischen Pause weiter Anlagen in der Ukraine bombardiert, darunter Heizkraftwerke im Raum Kiew.

Die Energieinfrastruktur bleibt damit ein zentraler Kriegsschauplatz. Russland versucht, die ukrainische Versorgung zu schwächen. Die Ukraine zielt im Gegenzug auf russische Ölverarbeitung und damit auf einen wirtschaftlich und militärisch wichtigen Sektor.

Wachsende Abhängigkeit von den USA

Der Spiegel beschreibt die ukrainische Verteidigung als stark abhängig von US-Satelliten, Geheimdienstinformationen und Diensten wie Starlink. Demnach haben die Ukraine und europäische Partner in manchen Bereichen aufgeholt, bleiben aber an anderer Stelle hinter den amerikanischen Fähigkeiten zurück.

Diese Abhängigkeit bekommt nun politisches Gewicht. Wenn Washington Informationen reduziert oder technische Systeme eingeschränkt werden, trifft das Kiew nicht nur diplomatisch, sondern unmittelbar militärisch. Die Ukraine versucht, ihre Verteidigung fortzuführen und zugleich das Verhältnis zu den USA zu stabilisieren. Selenskyj betonte, die Partnerschaft mit Washington bleibe für den Abwehrkampf gegen Russland unverzichtbar.