Politik · Ukraine-Diplomatie
Kiew verhandelt in den USA über möglichen Kriegsplan
Eine ukrainische Delegation ist zu Gesprächen in die USA gereist, um am Freitag und Samstag mit Vertretern von US-Präsident Donald Trump über einen möglichen Plan zur Beendigung des russischen Angriffskriegs zu beraten. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte Gespräche mit Jared Kushner und Steve Witkoff an. Das Weiße Haus bestätigte für Freitag ein Treffen, bei dem ein neuer, abgestimmter Ansatz für eine Beilegung des Konflikts behandelt werden soll.
Treffen mit US-Unterhändlern
Nach Angaben Selenskyjs sollen die Beratungen zwei Tage dauern. Auf ukrainischer Seite sollen unter anderem Kyrylo Budanow und Rustem Umjerow teilnehmen. Zusätzlich werden Vertreterinnen und Vertreter aus Europa erwartet. Laut ZDF sollen nationale Sicherheitsberater der E3-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien dabei sein, außerdem Repräsentanten der Europäischen Union und der Nato.
Im Zentrum steht ein Vorschlag, den Washington mit Blick auf ein mögliches Kriegsende vorantreibt. Ein hochrangiger US-Regierungsbeamter erklärte, Witkoff und Kushner würden mit ukrainischen Vertretern über einen umfassenden, abgestimmten Entwurf sprechen, der auf ein Ende des Krieges ziele. Die USA sehen demnach angesichts des nahenden Winters und der angespannten Energieversorgung einen möglichen Anlass, diplomatische Bemühungen wieder stärker voranzutreiben.
Der bei Axios tätige Journalist Barak Ravid berichtete nach Angaben des ZDF unter Berufung auf eine US-Quelle, das Treffen solle in Miami stattfinden. Inhaltlich gehe es dabei auch um Sicherheitsgarantien für die Ukraine und um wirtschaftliche Perspektiven für die Zeit nach einem möglichen Kriegsende. Diese Punkte seien in jüngsten Gesprächen amerikanischer Unterhändler mit ukrainischer und russischer Seite entwickelt worden.
Selenskyj widerspricht Rubio
Parallel zu den Verhandlungen verschärft Kiew den Ton gegenüber Washington. US-Außenminister Marco Rubio hatte bei einem Besuch in Lissabon den Krieg als festgefahren beschrieben und zugleich betont, die Vereinigten Staaten arbeiteten weiter an einer Lösung. In einem Interview mit der griechischen Zeitung „Kathimerini“ äußerte er sich skeptisch zu kurzfristigen Chancen auf eine Verhandlungslösung.
Selenskyj wies diese Darstellung zurück. Bei einer Pressekonferenz in Pryluky mit dem britischen Außenminister Ed Miliband sagte er laut ZDF: „Wir befinden uns nicht in einer diplomatischen Sackgasse.“ Zugleich forderte er weitere Schritte gegen Russland. Die russische Wirtschaft müsse blockiert, Moskaus Einfluss eingeschränkt und die Waffenproduktion durch Sanktionen getroffen werden.
Das Handelsblatt berichtete über eine deutlich schärfere Kritik Selenskyjs an den USA. Der ukrainische Präsident warf Washington demnach vor, seinem Land nicht ausreichend helfen zu wollen, und sagte mit Blick auf Rubios Äußerungen: „Das nennt man Unwillen!“ Zudem verlangte er, der Ukraine Zugang zum Satellitennetz Starlink zu geben. Damit könne Kiew aus seiner Sicht den Luftraum besser verteidigen und russische Abschussanlagen wirksamer bekämpfen.
Druck durch Angriffe und Winter
Selenskyj trat in Pryluky auf, rund 130 Kilometer östlich von Kiew. Dort waren zuletzt 22 Menschen bei einem russischen Angriff auf ein Wohnhaus ums Leben gekommen. Nach seinen Angaben wurden innerhalb von zwei Tagen durch russische Angriffe insgesamt 78 Menschen auf ukrainischer Seite getötet und 225 verletzt.
Die Gespräche in den USA finden damit in einer Phase statt, in der militärischer Druck, Energiefragen und diplomatische Initiativen zusammenkommen. Washington versucht, ukrainische, europäische und eigene Vorstellungen in einen neuen Vorschlag einzubinden. Für Kiew sind dabei Sicherheitszusagen zentral, weil jede mögliche Einigung mit Russland aus ukrainischer Sicht Schutz vor neuen Angriffen bieten müsste.
Ob die Gespräche zu konkreten Vereinbarungen führen, bleibt offen. Politisch wichtig ist bereits der Rahmen: Trumps Unterhändler sprechen direkt mit der ukrainischen Delegation, während europäische Staaten, EU und Nato einbezogen werden. Zugleich zeigt Selenskyjs Kritik, dass Kiew von den USA nicht nur Diplomatie, sondern auch zusätzliche praktische Unterstützung erwartet.