Politik · Jahrestag in Nahost
Israel und Deutschland gedenken der Opfer des 7. Oktober
Drei Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel haben in Israel und Deutschland Gedenkveranstaltungen begonnen. In Jerusalem erinnerte Präsident Izchak Herzog am Mittwochmorgen an die Opfer, in Berlin standen unter anderem eine Installation am Brandenburger Tor und ein Gottesdienst im Mittelpunkt. Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte die deutsche Unterstützung für Israel. Zugleich demonstrierten in Israel Menschen für eine staatliche Untersuchung der Versäumnisse vor dem 7. Oktober 2023.
Gedenken in Israel und Berlin
Der Angriff begann am 7. Oktober 2023 am frühen Morgen. Hamas-Terroristen töteten rund 1.200 Menschen, 251 weitere wurden in den Gazastreifen verschleppt. Herzog entzündete am Mittwoch um 6.29 Uhr Ortszeit in seiner Jerusalemer Residenz eine Kerze. Dieser Zeitpunkt markiert den Beginn des Überfalls vor drei Jahren.
An vielen Orten in Israel versammelten sich Angehörige und Überlebende. Auch auf dem Gelände des Nova-Musikfestivals nahe dem Kibbuz Reim kamen Menschen zusammen. Dort waren bei dem Angriff zahlreiche Besucherinnen und Besucher getötet worden. Für den Abend war in Tel Aviv eine zentrale Gedenkfeier in einem Park vorgesehen. Nach Angaben des israelischen Radios wurden dort rund 50.000 Teilnehmende erwartet, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa berichtete.
Auch in Berlin wurde an die Opfer erinnert. Der Tagesspiegel berichtete über mehrere Veranstaltungen in der Hauptstadt. Spitzen von Grünen, Linken und SPD besuchten demnach eine Installation am Brandenburger Tor. Zudem war ein Gottesdienst geplant. Parallel waren antiisraelische und propalästinensische Demonstrationen angekündigt, die sich gegen Israels Krieg im Gazastreifen richten.
Merz betont Solidarität mit Israel
Bundeskanzler Merz erklärte, Deutschland bleibe an Israels Seite. „Unsere israelischen Freunde können auf unseren Einsatz zählen, damit sich ein solches Verbrechen niemals wiederholt“, sagte der CDU-Politiker laut einer Mitteilung. Die Sicherheit und Existenz Israels seien eine Folgerung aus der Schoah und Teil deutscher Identität.
Auch die Spitze der Europäischen Union äußerte Solidarität. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf X, die EU stehe den Menschen bei, deren Leben durch den 7. Oktober dauerhaft verändert worden sei. Sie verband dies mit dem Ziel, aus dem fragilen Waffenstillstand einen dauerhaften Frieden zu entwickeln. Grundlage dafür soll nach ihrer Darstellung eine Zwei-Staaten-Lösung sein.
Die ARD-Korrespondentin Bettina Meier sagte in der Tagesschau mit Blick auf Israel, das „Trauma sitzt unglaublich tief“. Der Jahrestag ist dort nicht nur ein Tag des Erinnerns, sondern fällt auch in eine politisch angespannte Phase.
Forderungen nach Aufarbeitung
In mehreren israelischen Städten gingen Menschen auf die Straße, um eine staatliche Untersuchungskommission zu verlangen. Sie wollen geklärt sehen, wie der Angriff möglich war und welche Fehler Sicherheitsbehörden und politische Führung machten. Proteste gab es unter anderem vor der Residenz von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie vor der Knesset in Jerusalem. Bei Tel Aviv blockierten Demonstrierende nach Medienberichten zeitweise eine Stadtautobahn.
Netanjahu steht seit dem Angriff unter starkem innenpolitischem Druck. Kritikerinnen und Kritiker werfen ihm und seiner Koalition vor, keine persönliche Verantwortung für das politische und militärische Versagen übernommen zu haben. In drei Wochen wählt Israel erstmals seit dem Massaker ein neues Parlament. Umfragen sehen weder Netanjahus Lager noch seine Gegner klar vor einer absoluten Mehrheit.
Krieg prägt die Lage weiter
Der Hamas-Überfall löste den Krieg im Gazastreifen aus. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden dort seitdem mehr als 74.000 Palästinenserinnen und Palästinenser getötet. Die Behörde trennt in ihren Zahlen nicht zwischen Zivilpersonen und Kämpfern.
Israels Armee hat nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren etwa 100.000 Ziele in der Region angegriffen. Rund 65.000 davon lagen demnach im Gazastreifen, weitere im Libanon, in Syrien und im Iran. Das israelische Radio meldete unter Berufung auf das Militär außerdem, 970 israelische Soldaten seien in diesem Zeitraum im Dienst getötet worden.
Der dritte Jahrestag verbindet damit Trauer, politische Verantwortung und die Frage nach Sicherheit. In Israel steht die Aufarbeitung des 7. Oktober im Zentrum der Debatte. In Deutschland prägt der Jahrestag erneut die Diskussion über Solidarität mit Israel, jüdisches Leben und den Umgang mit Protesten zum Nahostkrieg.