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Stündlich aktualisiert

Politik · Nahost-Konflikt im Fußball

Irlands Pressekonferenz vor Israel-Spiel endet abrupt

Vor dem Nations-League-Spiel zwischen Irland und Israel ist eine Medienrunde eskaliert. Politische Vorwürfe und Spannungen um den Gaza-Krieg prägen das Duell.

Presseonline-Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Symbolbild: Eine leere Pressekonferenz vor einem Fußballspiel steht für die angespannte Lage rund um das Duell zwischen Irland und Israel.
Symbolbild: Eine leere Pressekonferenz vor einem Fußballspiel steht für die angespannte Lage rund um das Duell zwischen Irland und Israel. KI-generiert

Vor dem Nations-League-Spiel zwischen Irland und Israel ist die Pressekonferenz des irischen Nationaltrainers Heimir Hallgrimsson am Samstag vorzeitig beendet worden. Auslöser waren politische Fragen und schwere Vorwürfe israelischer Reporter gegen die irische Delegation. Das Spiel am Sonntagabend steht seit Wochen im Schatten des Gaza-Krieges und diplomatischer Spannungen zwischen beiden Ländern.

Vorwürfe in der Medienrunde

Hallgrimsson stellte sich am Samstag den Fragen vor dem zweiten Aufeinandertreffen beider Teams. Nach Darstellung der Sportschau wurde der Trainer zunächst zu einem mutmaßlichen Angriff auf den Piloten einer Flydubai-Maschine befragt. An Bord des Flugzeugs von Dubai nach Israel waren demnach 174 Menschen. Der Vorfall ereignete sich am Mittwoch; die Maschine landete später sicher.

Ein israelischer Journalist verband die Frage mit dem Vorwurf, die irische Seite unterstütze Menschen mit einer mörderischen Ideologie. Der irische Kommunikationschef Kieran Crowley griff ein und erklärte, solche Fragen würden nicht zugelassen. Kurz darauf erhob ein weiterer Reporter den Vorwurf, irische Spieler hätten israelische Nationalspieler während des Spiels rassistisch beleidigt. Crowley wies dies laut Welt mit den Worten „Das ist völlig unwahr“ zurück und beendete die Runde.

Nach dem Abbruch wurde eine weitere Medienrunde nur für irische Journalistinnen und Journalisten angesetzt. Welt und Tagesspiegel berichteten unter Berufung auf irische Medien, diese Veranstaltung sei verlegt worden, als ein Vertreter des israelischen Rundfunks teilnehmen wollte. Hallgrimsson äußerte sich später nicht näher zu den Details. Er sagte, er werde nicht im Einzelnen wiedergeben, was gesagt worden sei. Die Vorgänge sollten intern und anschließend von der UEFA geprüft werden.

Sportliches Duell unter politischem Druck

Schon das erste Spiel zwischen beiden Mannschaften war von Protesten begleitet. Irland gewann am vergangenen Montag mit 3:0. Die Partie wurde nicht in Israel ausgetragen, sondern auf neutralem Boden im ungarischen Debrecen. Auch das Rückspiel findet nicht in Irland statt. Für den Austragungsort gibt es unterschiedliche Angaben: Sportschau und n-tv nennen Backa Topola in Serbien, während dpa-Berichte bei Welt und Tagesspiegel Belgrad angeben.

Beim Hinspiel verzichteten beide Teams auf sonst übliche Gesten vor und nach der Partie. Die irische Mannschaft trug schwarze Armbinden. Damit sollte der Menschen gedacht werden, die in dem Konflikt ihr Leben verloren haben. Während der israelischen Hymne senkten irische Spieler ihre Köpfe. Der irische Ersatztorwart Gavin Bazunu boykottierte die Begegnung und steht auch am Sonntag nicht zur Verfügung.

Israels Außenminister Gideon Saar kritisierte das Verhalten Irlands scharf. Er warf Dublin vor, auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen. Auch der israelische Fußballverband reagierte auf frühere Aussagen Hallgrimssons mit deutlicher Kritik. Der Trainer hatte vor dem ersten Spiel den Gaza-Krieg zum Thema gemacht und erklärt, sein Team spiele gegen Israel und gegen Völkermord. Irlands Premierminister Micheal Martin stellte sich anschließend hinter den Nationaltrainer.

Irlands Haltung zu Israel und Palästina

Die Spannungen rund um die Begegnungen stehen in engem Zusammenhang mit der irischen Nahost-Politik. In Irland gab es seit der Auslosung Proteste gegen Spiele mit Israel. Die Regierung in Dublin gehört in Europa zu den schärferen Kritikern des israelischen Vorgehens im Gazastreifen. Zugleich betont Irland das Existenzrecht Israels. Im Jahr 2024 erkannte Dublin den Staat Palästina offiziell an.

Der Gaza-Krieg begann nach dem Angriff der Hamas und anderer extremistischer Gruppen auf Israel am 7. Oktober 2023. Dabei wurden nach Angaben aus den dpa-Berichten rund 1.200 Menschen in Israel getötet, mehr als 250 weitere wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seitdem starben nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 74.000 Palästinenser. Seit Oktober 2025 gilt eigentlich eine Waffenruhe, dennoch kommt es weiter zu tödlichen Angriffen.

Das Nations-League-Spiel ist damit weit mehr als ein sportlicher Termin. Der Abbruch der Pressekonferenz zeigt, wie stark der Konflikt inzwischen auch die Abläufe rund um den Fußball bestimmt. Für die Mannschaften geht es am Sonntag um Punkte, für die Verbände und die UEFA zugleich um den Umgang mit politischen Spannungen im internationalen Wettbewerb.